27.11.2017

Obst-, Wein- und Gartenbauverein Schriesheim: Nikolausweinprobe trieb Stimmungspegel der "Obstler" nach oben

Mitglieder litten in diesem Jahr unter Ertragseinbußen - Qualität war dafür umso besser

Von Günther Grosch

Schriesheim. Zwar ließ sich der weißbärtige Alte im roten Gewand bei der traditionellen "Nikolaus-Weinprobe" des kürzlich 90 Jahre alt gewordenen Obst-, Wein- und Gartenbauvereins im Historischen Zehntkeller der Stadt nicht blicken. Und auch Musiker Rudi Kling ("Wie konn ma den Rudi dahoam losse?") wurde von den rund 100 Gästen diesmal vermisst. Dafür aber funkelten vom "vollmundig rassigen wie sanftmütigen Rubenswein" Kuhberg Silvaner Kabinett, dem Schlossberg Riesling, dem im Barrique gereiften Rittersberg St. Laurent und dem Rittersberg Gewürztraminer Kabinett aufwärts gleich vier mit Goldmedaillen ausgezeichnete Weine der Winzergenossenschaft in den Gläsern.

Abgerundet durch jeweils einen Rittersberg Weißburgunder Kabinett und einen Grauburgunder Kabinett hatte der Rebschutzwart der Winzergenossenschaft, Peter Haas, als kompetenter "Sommelier für einen Abend" bei herzhafter Vesperplatte und verbalen Bonmots, Histörchen und Anekdoten keine Schwierigkeiten, den Stimmungs- und Alkoholpegel der "Obstler" und Winzer schnell in die Höhe zu treiben.

Und das, obwohl das Wein- und Gartenjahr des 285 Mitglieder zählenden Vereins diesmal unter einem weniger guten Stern stand. "Be…scheiden" habe das Ganze angesichts erheblicher Frostschäden schon Mitte April angefangen, sagte Vorsitzender Thomas Buchwald im Gespräch mit der RNZ. "Bis hinauf zum Unteren Kuhbergweg" seien Frostgrade gemessen worden: "Was erfroren ist, wächst nicht mehr nach."

Von den Äpfeln und Birnen über "Quetsche und Persching" bis hin zu "einem der schlechtesten Herbste" bei den Trauben: Durchschnittlich bis zu 30 Prozent weniger Ertrag konnten deshalb bei der Lese in die Scheunen und Keller eingefahren und gekeltert werden. "Aber es hätte noch schlimmer kommen können", so Buchwald.

Aufgewogen und ausgeglichen auf der anderen Seite durch eine "exzellente Qualität" wurde das Murren deshalb auch beim ehemaligen Hausmeister an der Strahlenberger Grundschule und Schriesheimer Urgestein, Fritz Mildenberger, nicht allzu laut: "Das vollste Fass, es trinkt sich leer. Seid unbesorgt, es gibt noch mehr", hielt er es mit der auf der Einladung ausgegebenen Losung.

Einen passenden Trinkspruch hatten auch Weinkönigin Lisa und ihre Prinzessinnen Sophie - Peter Haas ist ihr Opa - und Annalena mitgebracht. "Bist du beim Weine, so bleibe dabei. Die Frau zuhause schimpft nachts um zwei genauso wie um drei."

Unter den Ehrengästen war auch die ehemalige Weinprinzessin und jetzige Werbeberaterin der Winzergenossenschaft, Astrid Spies. Sie freue sich darauf, eine Verkostung Schriesheimer Weine "einmal von der anderen Seite aus genießen zu können", so die "Weinhoheiten-Mama". Das 1930 gegründete Genossenschaft aus knapp 200 Winzern bearbeitet etwa 130 Hektar Rebfläche und lässt ihr Lesegut beim Badischen Winzerkeller in Breisach ausbauen.

Auch wenn man es sich am Samstag erst einmal gut gehen ließ, dauert die Winterpause beim Obst-, Wein- und Gartenbauverein nicht allzu lange, wie Buchwald sagte. Bereits am 14. Januar steigt ein großer Filmnachmittag, bei dem unter anderem Bilder von der diesjährigen Jahresfahrt nach Wien sowie vom 90-jährigen Jubiläumsabend gezeigt werden. Ein Schnittkurs mit Jutta Becker läutet die Arbeitsaktivitäten zwei Wochen später, am 27. Januar, ein. Und auch 2018 ist wieder eine Reise geplant: "Ende August geht es nach Verona", so Buchwald.

Weniger gut als die Verkostung kam am Samstagabend der Veranstaltungsort bei den Gästen weg: "Zu kahl" sei er, und es herrsche eine "Atmosphäre wie in einem Bunker", sagten viele Besucher Gäste im Historischen Zehntkeller nach dessen Umbau. Es sei "ungemütlich geworden".

Vor allem, dass dort jetzt "kein offenes Licht", sprich Kerzen, auf den Tischen mehr entzündet werden darf, stößt allenthalben auf "Unverständnis und Kopfschütteln".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung