29.11.2017

Notfall in Schriesheim: Ersthelfer retteten 55-Jährigem das Leben

Der Mann war in der Bismarckstraße zusammengebrochen - Rettungskette funktionierte reibungslos

Glück im Unglück hatte ein 55-Jähriger, der am Wochenende nahe "Majer’s Weinscheuer", wo gerade ein weihnachtlicher Kunsthandwerksmarkt stattfand, zusammenbrach: Passanten begannen mit der Wiederbelebung und halfen den Rettungskräften. Foto: Feuerwehr

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Es war in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnlicher Einsatz für Feuerwehr-Kommandant Oliver Scherer am Samstagmittag - nicht nur, weil es seine erste erfolgreiche Wiederbelebung werden sollte, sondern auch weil die Rettungskette dank aufmerksamer und engagierter Passanten dieses Mal perfekt und ohne Zeitverlust funktionierte. "Es ist ein sehr schönes Beispiel dafür, was Menschen leisten können, wenn sie sich zutrauen, anderen zu helfen", lobte Bürgermeister Hansjörg Höfer gestern. Doch der Reihe nach.

Um 13.28 Uhr wurde Scherer von der Rettungsleitstelle alarmiert: Ein Mann sei auf dem Gehweg in der Bismarckstraße zusammengebrochen. Normalerweise ist das eine Aufgabe für die "Helfer vor Ort"-Einheit des Roten Kreuzes, doch der Einsatzort lag für Scherer nur etwa 100 Meter entfernt, also quasi um die Ecke. Scherer machte sich sofort auf den Weg, da klingelte schon eine Frau am Feuerwehrhaus in der Talstraße Sturm, um ebenfalls Hilfe zu holen. Auch an der Kreuzung von Talstraße und Bismarckstraße stand bereits eine Person, um den Einsatzkräften den Weg zu weisen.

Als der Kommandant bei dem 55-Jährigen eintraf, leisteten Passanten bereits Erste Hilfe: Mit einer Herzdruckmassage versuchten sie, den Mann wiederzubeleben. Scherer bereitete einen automatisierten Defibrillator der Feuerwehr vor, die Helfer traten zurück, das Gerät schockte den Patienten einmal. Scherer machte danach mit der Herzdruckmassage weiter, die Ersthelfer übernahmen die Beatmung. Eine Frau mit medizinischer Vorkenntnis maß den Puls.

Doch damit nicht genug: "Ein Passant hat einen Regenschirm über uns gehalten, weil es in dem Moment einen Schauer gab", erzählte Scherer gestern. Die Erste Hilfe zeigte Erfolg: Der Puls des 55-Jährigen kam zurück. Als der Rettungsdienst den Schriesheimer ins Krankenhaus brachte, befand sich dieser wieder in einem stabilen Zustand.

Obwohl die Straße durch die Rettungsfahrzeuge gesperrt war, habe es kein Murren seitens der Autofahrer gegeben, sagte Scherer: "Da haben wir ja auch schon andere Erfahrungen gemacht - in alle Richtungen." Zum Beispiel Ende Juni 2016, als eine Autofahrerin den Feuerwehrleuten den Mittelfinger gezeigt hatte. Dieses Mal war die Blockade auch ohne Absperrung kein größeres Problem.

24 Stunden später wurde Scherer von der Leitstelle gemeldet, dass der 55-Jährige inzwischen wieder wach sei. Es habe keine neurologischen Ausfälle gegeben, hieß es. Die Chancen stehen also gut, dass der Mann keine größeren langfristigen Schäden davontragen wird. "Wie die Passanten geholfen haben, war fast schon professionell", lobte Scherer. Dass Beispiel zeige, dass es "unheimlich wichtig" sei zu lernen, wie eine solche Wiederbelebung funktioniert: "Ohne die Ersthelfer würde es heute für den Patienten vielleicht anders aussehen."

Es sei aber ebenso wichtig, im Fall des Falles tatsächlich etwas zu unternehmen. "Die meisten haben Angst, sie könnten etwas kaputtmachen", so Scherer, "aber in der Regel kann man es in so einer Situation nichts schlimmer machen." Und im besten Fall, wie am Samstag, kann man sogar ein Leben retten.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung