29.11.2017

Lehrerkonzert der Musikschule: "Es klingt wie ein Schnaps"

Lateinamerika war Programm im Schulzentrum - Feurige Latino-Rhythmen erweitern Repertoire

Von Marco Partner

Schriesheim. Buenos Aires, Rio de Janeiro oder Havanna. Die lateinamerikanischen Metropolen sind weit weg, doch am Freitagabend wirken sie plötzlich ganz nah: Es flammt noch einmal kurz der Sommer auf, als im Musiksaal des Kurpfalz-Gymnasiums zu einem impulsiven Instrumental-Konzert geladen wird. Samba, Bossa Nova, Tango, aber auch Balkan-Folklore vibrieren durch den kleinen Raum. "Bejambá" heißt das virtuose Duo mit der Flötistin Cathrin Ambach sowie dem Gitarristen Benjamin Grundmann, das zeitweise von der brasilianischen Schlagzeugerin Cris Gavazzoni unterstützt wird.

Das klingt nach viel Exotik, doch erweckt der Auftritt auch Heimatgefühle. Zumindest für eine der drei Musiker, denn für Cathrin Ambach ist es zugleich das erste Konzert an neuer Wirkungsstätte: Seit Oktober unterrichtet sie an der Schriesheimer Musikschule Klavier und Flöte. Als Leiter Olaf Weithäuser ihr verriet, dass bei der Veranstaltungsreihe "Lehrerkonzert" die Pädagogen einmal ihre persönlichen musikalischen Vorlieben präsentieren können, war sie sofort Feuer und Flamme.

Temperament- und schwungvoll startet auch das Konzert. Bei ihren ausgewählten Stücken aus "Suite Habana" von Eduardo Martín tauchen sie bei ihrer musikalischen Reise durch Lateinamerika zunächst in Kuba ein. Gefühlvoll wandert Grundmann bei "Lugares Comunes" (Marktplatz) oder "Sol y Sombras" (Sonne und Schatten) mit seiner linken Hand den Hals seines Instrumentes entlang, während er mit seiner rechten sanft die Saiten zupft.

Cathrin Ambach haucht derweil ihrem Lieblingsinstrument, der Querflöte, ausdrucksstark Leben ein. Mal flattern die Finger wie ein Kolibri über die Flöte, dann sorgt sie mit einem lang anhaltenden Ton für metallischen Klang. Ähnlich wie beim Buena Vista Social Club oder Herbie Mann kreiert das Duo somit einen typischen kubanischen Wohlfühlsound. Leicht, beschwingt, unbeschwert, mit einer kleinen Prise ansteckender Melancholie.

Schwermütiger geht es bei der Interpretation von "Etude Tanguistique" aus der Feder des großen argentinischen Tango-Komponisten Astor Piazzolla zu. Nun nimmt die seit 1999 in Deutschland lebende Cris Gavazzoni auf dem Cajón Platz, und das Konzert aufgrund der Trommelschläge weiter an Fahrt auf, nächster Zwischenstopp: Brasilien. Köpfe nicken, Füße wippen, als Celso Machados populäre Musikstücke adaptiert werden.

Auch die Titel sind von süßer Note. "Pacoa, das ist eine Süßigkeit mit Erdnüssen und viel Zucker. Davon kann man richtig dick werden", übersetzt die brasilianische Schlagzeugerin Machados Hang zu Süßspeisen. "Vom Hören aber nicht", gibt Ambach Entwarnung. Süß und verspielt wirkt denn auch die Musik, obwohl eines der Stücke, "Quebra Queixo" (natürlich wieder eine Süßspeise), zu Deutsch mit Kieferbruch übersetzt werden muss.

Auf die Süße folgt die Sphäre: Kristallklare Klänge erfüllen bei Chick Coreas "Crystal Silence" den Raum. Deutlich erdverbundener endet das kurzweilige Konzert. Bei der spanischen Flamenco-Nummer "Armandos Rhumba" holt Gavazzoni zum Trommelsolo aus, reichlich Folklore mit Gitarre und Flöte gibt es bei den mazedonischen Stücken von Miroslav Tadic zu hören. "Das trifft uns jetzt völlig unerwartet", flachst Ambach, als die Zuhörer eine Zugabe fordern. Doch prompt folgt zum Finale noch ein bulgarisches Volkslied. "Wir können den Titel nicht aussprechen, aber es klingt wie ein Schnaps", witzelt Ambach.

Der Anschauungsunterricht ist geglückt. "Jeder hat ja sein eigenes Metier", sagt Weithäuser. Von Klassik, Rock bis Pop ist das Kollegium breit gefächert. Dank Cathrin Ambach konnten nun auch feurige Latino-Rhythmen hinzugewonnen werden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung