01.12.2017

Lamers rechnet mit GroKo

Bundestagsabgeordneter sprach bei CDU-Weihnachtsfeier über politische Lage - Julia Philippi stellte sich als künftiges Landtagsmitglied vor

Schriesheim. (kaz) "Wir haben keine Staatskrise, sondern eine handlungsfähige Regierung", sagte Bundestagsabgeordneter Karl A. Lamers bei der Weihnachtsfeier des CDU-Ortsvereins Schriesheim. Ein Teil der rund 100 Mitglieder hatte sich zum gemütlichen Beisammensein in der Weinstube Müller versammelt, und erst nach dem Essen ging es um Politik - hauptsächlich um die gescheiterten Sondierungsgespräche.

Dass die FDP in Berlin vor einigen Tagen kurz vor Mitternacht den Ausstieg aus den Gesprächen erklärte, hatte Lamers Schilderung nach kein Parlamentarier aus den andern Fraktionen begriffen. Eigentlich müssten alle, die in den Bundestag gewählt werden wollen, bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, so Lamers, also auch in einer Koalition Kompromisse eingehen. Der CDU-Bundestagabgeordnete hätte "Jamaika" als Regierungskoalition für gut befunden und bedauert deren Scheitern.

Er geht nun davon aus, dass sich eine neue Regierung mit der SPD als Koalitionspartner bis Januar formiert. "Wir wollen die SPD ja nicht bedrängen, aber wir hoffen, dass sie auf die Spur kommt", so Lamers. Die Ansage von Martin Schulz schon kurz nach der Wahlniederlage, in die Opposition zu gehen, fand er befremdlich.

Zur aktuellen Lage in Berlin sagt er: "Wir brauchen eine Regierung, die Deutschland in schwieriger Lage voranbringt." Dem CDU-Bundestagsabgeordneten bereiten auch ein türkischer Präsident, der seit einiger Zeit "Sultan spielt", oder Putin und dessen Übergriffe auf die Ukraine Sorgen.

Sein eigenes Mandat hat er bei der Bundestagswahl am 24. September mit 11.803 mehr Erststimmen gegen seine Konkurrenten verteidigt. "Ich mache keine Unterschiede vor und nach der Wahl, wäre aber lieber vier Jahre im Bundestag statt nur ein halbes", scherzte Lamers. Im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 verlor er zwar an die 6000 Stimmen, dennoch sei er auf jede Stimme stolz, sagte Lamers. Die Wähler, die aus Protest die AfD wählten, könnten mit guten Argumenten zurückgewonnen werden. Er werde weiterhin Veranstaltungen in seinem Wahlkreis so oft besuchen, wie es irgendwie geht.

Allerdings wird er auch mit einer neuen Kollegin zusammenarbeiten: Julia Philippi rückt im Januar für den scheidenden Abgeordneten Georg Wacker in den Landtag von Baden-Württemberg nach. Dieser habe in 21 Jahren als Landtagsabgeordneter "wertvolle Arbeit geleistet". Seine Nachrückerin sei "eine tolle Frau", die als Kreisrätin, Gemeinderätin in Dossenheim und stellvertretende Bürgermeisterin Erfahrung gesammelt habe.

Philippi selbst, gut mit ihrem Kollegen im Bundestag befreundet, betonte, sie sei gespannt auf ihre neue Aufgabe im Landtag, wolle aber nicht die Bodenhaftung verlieren. Die Anliegen aus ihrem Wahlkreis sollen auch nach dem Wechsel im Januar in ihrer Arbeit präsent bleiben, es werde eine enge Verknüpfung zwischen Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik erfolgen.

Dem Schriesheimer Ortsverein dankte Lamers noch für die Unterstützung im Wahlkampf und bei seiner alljährlichen Sommertour - nicht ohne in eigener Sache anzukündigen, dass er schon bald wieder in Brüssel und danach als Nato-Politiker auch in den Vereinigten Staaten unterwegs sein werde.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung