01.12.2017

Viele Spender, wenig Helfer

Altbürgermeister Peter Riehl sprach bei Blutspender-Ehrung Probleme beim Roten Kreuz an - Helfer vor Ort benötigen neues Auto

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. 33 Prozent der Bundesbürger könnten Blut spenden, nur drei Prozent tun es aber regelmäßig. Doppelt so viele müssten es sein, um den Bedarf vollständig abdecken zu können - gerade im Bereich der Krebstherapien steigt die Nachfrage nach Fremdblut.

Bürgermeister-Stellvertreter Michael Mittelstädt hatte für die Ehrung von insgesamt 13 Blutspendern, von denen sechs zur Ehrung gekommen waren (siehe weiteren Bericht) einige Zahlen recherchiert. Und entschuldigte sich zugleich mit schlechtem Gewissen dafür, dass seine eigene Blutspende vor 27 Jahren in seine Bundeswehrzeit zurückreicht: "Ich verspreche nicht, dass ich beim nächsten Blutspendetermin am 18. Dezember dabei sein kann. Aber ich trage ihn auf jeden Fall in den Kalender ein."

Vonseiten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Schriesheim hörten das Vorsitzender Peter Rupprecht und Bereitschaftsleiterin Stefanie Zöllner gerne, obwohl beide nicht klagen können über die Spendenbereitschaft der Schriesheimer. "Wir haben um die 150 Personen pro Termin, darunter durchschnittlich 15 Erstspender. Und es ist schön, dass immer mehr Junge kommen", sagte Rupprecht der RNZ. Seit über 50 Jahren und somit fast direkt nach Einführung der freiwilligen Blutspende in Deutschland organisiert der Ortsverein mit viel Engagement seine jährlich mehrfach stattfindenden Aktionen. "Der Umzug vom Zehntkeller in die Mehrzweckhalle war gut. Dort haben wir die bessere Ausstattung", sagte Stefanie Zöllner.

Altbürgermeister Peter Riehl sprach als Ehrenvorsitzender des DRK-Kreisverbandes Mannheim auch die Probleme der gemeinnützigen Organisation an. Negativmeldungen über verspätete Rettungsdienste und katastrophale Zustände in einem hessischen DRK-Seniorenheim erschwerten die Arbeit im Ehrenamt. Sprich, es mangelt an Helfern: "Wir brauchen junge Leute, die mittun." Doch "schimpfen" helfe nicht, man müsse gegensteuern. Riehl plädierte zudem für eine integrierte Leitstelle, in der die Alarmierungen aller Rettungsdienste auflaufen. Er befürchte aber, dass die Einmischung von politischer Seite letztlich zwei Leitstellen ergebe.

Nicht zuletzt erinnerte er an den Einsatz des DRK in der Flüchtlingsbetreuung; allein in Mannheim seien es 2016 rund 5000 bis 6000 Flüchtlinge gewesen, für die sich das Rote Kreuz engagiert habe. "Es fehlt uns an ausgebildeten Kräften", betonte er noch einmal.

Gleichzeitig appellierte Riehl an die Anwesenden im Nebenzimmer der "Weinstube Hauser", wo die Geehrten im Anschluss zum Abendessen auf Kosten der Stadt eingeladen waren, sie sollten doch im Kreise von Familie und Freunden für die freiwillige und unentgeltliche Blutspende Werbung machen.

Riehl sprach zudem das System "Helfer vor Ort" (HVO) an: Hier überbrückt der alarmierte Ersthelfer durch entsprechende Maßnahmen die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. Rupprecht ergänzte später, dass Kai Zöllner seit rund fünf Jahren Tag und Nacht rund 220 Mal jährlich als Helfer vor Ort im Einsatz sei. Doch nun sei das alte Fahrzeug abgängig und zur Anschaffung eines neuen Fahrzeugs sei man auf Unterstützung seitens der Stadt und der Bevölkerung angewiesen. Durch Hilfe von Sponsoren sei es ja bereits einmal gelungen, einen neuen Mannschaftstransportwagen zu kaufen.

Hintergrund:
Für freiwilliges und unentgeltliches Blutspenden zeichnete Bürgermeister-Stellvertreter Michael Mittelstädt seitens der Stadt folgende Bürger aus:

Ehrennadel in Gold (Spendenzahl 10): Uwe Brauer, Inge Kling, Anja Miltner, Jörg Penndorf, Heidi Weber, Renate Döbler, Gerhard Lange, Sebastian Ortmann und Damaris Platte.

Ehrennadel in Gold mit goldenem Lorbeerkranz (Spendenzahl 25): Beate Döbele und Heinz Kimmel.

Ehrennadel in Gold mit goldenem Eichenkranz (Spendenzahl 75): Alexander Fröhner und Heinrich Schork (Letztgenannter ist betrübt darüber, dass er aus Altersgründen künftig nicht mehr Blut spenden darf). (nip)

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung