02.12.2017

Krimi-Lesung in Schriesheim: Die Stadt der Romantik wurde zum Albtraum

Marlene Bach trug ihren Krimi "Endstation Heidelberg" in der Stadtbibliothek vor - Leiterin wünscht sich weitere "Lesung to go"

Schriesheim. (nip) Es gibt Romanfiguren, die es dem Leser nicht leicht machen, bei denen man zwischen Kopfschütteln über deren Dummheit und Sympathie für ihre menschlichen Schwächen schwankt: Mila Böckle, Protagonistin des Buches "Endstation Heidelberg" von Marlene Bach, ist so eine Person, in deren Leben nichts mehr rund läuft, woran sie selbst nicht geringen Anteil hat. "Diese Hauptfigur ist nach Ansicht meiner Lektoren moralisch nicht einwandfrei", gab Bach jetzt bei einer Lesung in der Stadtbibliothek Schriesheim zu. Ein Termin als Novum: Die Psychologin und Autorin mehrerer Regionalkrimis war zum ersten Mal vor Ort und fand das neue Leseangebot "to go" von Bibliotheksleiterin Johanna Krämer und ihrem Team sehr interessant.

"Wir wollten mal etwas Neues ausprobieren", sagte Krämer der RNZ. Eine Lesung "to go" bedeute, dass jeder in dieser einen Stunde kommen und gehen könne, wie er wolle. "Gehen, ohne dass man von der Autorin böse angeguckt wird", sagte Bach schmunzelnd. Tatsächlich steigerte sich die Anzahl der Zuhörer von anfangs zehn auf 14. "Ich kenne das Buch bereits", sagte eine Schriesheimerin, die womöglich den sechsten Titel von Bach als Tagesroman in der RNZ gelesen hat, in der das Ganze jüngst ein dramatisches Ende fand.

Zu ihrer Protagonistin zog die Autorin zwar keine persönlichen, jedoch räumliche Parallelen: Beide stammen aus dem Norden, beide verschlug es nach Heidelberg. Bach wohnt seit 20 Jahren in der Stadt der Romantik, in die Mila Böckle kommt, weil ihre Tante Flo sie rausgeworfen hat.

Aus gutem Grund: Mila verlor innerhalb eines Tages ihren Liebsten an die scheinbar beste Freundin und zugleich noch ihren Job. Seitdem heult sie sich im Haus der Tante die Augen aus. Damit soll nun Schluss sein. Die Tante zwingt sie nach Heidelberg, wo Mila die Pension einer Bekannten führen und sich am besten neu verlieben soll.

Natürlich kommt es anders: Am Hauptbahnhof wird die junge Frau mit dem gewaltsamen Tod einer bekannten Alzheimer-Forscherin konfrontiert, deren Tasche sie dummerweise auch noch an sich nimmt. Ab da wird Mila verfolgt und muss um ihr Leben fürchten. "Es ist eigentlich kein typischer Kriminalroman", sagte Marlene Bach ihren Zuhörern. Denn diesmal wählte sie die "Ich-Form", lässt also Mila Böckle erzählen, und verweist Hauptkommissarin Magdalena Mooser, aus den vorherigen Büchern gut bekannt, in eine Nebenrolle. Dafür gibt es wieder jede Menge Lokalkolorit.

Ob die Stadtbibliothek nun eine Reihe aus dem Leseangebot "to go" macht, muss sich zeigen. Es wäre aber wünschenswert, wie Krämer anmerkte. Die Zuhörer dürften das ähnlich sehen: In der Vorweihnachtszeit passt so ein zeitlich begrenzter Termin am Spätnachmittag gut in den Kalender. Und wenn die Tage wieder länger werden, sowieso.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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