02.12.2017

Diebstähle in Schriesheims Norden nehmen zu

Bewohner fühlen sich mit Problematik alleingelassen - Polizei fährt häufiger Streife - Fahrräder, wenn möglich, in der Garage abstellen

"Einen Sicherheitsverlust spüre ich da schon", sagt ein Vater aus dem Neubaugebiet Nord. Seine Familie wurde innerhalb eines Monats gleich zweimal Opfer von Dieben. Foto: Dorn

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Um 23.15 Uhr ging das Flutlicht vor der Haustür von Michael B. an. Einen knappen Monat zuvor war das Fahrrad seines Sohnes gestohlen worden, also hatte er die Beleuchtung mit Bewegungsmelder an seinem Haus angebracht. Die Täter scheint das am Abend des 25. Oktober wenig zu interessieren: Als B. die Haustür leise einen Spalt weit öffnet, sieht er, wie sich ein Mann trotz gleißenden Lichts an den Rädern der Familie in der Einfahrt zu schaffen macht. Eine Frau steht Schmiere. Als sie B. bemerkt, verschwinden die beiden - nachdem der Mann B. noch kurz zunickt. "Das war an Dreistigkeit kaum zu überbieten", sagt der Familienvater.

Es ist nur eine von vielen ähnlichen Fällen im Schriesheimer Norden: Zwischen 1. Mai und 22. November wurden der Polizei in diesem Bereich 20 Fahrraddiebstähle angezeigt, wie Polizeisprecher Michael Klump auf Anfrage der RNZ mitteilte, deutlich mehr als in den Monaten zuvor. Die Polizei spricht von einer "Tathäufung", fährt laut eigenen Angaben dort nun auch öfter Streife. Michael B. erzählt, dass viele Einwohner gerade im Neubaugebiet trotzdem verunsichert seien: "Einen Sicherheitsverlust spüre ich da schon."

Es sind nicht nur Räder, die dort verschwinden: So ziemlich alles, was nicht niet- und nagelfest ist, fällt den Dieben zum Opfer - Hundeboxen, Netze, lose Gegenstände. Die Fahrräder der Familie hat B. nach zwei Diebstählen innerhalb eines Monats mehrfach zusammengeschlossen. "Meine Frau muss jetzt jeden Morgen drei Sachen aufmachen, damit die Räder benutzt werden können", sagt B., "und wenn man alle vier Wochen Angst haben muss, dass wieder etwas wegkommt, sinkt auch die Wohnqualität."

Zur Aufklärungsquote der Diebstähle kann die Polizei bisher keine Angaben machen. Die Bewohner des Neubaugebietes fühlen sich laut B. mit der Problematik alleingelassen: "Man hat nicht das Gefühl, dass das wirklich bearbeitet wird", sagt er, "die Anzeige bringt nur was für die Statistik und die Versicherung." Wegen der Personalknappheit bei der Polizei wolle er den Beamten aber keinen Vorwurf machen.

Deren Sprecher Michael Klump widerspricht dieser Einschätzung: "Die Kollegen sind sich dessen sehr wohl bewusst, nehmen die Sache sehr ernst und verfolgen das." Zur Personaldebatte bei der Polizei wollte er sich dagegen nicht äußern. Konkrete Tatverdächtige gebe es bisher nicht, doch es deute nichts auf eine organisierte Bande hin - eher auf Einzeltäter, die mit Diebstahl für ihren eigenen Unterhalt sorgen. B. vermutet das auch: "Das waren keine Profis, die hatten nicht mal einen Seitenschneider dabei, als ich sie beobachtet habe."

Obwohl die Polizei im Schriesheimer Norden nun häufiger Streife fährt, will B. beim Diebstahlschutz zusätzlich zu den drei Fahrradschlössern nachrüsten: "Ich will mir für 200 Euro eine Kamera holen, weiß aber nicht, wie da die rechtliche Situation aussieht." Polizeisprecher Klump mahnt diesbezüglich zur Vorsicht: "Sofern nur das eigene Grundstück im Blickfeld der Kamera ist, geht das in Ordnung." Sobald aber auch nur die Möglichkeit gegeben sei, dass auch der Gehweg oder die Straße überwacht würden, "wäre das ein schwerwiegender Grundrechtseingriff und vor Gericht ein gefundenes Fressen für jeden Anwalt".

Klump rät deshalb, nichts lose vor dem Haus herumstehen oder -liegen zu lassen - und nach Möglichkeit die eigenen Fahrräder in der Garage abzustellen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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