19.12.2017

Saisonfinale der Ringer: KSV Schriesheim wird aufsteigen

Nach dem 19:15-Sieg über Aichhalden dürfte der KSV Schriesheim aufsteigen, muss aber nicht

Von Claus Weber

Schriesheim. Was für ein unrühmliches Saisonfinale in der Ringer-Regionalliga. Am letzten Kampftag verloren alle fünf Klubs, die noch für die Vizemeisterschaft in Frage gekommen wären. Gibt es ein überzeugenderes Argument, dass keiner in die Bundesliga aufsteigen will?

Die RG Hausen-Zell hat es - trotz Niederlage - dennoch erwischt. Die Südbadener müssen als Tabellenzweiter hoch. Und weil Meister Adelhausen II nicht aufsteigen darf, könnte auch noch der KSV Schriesheim ins Oberhaus nachrücken. Die Bergsträßer katapultierten sich durch ihren 19:15-Sieg über den AB Aichhalden und die gleichzeitige Niederlagenserie ihrer Konkurrenten vom siebten auf den dritten Rang nach oben. Sie haben nun das Recht, aber nicht die Pflicht aufzusteigen - bis zum 31. Dezember müssen sie sich erklären.

Schon gestern Morgen klingelte Hardy Stüber bei Klaus Grüber durch. Der KSV-Sportchef musste den Staffelleiter vertrösten. Seine endgültige Antwort dürfte aber wohl negativ ausfallen. "Wir werden uns noch besprechen", sagte Grüber, "aber ein Aufstieg ist eher unwahrscheinlich." Erst vor zwei Jahren hatten die Schriesheimer ihr Team aus sportlichen und finanziellen Gründen aus dem Oberhaus zurückgezogen.

Trotzdem stellten sie in dieser Regionalligarunde schon wieder das vermutlich beste Team. "Ich Nachhinein muss man sagen, dass wir - hätten wir immer unsere beste Staffel stellen können - Erster oder Zweiter geworden wären", blickte Trainer Kai Dittrich zurück.

Dass es dennoch sechs Niederlagen und zwei Unentschieden gab, lag an den personellen Problemen des KSV: Vasile Dobrea wurde nicht als "Sportdeutscher" anerkannt, obwohl er schon fast sieben Jahren hier ist. Shamil Ustaev ist aus der 61 kg-Klasse herausgewachsen, und Dawid Wolny laborierte wochenlang an einem Bänderriss.

Auch im Abschlusskampf gegen Aichhalden konnte Schriesheim keine komplette Staffel aufbieten, sondern gab die 57-kg-Klasse kampflos her. Und weil auch noch der favorisierte Ceyhun Zaidov bei eigenem Überwurf auf die Schultern fiel, wurde es am Ende spannend.

Nach den Siegen von Geburtstagskind Rene Jünger, Attila Tamas, Shamil Ustaev, Marcus Plodek und Ionel Puscasu stand es vor dem letzten Kampf 15:15. Aber Dawid Wolny sorgte mit seinem 16:1-Überlegenheitssieg in nur 1:34 Minuten für ein versöhnliches Saisonende der Schriesheimer.

Damit konnte auch Marc Hartmann gut leben. Der junge Abteilungsleiter sprach nach seinem ersten Jahr im Amt von einer Saison mit vielen Höhen und Tiefen. "Zwischendurch war es sehr nervend, weil wir wegen der vielen Ausfälle nicht planen konnten", sagte er.

Im nächsten Jahr hofft der Schriesheimer Ringer-Chef auf mehr Kontinuität. "Es wird keine gravierenden Änderungen im Kader geben", kündigt er an, "nur hier und da eine Verstärkung."

Und wenn es dann besser läuft, würden sich die Schriesheimer dem Aufstieg nicht (mehr) entziehen. Kai Dittrich wäre jedenfalls dabei. "Wenn es nach mir geht, steigen wir nächstes Jahr auf", sagte der Trainer, "mit unserer künftigen Mannschaft wäre ein gesunder Platz im Mittelfeld der ersten Liga möglich."

Von einem Durchmarsch hält er jedoch nichts. Was auch an den Strukturen liegt, die der Deutsche Ringer-Bund (DRB) im letzten Jahr festgelegt hat. Nach der Abspaltung der Deutschen Ringer-Liga (DRL) hat er die zweiten Ligen abgeschafft, so dass der Sprung von der Regional- in die Bundesliga gewaltig ist. Dittrich kritisch: "Es ist beschämend, dass sich der DRB mehr darum gekümmert hat, einen persönlichen Streit mit der DRL auszufechten, statt sich darum zu kümmern, dass der Laden in den unteren Ligen richtig läuft."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung