28.12.2017

Das Jahr in Schriesheim: Kleine Lösungen und allergische Reaktionen

Die Schriesheimer Themen und Ereignisse des Jahres 2017 in alphabetischer Reihenfolge - Zusammengestellt von Frederick Mersi

> A wie AfD-Protest: Ist "Schriesheimer Vielfalt" kein Wein für Rechtspopulisten? Die Alternative für Deutschland war über ein großflächiges Protestplakat im Vorfeld ihrer Wahlkampfveranstaltung im Juli empört, sprach von einer "Schande" und zog Vergleiche zum Judenboykott der Nationalsozialisten. Spitzenkandidatin Alice Weidel kam trotzdem in die Mehrzweckhalle, Störungen oder Ausschreitungen gab es nicht.

> B wie Beifuß-Ambrosie: Mit seinem geschulten Auge erkannte Biologielehrer Karl Wilhelm Bauer die für Allergiker hoch gefährliche Pflanze in der Schubertstraße sofort. Das städtische Ordnungsamt gab seinen Fund auch an die Landesanstalt für Umwelt in Baden-Württemberg weiter. Sie versucht, die Ausbreitung der Ambrosie nachzuverfolgen. Die Pflanzen in der Schubertstraße wurden herausgerissen.

> C wie Container-Filiale: Weil ihr eigentliches Zuhause in der Bismarckstraße entkernt und grundsaniert wird, zog die Filiale der Volksbank Kurpfalz im April in Container-Einheiten auf dem Festplatz um. Zuvor war dort der ungeliebte Brunnen abgerissen worden. Noch vor dem Mathaisemarkt will die Volksbank in die Bismarckstraße zurückkehren.

> D wie Dauerbaustellen: Erst erschienen die Arbeiter zu spät, dann gar nicht, und schließlich musste noch an den Gehwegen nachgebessert werden. Bei den Sanierungen der Oberen Bergstraße und des Dossenheimer Wegs lief wenig nach Plan, was der neue Stadtbaumeister Markus Schäfer deutlich kritisierte. Die Baufirma versprach Besserung und eine "Top-Kolonne" für die Schillerstraße, dort blieben die Arbeiten im Zeitrahmen. Weitere Baustellen sind die Sofienstraße, Rind- und Steinschleifenweg.

> E wie Elektroauto: Die Stadtverwaltung nennt seit April einen Renault Kangoo Z.E. ihr Eigen, der über eine Ladestation hinter dem Rathaus mit Strom versorgt wird. Der kommt aber aus dem Blockheizkraftwerk im Keller, das wiederum Gas verbraucht. Die Ökobilanz des Autos trübt das zwar, alte Fahrzeuge will die Verwaltung in Zukunft aber trotzdem durch E-Autos ersetzen.

> F wie Feuerwehrhäuser: Den einen regnet es durchs Dach, die anderen bräuchten mehr Platz - Schriesheims Feuerwehrleute haben nicht nur bei Einsätzen mit widrigen Bedingungen zu kämpfen. Ein Bedarfsplan soll jetzt auflisten, welche Defizite am dringendsten behoben werden müssen.

> G wie Grund- und Gewerbesteuer: Die Aufregung war groß, als der Gemeinderat nach seiner Klausurtagung im November die Hebesätze für Grund- und Gewerbesteuern erhöhte. Im Kreis springt Schriesheim bei der Grundsteuer von Platz 27 auf Platz acht der Städte mit den höchsten Hebesätzen, bei der Gewerbesteuer von Rang 42 auf zehn. Bei letzterer versagten Freie Wähler und FDP-Stadtrat Wolfgang Renkenberger ihre Zustimmung.

> H wie Hort-Neubau: Nicht ohne Grund wurde das ursprünglich mit Kosten von 700.000 Euro eingeplante Bauprojekt von Grünen-Stadtrat Robert Hasenkopf als Schriesheims "Elbphilharmonie" bezeichnet. Die aktuelle Kostenschätzung liegt bei mehr als drei Millionen Euro, ganz fertig ist das Gebäude noch nicht. Immerhin wurde Ende Juli Richtfest gefeiert.

> I wie Internet: Schnelle Glasfaserverbindungen wünschen sich besonders die Ortsteile Altenbach und Ursenbach schon seit Jahren, doch werden sie frühestens Ende 2018 in den Haushalten ankommen. Bürgermeister Hansjörg Höfer sagt, er sei über die Dauer des Projekts frustriert. Das ändert aber nichts daran, dass man in Ursenbach laut Ortsvorsteherin Rosemarie Edelmann immer noch neben den eigenen E-Mails herlaufen kann.

> J wie Jagdpacht-Vergabe: eigentlich eine selten notwendige Routine-Angelegenheit für den Gemeinderat, dieses Jahr aber mit einigen Komplikationen verbunden. Weil ein Jagdgenosse nicht mit dem Verfahren einverstanden war, wurde die Versammlung der Grundstücksbesitzer in Altenbach und Ursenbach ein zweites Mal abgehalten. Drei Jäger mussten sich deshalb trotz Gemeinderatsbeschluss länger gedulden als ihre Kollegen in Schriesheim. Seit 19. Dezember steht fest: Auch sie dürfen sechs Jahre lang auf Feldern und in Wäldern jagen.

> K wie Kindergarten: Vier Millionen Euro lässt sich die Stadt den Neubau der "Kinderschachtel" in der Kurpfalzstraße kosten. Fraglich ist, ob dieser Kostenrahmen eingehalten werden kann. Ein weiterer Neubau könnte noch im kommenden Jahr beschlossen werden.

> L wie Lärmbelastung: Ob an Werktagen oder Wochenenden - so häufig wie selten zuvor wurden in diesem Sommer Feuerwerke über Schriesheim gezündet. Junge Familien, Schichtarbeiter und Haustierbesitzer klagten über die abendlichen Explosionen am Nachthimmel. Die Stadt ließ prüfen, ob die Häufigkeit mit einer neuen Satzung eingeschränkt werden könnte - ohne Erfolg, wie Bürgermeister Höfer im Jahresgespräch sagte.

> M wie Mergel: Erst wollte die Winzergenossenschaft eine großflächige Neuordnung der Reblandschaft im Gewann "Mergel", dann einigten sich die Weinbauern zum Erstaunen vieler mit Vertretern von Naturschutzorganisationen auf eine kleine Lösung. Die wiederum wird beim zuständigen Landesamt kritisch gesehen. Ob es in den kommenden Jahren überhaupt eine Flurneuordnung geben wird, ist daher derzeit noch völlig offen.

> N wie Notarzt: Die medizinische Notfallversorgung im Vorderen Odenwald soll im kommenden Jahr spürbar verbessert werden, dazu wird ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) samt Personal tagsüber nach Schriesheim verlegt. Als Standort vorbereitet ist bereits das DRK-Heim in der Ladenburger Straße. Ein Beschluss dazu steht aber noch aus.

> O wie Ortsteile: Groß war die Freude in Altenbach und Ursenbach über die Eröffnung des Branichtunnels im vergangenen Jahr. Umso größer war das Unverständnis darüber, dass beide Ortsteile jetzt am Westportal nicht ausgeschildert sind - im Gegensatz zu "Schriesheim-Ost", unter dem sich selbst in der Kernstadt kaum jemand etwas vorstellen kann. Eine guerilla-artige Beklebung mit dem Schriftzug "ALTENBAC" wurde vom Straßenbauamt wieder entfernt, ein Besuch im Regierungspräsidium Karlsruhe soll nach Willen des Altenbacher Ortschaftsrates mehr Erfolg bringen.

> P wie Poller: Dass manche Einwohner geradezu allergisch auf Straßensperrungen reagieren, war bereits 2016 bei der Branich-Abfahrt "Laubelt" deutlich geworden. Als die St.-Wolfgang-Straße wegen der Baustelle im Dossenheimer Weg kurzzeitig freigegeben wurde, nutzte wieder ein Unbekannter die Gunst der Stunde und zementierte die Halterungen für die Pfosten zu. Eine teure und zugleich unsinnige Sachbeschädigung: Mitarbeiter der Stadt setzten neue Halterungen und die Pfosten wieder ein. Die Freien Wähler versuchten im Gemeinderat, die Straße wieder für den Verkehr ins Gewerbegebiet zu öffnen, scheiterten aber mit ihrem Antrag.

> Q wie Quotenregelung: Bezahlbarer Wohnraum ist knapp in der Weinstadt, die Mietpreise steigen, Baugrund ist kaum verfügbar. 2018 will der Gemeinderat über ein Neubaugebiet südlich des Schlittwegs diskutieren, und die SPD will eine Quotenregelung für bezahlbaren Wohnraum in Neubauten ins Gremium einbringen. Falls im Gebiet Altenbach-Süd zwölf neue Häuser entstehen, will sich die Stadt auch dort ein Vorkaufsrecht sichern.

> R wie Riehle-Peter: Seinen 75. Geburtstag feierte der Alt-Bürgermeister und Ehrenbürger mit Freunden, Bekannten und vielen Lokalpolitikern vor dem Rathaus. Trotz Krücken ließ es sich der Jubilar nicht nehmen, bei den Gesangvereinen mitzusingen - im Stehen.

> S wie Schulzentrum: Nach der Klausurtagung des Gemeinderats ist der Schulbauprozess am Ende, noch bevor er je richtig angefangen hat. Stattdessen sagten die Stadträte Investitionen von bis zu zwölf Millionen Euro in den nächsten vier Jahren zu, um das Gebäude schrittweise zu sanieren. Bis zum Frühjahr will die Verwaltung eine Planung für die Sanierung vorlegen - auch, um Förderungen beim Land beantragen zu können.

> T wie Talstraße: Auch wenn viele Autofahrer inzwischen den Branichtunnel nutzen, sind einige Anwohner weiterhin mit der Gesamtsituation unzufrieden. Ihrem Ärger machten sie auch mit Plakaten Luft. Bevor jedoch baulich irgendetwas an der Talstraße verändert werden kann, muss diese erst einmal vom Land an die Stadt übergeben werden. Dabei geht es um viel Geld, schließlich müssen Straßenbelag und Brücken dringend saniert werden. Eine Einigung darüber, wer welche Kosten übernimmt, steht noch aus. Klar ist dagegen laut Landratsamt, dass es in der Talstraße weiterhin keinen fest angebrachten Blitzer geben wird.

> U wie Unterkunft: Etwa 150 Geflüchtete sind derzeit in Schriesheim dezentral, überwiegend in einzelnen Wohnungen, untergebracht. Ob dieses erklärte Ziel des Gemeinderats auch 2018 erreicht werden kann, ist unklar: Im Dossenheimer Weg wurde im Sommer eine Gemeinschaftsunterkunft eingerichtet, in der Carl-Benz-Straße soll bald eine zweite folgen. Bisher steht trotzdem noch nicht ausreichend Platz zur Verfügung. Das Gebäude in der Carl-Benz-Straße war vom Kreis bis Januar als Flüchtlingsunterkunft genutzt worden, durch einen Brand wurde es jedoch unbewohnbar.

> V wie VRN-Linienbündel: Zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember erlebte Schriesheim zwar nicht sein blaues Wunder, aber immerhin neue, im Einheitslook des Verkehrsverbundes blau lackierte Busse mit WLAN, großen Bildschirmen und USB-Ladestationen. Auch die Fahrzeiten wurden leicht angepasst, um die Anschlüsse der Linie 628 an die Bahnen der Linie 5 besser gewährleisten zu können. Betreiber bleibt die Busverkehr Rhein-Neckar GmbH (BRN).

> W wie Waldschwimmbad: Bis Juli "hui", später "pfui" - so lässt sich die Saison im Waldschwimmbad zusammenfassen. Im Jahresdurchschnitt lag die Besucherzahl dennoch etwas höher als im Vorjahr, bei den Mitgliedern der Interessengemeinschaft zur Erhaltung des Bades betrug der Höchststand zeitweise 6152 - so viele wie seit fünf Jahren nicht mehr. Im großen RNZ-Freibädertest an Bergstraße und Neckar schnitt das Bad mit knappem Vorsprung am besten ab.

> X wie X-Trail (Crosstrail): Steil hinauf, über Stock und Stein ging es im Oktober beim vierten "Strahlenburgtrail". 253 Männer und Frauen zwischen 18 und 70 Jahren wagten sich auf die Strecke mit über 300 Meter Höhenunterschied. Mehrmals hatte der TV Schriesheim kostenlose Vorbereitungsläufe angeboten. "King of the Hill" wurde Moritz von der Heide (LAZ Puma Rhein-Sieg), als beste Frau erreichte Lena Berg (Engelhorn Sports Team/TV Schriesheim) das Ziel.

> Y wie Yoga für Kinder: Es war nur eines der vielen Schnupper-Angebote bei der offiziellen Eröffnung des etwa 14 Millionen Euro teuren Ärzte- und Therapeutenhauses "Dok:Tor" Ende Juni nach 20 Monaten Bauzeit.

> Z wie Zehntkeller-Sanierung: Viel Verwirrung herrschte um die im Frühjahr abgeschlossene Neugestaltung und den neuen Fluchtweg der "guten Stube" der Stadt, Bürgermeister Höfer gab später Fehler in der Kommunikation zu. Über das Aussehen des Kellers waren die Meinungen der Besucher gespalten, bei der Akustik könnte im nächsten Jahr noch nachgebessert werden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung