06.04.2018

Schlossberghütte Schriesheim: Winzer klagen über Vandalismus und Verschmutzung

Schlossberghütte wurde wiederholt zum Ziel von Randalierern - Weinbauern mahnen auch Hundebesitzer zu mehr Achtsamkeit

Schriesheim. (fjm) Dunkle Wolken ziehen über den Schlossberg, die Premium-Lage für den Riesling der Winzergenossenschaft (WG). Das Wetter am Donnerstagnachmittag passt zur Stimmungslage bei Karlheinz Spieß, stellvertretender Vorsitzender der WG. "Wir wollen niemanden anprangern", sagt der Obstbauer und Winzer. "Wir wollen nur mal wieder die Bevölkerung etwas wachrütteln." Das Problem ist nicht neu, aber weiterhin aktuell: Vandalismus und Verschmutzung in Schriesheims Weinbergen.

Immer wieder hat es die Schlossberghütte getroffen: Mal wurden die Fallrohre der Regenrinnen kaputtgemacht, mal die Fensterläden aufgehebelt, mal der Eingangsbereich mit Graffiti beschmiert. "Irgendetwas ist immer", sagt Spieß. Das bestätigt Stefan Röger, Winzer im Nebenerwerb, der den Wingert gepachtet hat. Wenn es wärmer werde, feierten oft ganze Gruppen junger Leute in den Weinbergen und ließen diese dann zum Teil völlig verdreckt zurück. Manchmal werde randaliert.

"Dass die hier feiern, bemängeln wir nicht", sagt Karlheinz Spieß. "Irgendwohin müssen sie ja gehen." Zurück blieben allerdings häufig Müll, Flaschen oder Glasscherben. "Wir hatten ja am Wochenende die große Müllsammelaktion in den Weinbergen", ergänzt Stefan Röger. "Das hat genau acht Tage lang gehalten." Schon wieder findet sich Plastikmüll zwischen den Reben, oft direkt neben den Hinterlassenschaften von Hunden.

"Es ist alles verkotet", klagt Spieß. Manche Hundebesitzer respektierten das Eigentum der Winzer nicht, täten sogar direkte Aufforderungen zur Benutzung von Tüten einfach ab. "Die Leute sollen das einfach mal so sehen, als wäre es ihr eigener Garten", sagt Spieß. "Aber das interessiert anscheinend keinen mehr."

Und so landet der Kot, manchmal sogar schon in Plastiktüten gepackt, in den Geräten oder an den Schuhsohlen der Winzer. Schon im vergangenen Jahr hatte Peter Grüber seinen Ärger über die Verschmutzung der Weinberge kundgetan und kritisiert, dass Spaziergänger häufig einfach quer durch die Rebzeilen wandern oder darin picknicken. Bürgermeister Hansjörg Höfer hatte damals sogar mit Kontrollen durch das Ordnungsamt gedroht, vor allem um Hundebesitzer zum Aufsammeln der Hinterlassenschaften ihrer Tiere zu bewegen.

Zum Treffen an der Schlossberghütte ist Höfer ebenfalls gekommen, hört sich das Anliegen der Winzer in Ruhe an, zeigt Verständnis und kann doch keine wirklich Lösung anbieten. "Ich kann auch nur an die Bevölkerung appellieren", sagt er. Effektive Kontrollen können die Mitarbeiter des Ordnungsamts in den Weinbergen nicht leisten. Erst wenn sich Anwohner über feiernde Gruppen in den Wingerten beschweren, wird die Polizei aktiv. "Die kontrollieren das dann auch", so Höfer. Ansonsten verweist er darauf, dass die Weinberge nun einmal gern von Wanderern genutzt würden und gegen friedliches Feiern, ohne Müll zu hinterlassen, nichts einzuwenden sei.

Früher gab es für den Schutz landwirtschaftlicher Flächen die Feldpolizei, heute bleiben weitgehend Appelle als Mittel übrig. "Wir wollen auch niemanden anprangern", betont Karlheinz Spieß noch einmal, "auch nicht die Stadt". Doch die Winzer hoffen, dass ihr Aufruf zu mehr Ordnung und Sauberkeit in den Weinbergen in den kommenden Monaten zumindest etwas Wirkung zeigt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung