12.04.2018

Mathaisemarkt-Bilanz: Kälte ließ in Schriesheim Rummel und Rubel weniger rollen

Mathaisemarkt-Bilanz: Kälte ließ in Schriesheim Rummel und Rubel weniger rollenMarkt-und Kulturausschuss zieht nüchternes Fazit: Laut Feuerwehr kamen nur 89.000 Besucher. Allerdings stach der Festzug positiv heraus.

Von Marco Partner

Schriesheim. Es sei weder ein Ausreißer nach oben, noch einer nach unten. Relativ nüchtern fällt zunächst die Bilanz des Markt- und Kulturausschusses zum diesjährigen Mathaisemarkt aus. Lob gibt es für die Kreativität des Festumzuges, die Sicherheit und Präventionsarbeit. Erst nach und nach sickern am Montag bei der Sitzung im Rathaus auch Kritik und Verbesserungsvorschläge durch. Vor allem über die diesjährige Umstellung zahlreicher Stände seien nicht alle Beschicker glücklich gewesen.

Insbesondere die Kälte machte allen Beteiligten zum Start des großen Frühlingsfestes zu schaffen. Schneeflocken rieselten auf die Fahrgeschäfte herab, da rollten Rubel und Rummel nur bedingt. Auf insgesamt 89.000 Personen schätzt die Feuerwehr ihren Zählungen zufolge die Besucherzahl. Somit bleibt der Mathaisemarkt zahlenmäßig deutlich unter den Erwartungen zurück. Mit 120.000 bis 130.000 Volksfestgängern sei laut Bürgermeister Hansjörg Höfer im Vorfeld gerechnet worden.

Höfer führt das Ausbleiben aber nicht nur auf den anfänglichen Wintereinbruch zum Frühlingsfest zurück. Sondern auch auf die grassierende Grippewelle. Auch einige Standbetreiber mussten krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Die meisten Beschicker vor Ort seien aber zufrieden gewesen. "Der Großteil fand, es war ein guter Mathaisemarkt", erklärt Ordnungsamtsleiter Dominik Morast.

Bernd Hegmann von den Freien Wählern kam da aber etwas anderes zu Ohren. Insbesondere kleinere Stände wie die Cocktailbar hätten diesmal einen deutlich schlechteren Umsatz erwirtschaftet. Vor allem, weil sie wegen der neuen Jahrmarkt-Einteilung nicht mehr an ihrem gewohnten Platz zu finden waren. "Sie waren hinter dem Auto-Scooter ganz versteckt und haben nur ein Fünftel so viel eingenommen wie sonst", erklärt Hegmann. Die Umstellung des "Großen Hammer" habe die wilde Durchmischung der Stände bedingt. "Er darf nicht auf die Straße rausschlagen", so Höfer über das kolossale Fahrgeschäft.

Vonseiten der Besucher sei die Umgestaltung des kleinen Volksfestdorfes aber auch positiv aufgenommen worden. "Einige haben gesagt, endlich lohnt es sich mal wieder, herumzulaufen und zu suchen, da nichts mehr am selben Fleck ist", verweist Morast auch auf die nötige Abwechslung bei der Stände-Einteilung. Fest an seinem angestammten Platz war dagegen das Hamel-Zelt. Doch auch hier machte den Besuchern zunächst die Kälte zu schaffen. Einen Windfang für den Gang zur Toilette fordert Stadträtin Andrea Diehl (CDU). Aufgrund der einzuhaltenden Fluchtwege seien laut Höfer die Möglichkeiten jedoch begrenzt.

Ein Lob erteilt CDU-Kollege Frank Spingel der Bedienung. Doch auch hier stellt Bernd Hegmann Verbesserungsbedarf fest. "Es gab auch massive Beschwerden, teilweise haben die Gäste zwei bis drei Stunden auf ihr Essen gewartet", so Hegmann. Hähnchenbestellungen seien aufgenommen worden, obwohl der Transporter mit den begehrten Schlägeln noch auf dem Weg nach Schriesheim war. Auch das lange Schlangestehen bei der Pfandrückgabe nach der Modenschau wird bemängelt.

Für Verwunderung sorgte die eigenmächtige Handhabe des Security-Personals, Jugendliche unter 18 Jahren plötzlich nicht mehr ins Festzelt zu lassen. "Es gab Beschwerden von Müttern, die Söhne haben sich extra die Haare gegelt. Und dann bekommen sie keinen Einlass", verrät Höfer. Also intervenierte der Bürgermeister. "Die Security soll sich an das Jugendschutzgesetz halten. Aber auch nicht mehr", stellt er klar.

Deutlich weniger Probleme als in den Vorjahren vermelden die Sicherheitskräfte. "Das Komasaufen hat abgenommen", betont Morast. Am ersten Wochenende musste das Deutsche Rote Kreuz 21 Personen behandeln. Aber nur ein Drittel davon wegen gesteigerten Alkoholkonsum. "Das war früher viel schlimmer. Nur eine Person musste alkoholbedingt ins Krankenhaus", erklärt der Ordnungsamtsleiter.

Ob es an der Präventionsarbeit liegt? Renate Hörisch-Helligrath (SPD) verweist auf die gute Aufklärungsarbeit an Schulen. "Auch der Jugendgemeinderat leistet hier gute Arbeit", findet Philipp Jäck (CDU). "Es ist wohl die Kombination aus Prävention und repressiven Maßnahmen", sagt Morast auch im Hinblick auf die Polizeipräsenz. Immer wieder sahen die Beamten auch am beliebten geheimen Trinkort vieler Heranwachsender, dem Spielplatz, nach dem Rechten. Auch die Gewaltdelikte seien rückläufig. "Größere Körperverletzungen sind mir nicht bekannt", erklärt Morast. Insgesamt musste beim Mathaisemarkt nur ein Platzverweis ausgesprochen werden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung