25.07.2005

Eine Erfolgsgeschichte feierte ihr 75-Jähriges

Eine Erfolgsgeschichte feierte ihr 75-Jähriges
Festabend zum Jubiläum der Winzergenossenschaft – Ewald blickte zurück

Die Sänger der Eintracht, des Liederkranz Schriesheim, des Liederkranz Altenbach, der Lyra sowie des MGV Leutershausen und der Sängereinheit Leutershausen gaben der WG ein großes Jubiläumsständchen – unter der Leitung von Markus Hölzel. Bürgermeister Peter Riehl sang später auch noch mit – beim Extra-Lied für die Wein- und Winzerhoheiten.

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Mit einem großen Festabend feierte die Winzergenossenschaft (WG) am Samstag in der Mehrzweckhalle ihr 75-jähriges Jubiläum. Unter den Ehrengästen waren die Badische Weinkönigin Simone Landerer, der Vorstandschef des Badischen Genossenschaftsverbandes, Gerhard Roßwog, sowie der Präsident des Badischen Weinbauverbandes, Gerhard Hurst, und Günter Hilmert, Vorstandsmitglied des Badischen Winzerkellers Breisach. Auch dessen Aufsichtsratsvorsitzender Karl-Heinrich Maier war zum Festabend gekommen. Alleine ihre Anwesenheit zeigte: Schriesheim ist im badischen Weinbau eine feste Größe und eine gute Adresse. Eine Entwicklung, die am 19. Juli 1930 mit der Gründung der WG im Zehntkeller ihren Ausgang nahm. An die Historie der Winzergenossenschaft erinnerte Vorstandsvorsitzender Friedrich Ewald (im Bild).

Beim Rückblick auf 75 Jahre Winzergenossenschaft falle immer wieder auf: „Not macht erfinderisch“, so der Vorstandschef. Bürgermeister Georg Rufer habe damals den entscheidenden Anstoß zur Gründung der WG gegeben. Rasch habe sich die junge Genossenschaft entwickelt. 1931 waren aus den 27 Gründungsmitgliedern bereits 67 Genossenschaftler geworden (heute sind es knapp 300). Der Fassraum betrug 60000 Liter. Ab dem Mathaisemarkt 1932 übernahm die WG den alleinigen Ausschank im Zehntkeller. In den Jahren von 1934 bis 1936 steigerten sich die Auslieferungsmengen. Auch der Fass- und Tankraum wurde vergrößert; der Absatz zog an. Hier verwies Ewald übrigens darauf, dass die WG schon damals ein verlässlicher Partner des Waldschwimmbades gewesen sei – Anfang 1936 wurden von der WG 228 Reichsmark zum Bau des Bades beigesteuert.

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg stellte die WG bei den Lieferungen von Fass- auf Flaschenwein um. Die Folge: Ein sprunghafter Anstieg im Verkauf. Auch für die Schriesheimer Winzergenossenschaft war der Krieg eine Zäsur. Die Nachkriegszeit war von Konsolidierung und neuen Entwicklungen geprägt. In den Jahren von 1947 bis 1950 stieg die Mitgliederzahl um mehr als ein Drittel. 1951 wurde das Kelterhaus erweitert, ein Jahr darauf wurde erstmals eine Weinkönigin mit ihren zwei Prinzessinnen gewählt. Erste Weinkönigin war Gretel Weißbrod, geborene Frank, die ebenfalls zum Festabend gekommen war.

„Die Zukunft ermöglichen“

1953 wurde der Einzugsbereich der WG auf die Nachbargemeinden ausgedehnt. Elf Jahre später wurde erstmals eine Geschäftsstelle eingerichtet. Inzwischen 30 Jahre – auch dies ein „kleines Jubiläum“, so Ewald – ist es her, dass mit dem Badischen Winzerkeller in Breisach ein Teilanlieferungsvertrag abgeschlossen wurde. Hier gab es beste Voraussetzungen für Herstellung, Ausbau, Lagerung und Absatz der Weine. 1969 gründete die WG die Wein- und Vertriebsgenossenschaft und kaufte das Gasthaus „Zum Goldenen Hirsch“. Im Anwesen Hirsch wurde ein Jahr darauf ein neues Kelterhaus in Betrieb genommen. Den Ausbau der Weine übertrug man komplett dem Badischen Winzerkeller. 1976/77 wurde das neue Kelterhaus am Dossenheimer Weg gebaut, und prompt gab es 1977 mit 1,3 Millionen Kilogramm Trauben einen Rekord-Herbst. 1979 dann der erste Versuch, eine Rebflurbereinigung in die Wege zu leiten. Ohne Erfolg. „Eine große Chance wurde vertan“, so Ewald. Wahrscheinlich wird sie jetzt, 26 Jahre später, genutzt.

Die jüngste Vergangenheit war geprägt von schnellen Marktveränderungen und wachsender Konkurrenz aus dem Ausland, der sich die WG stellt. Der Badische Winzerkeller sei dabei ein starker Partner der Winzer und Harald Weiss ein hervorragender Geschäftsführer der WG. Der Rebsortenspiegel sei bestens geordnet. „Was die Zukunft anbelangt, so haben wir nicht die Aufgabe sie vorherzusehen, sondern sie zu ermöglichen“, zitierte Ewald schließlich Antoine de Saint Exupéry. Und dabei sei ihm um die Zukunft der WG nicht bange, schloss der Vorstandschef.

Bürgermeister Peter Riehl sprach in seinem Grußwort von der unbedingten Notwendigkeit der sich anbahnenden Rebflurbereinigung: „Wir sind da auf einem guten Weg“. Riehl verwies auf die Jahrhunderte alte Tradition Schriesheims als Markt – mit der Besonderheit, Winzerstadt zu sein. Die Gemeinde sei die „Urzelle des Lebens. Hier unten hat alles angefangen“. Hier gebe es die Männer und Frauen, die stets auch in der Not den richtigen Weg erkannt und danach gehandelt hätten. Daran solle sich die Politik heute erinnern, sprach er die anwesenden Abgeordneten direkt an. Mit dem Weinbau werde in Schriesheim ein Stück Lebensqualität gestaltet, so Riehl. Er freue sich, mit der WG noch in seinem letzten Amtsjahr als Bürgermeister das Jubiläum feiern zu können.



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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung