23.08.2005

Der Talabwind säubert die Schriesheimer Luft

RNZ-Serie „Schriesheims Umwelt“, Teil XII: Luftqualität – Schadstoffrückgang in letzten zehn Jahren – Gute Raumluft in Schulen und Kindergärten

Von Stefan Zeeh

Schriesheim. Der Mensch lebt nicht von Luft allein. Doch ist es gerade der Zustand der Luft, der zunehmend ins Bewusstsein der Menschen gerückt ist und somit auch einen wichtigen Teil der Lebensqualität ausmacht. Im zwölften Teil der RNZ-Serie „Schriesheims Umwelt“, die den von Dr. Sonja Burst vorgelegten Umweltbericht zusammenfasst, wird folglich die Luftqualität in Schriesheim thematisiert.

Für den Luftaustausch und damit auch für das Klima in Schriesheim sind die nächtlichen Kaltluftströme aus dem Odenwald von größter Bedeutung. So sorgt beispielsweise der nach Sonnenuntergang einsetzende Kanzelbachtal-Abwind für einen raschen Abbau thermischer und lufthygienischer Belastung. Dieser Talabwind umfasst eine etwa 100 Meter dicke Luftschicht und wirkt sich bis westlich der B 3 aus. Dabei verringern sich seine Windgeschwindigkeiten und damit auch das Potenzial zum Luftaustausch von der Mündung des Kanzelbachtals in die Oberrheinebene bis zur B 3 beträchtlich. Noch am Rathaus werden mittlere Windgeschwindigkeiten von etwa 5,5 Meter pro Sekunde gemessen. Am Sportgelände sind es aber nur noch 1,5 bis zwei Meter pro Sekunde. Ursache für die nachlassende Windgeschwindigkeit ist vor allem die Bebauung, und somit kommt bebauungsinternen Grünzügen eine wichtige Funktion als Belüftungsbahn zu. Dort wo bauliche Hindernisse den Kaltluftstrom aber aufstauen, stellt sich eine verstärkte Abkühlung ein, wodurch in den Übergangsjahreszeiten mit erhöhter Bodenfrostgefahr zu rechnen ist.

Um diese für Schriesheim so wichtigen Windsysteme zu erhalten, ist nach Burst beispielsweise das Kanzelbachtal, aber auch das Altenbachtal und das Ursenbachtal vor weiterer Bewaldung und Verbuschung zu schützen. Zudem sollte das Gewerbegebiet im Süden Schriesheims auch langfristig nicht über den Dossenheimer Weg nach Osten weiterentwickelt werden (davon ist allerdings ist auch kaum auszugehen. Schließlich beginnen hier sofort die Weinberge). Bebauungsinterne Ventilationsbahnen sollten bei baulichen Erweiterungen berücksichtigt werden.

Über die Luftschadstoffe in Schriesheim liegen fast keine Daten vor. Doch lassen die Daten der Messstationen der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg in Mannheim, Heidelberg und Wilhelmsfeld Rückschlüsse auf die Luftreinheit in Schriesheim zu. So ist davon auszugehen, dass der Schwefeldioxidgehalt in Schriesheim von zwölf Mikrogramm pro Kubikmeter Luft in den Jahren 1992/1993 auf etwa fünf Mikrogramm zurückgegangen ist. Dieser Rückgang ist vor allem auf den Einsatz emissionsärmerer Brennstoffe und spezieller technischer Maßnahmen in der chemischen Industrie zurückzuführen. Beim Stickstoffdioxid, das zu Atemwegserkrankungen führen kann und auch mitverantwortlich für die Waldschäden ist, muss der Verkehr als Hauptverursacher angesehen werden. Nur etwa ein Fünftel des Stickstoffdioxids stammt aus Kleinfeuerungsanlagen und der Industrie. 1992/1993 wurden noch 29 bis 37 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft in Schriesheim gemessen. Entsprechend des Rückganges in der Messstation Mannheim-Nord von etwa 25 Prozent, dürfte heute in Schriesheim mit einer Stickstoffdioxidbelastung von 22 bis 28 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft zu rechnen sein.

Über Feinstaubpartikel liegen keine ortsspezifischen Werte vor, doch dürfte die Belastung im Bereich der Messstationen Wilhelmsfeld und Heidelberg liegen, also zwischen 17 und 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Auch für die Ozonkonzentration nimmt Sonja Burst an, dass sie zwischen den Werten von Heidelberg und Wilhelmsfeld liegt. Der ab 2010 geltende Grenzwert von 120 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft wurde in Wilhelmsfeld an 98 Tagen und in Heidelberg an 64 Tagen überschritten.

Eine ganz andere Quelle für die Luftbelastung, vor allem in Innenräumen, sind Baustoffe. Deshalb wurden in den letzten Jahren von der Stadtverwaltung Untersuchungen zur Schadstoffbelastung in städtischen Gebäuden in Auftrag gegeben. Im Kurpfalz-Schulzentrum ergaben sich zwar keine Hinweise auf das Vorhandensein von Asbestfasern und Formaldehyd, aber eine massive PCB-Belastung in der Grund-, in der Real- und in der Hauptschule. Messungen nach der Sanierung zeigen, dass die PCB-Werte stark abgesunken sind und im Niveau des Sanierungszieles liegen. Im Kindergarten Römerstraße waren in einer Wandverkleidung und einer Holzdecke erhöhte PCP und Lindangehalte festgestellt worden. Die belasteten Bauelemente wurden jedoch bereits ersetzt.

Ansonsten ist es erfreulich, dass in den untersuchten Kindergärten und auch in den Schulen, sowie in der Mehrzweckhalle und den Büroräumen des Rathauses keinerlei Schadstoffe in der Luft festgestellt wurden oder deren Gehalt weit unter den zulässigen Grenzwerten liegt. Trotzdem werden die Untersuchungen weiter fortgesetzt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung