21.10.2005

Spenden in Form von Bausteinen

Der katholische Kirchturm muss vollständig saniert werden

Schriesheim. (Si) „An der Kirchturm-Balustrade bröckelt es“: Diese Schreckensmeldung veranlasste die Verantwortlichen im Jahr 2003, den Turm der katholischen Kirche „einzurüsten“, um erst einmal Schlimmeres zu verhindern.

Steine von der Balustrade, die um den Kirchtum herum läuft, waren abgebröckelt und die Brocken bei den Nachbarn gelandet. Schnelles Handeln war nötig: Ein Gerüst wurde aufgestellt und die Steine schnellstens abgetragen, um weitere Gefahr abzuwenden. Das Mauerwerk (ein Gemisch aus Sandstein und Beton) landete damals beim Steinmetz und liegt nun im Kirchturm unter dem Dach. Dabei stellte sich heraus, dass der Turm, der in den 20er Jahren erbaut wurde (damals kam auch die Balustrade dazu), zwar selbst noch in Ordnung ist, aber dennoch größere Sanierungen in absehbarer Zeit notwendig sind. Eine Totalsanierung zum Beispiel am Glockenstuhl würde sich anbieten, denn an den Fenstern ist bereits Feuchtigkeit eingedrungen, und auch am Mauerwerk nagt langsam der Zahn der Zeit, so die erste Bestandsaufnahme.

Nach den ersten Arbeiten im Frühjahr 2004 konnten die Glocken wieder geläutet werden: Nachdem die Schäden an der Balustrade entdeckt worden waren, mussten diese aus Sicherheitsgründen erst einmal schweigen, denn man wusste nicht, wie sich die Schwingungen der Glocken langfristig auf das Gebäude auswirken würden. Die Frage „große Sanierung oder kleine Sanierung“ entschied sich 2003. Die große Sanierung wurde natürlich als die sinnvollste und langfristig wohl „günstigste“ Lösung genannt, scheiterte aber an der Finanzierung. Da vor dem Frühjahr 2004 ohnedies nichts passieren würde, baute man 2003 das Gerüst aus Kostengründen wieder ab. Stiftungsrat und Kirchengemeinderat hofften und hoffen immer noch auf Spendengelder.

Kirchengemeinderatsvorsitzender Detlev Aurand ist zuversichtlicher, dass es 2006 klappen wird: „Wir müssen sanieren, daran führt kein Weg vorbei. Der Turm war eine Stiftung eines Schriesheimers, der damals nach Amerika auswanderte“, erinnert sich Aurand. Vom Turm gibt es wenig Unterlagen. Gutachter untersuchten, wie sich die Schwingungen der Glocken tatsächlich auf das Gebäude auswirken.

Eine Lösung wäre, den Glockenturm mit Neopren oder ähnlichen Materialien aus Hartgummi auszupolstern – kein Standardprogramm für die Fachleute. Gleiches gilt auch für das „Rund-um-Gerüst“. Selbst an eine Kirche ohne Turm hatte man gedacht. Doch eine Kirche ohne den prägnanten Zwiebelturm würde das lieb gewonnene Stadtbild doch gewaltig ändern.

Die Überlegungen sind soweit gediehen: Nur eine vollständige Sanierung kommt in Frage, keine unbezahlbare „Luxus-Sanierung“. Aber Schieferziegel für das Dach und Schutzbleche (um den noch nicht maroden Turm zu erhalten) müssen sein. Die Gutachter finden sich noch voll in der Planungsphase. Im nächsten Frühjahr aber sollte sich etwas tun, so Aurand. Dazu müssen als absolutes Minimum, um überhaupt anfangen zu können, 150000 Euro bereit stehen – Ausschreibungen für 30 bis 40 Gewerke stehen dann an.

Viel in Eigenleistung stemmen, finanzielle Mittel heranschaffen und als Basis die (Hoffnung auf) Zuschüsse: Die Gläubigen, die Erzdiözese, die Banken, selbst die Kommunen sind gefordert. Um das Vorhaben zu finanzieren, ist die Pfarrgemeinde auf großzügige Spenden aus allen Himmelsrichtungen angewiesen.

Gedacht ist an eine Bausteinaktion. Der Stiftungsrat, der das Vermögen vor Ort verwaltet, wird die endgültige Planung dem Kirchengemeinderat vortragen. Doch der Startschuss zum Bau steht und fällt mit der Finanzierung.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung