29.11.2005

Erwin Leuthe: „Ich trete nicht mehr an“

SPD-Bürgermeisterkandidat zieht Konsquenzen aus schlechtem Wahlergebnis – Wahlempfehlung für Höfer – Scharfe Kritik an Rosenberger

Leuthe erhielt im ersten Wahlgang nur 7,04 Prozent der Stimmen.
Von Carsten Blaue

Schriesheim. Er sei enttäuscht von seinem Wahlergebnis von gerade mal 7,04 Prozent, akzeptiere aber als Demokrat das Votum der Wähler. „Und es ist klar, dass ich daraus meine Konsequenzen ziehe“. Wieslochs Baubürgermeister Erwin Leuthe, angetreten als Kandidat der SPD, kündigte gestern an, dass er seine Bewerbung für die Bürgermeisterwahl zurückzieht. „Ich trete nicht mehr an“, sagte er. Und rief seine Wähler dazu auf, bei der Neuwahl am 18. Dezember für Hansjörg Höfer zu stimmen. Dabei legte Leuthe Wert auf die Feststellung, dass er dabei nur im eigenen Namen und nicht für die SPD spreche. Schriesheims Sozialdemokraten werden sich heute in einer Vorstandssitzung mit dem Wahlergebnis befassen. Danach werde man sich endgültig äußern, so SPD-Ortschefin Irmgard Mohr, die sich am Wahlabend bereits für eine Unterstützung Höfers ausgesprochen hatte. „Aber das war meine Privatmeinung“.

Höfer sei ihm programmatisch am nächsten, sagte Leuthe. Außerdem habe er Höfer im Wahlkampf auch menschlich am sympathischten empfunden. Zu den Gründen für sein schlechtes Abschneiden sagte Leuthe: „Die Stimmung in den letzten zwei, drei Wochen bewegte sich in die Richtung, dass entweder ein Auswärtig-Konservativer oder ein Einheimisch-Progressiver gewählt wird. Und durch dieses Raster bin ich dann leider durchgefallen. Das bedauere ich sehr“, so Leuthe, der sich auch gestern sicher war: „Ich wäre ein guter Bürgermeister für Schriesheim gewesen.“ Er habe nicht das volle Wählerpotenzial der SPD ausschöpfen können, „da Höfer das hat, was die Wähler an mir vermisst haben“, so Leuthe zum Heimvorteil. Dass die Schriesheimer einen Bürgermeister aus ihren Reihen wollen, machte er zudem daran fest, dass auch Rosenberger das Potenzial des bürgerlichen Lagers nicht ganz für sich verbuchen konnte: „Ihm fehlen insgesamt doch wohl 13 Prozent des gesamten bürgerlichen Blocks“, so Leuthe.

Den Mannheimer Bezirksbürgerdienstleiter könne er nicht „ruhigen Gewissens“ empfehlen. Für Leuthe grenzte Rosenbergers Darstellung der eigenen Verwaltungskompetenz „fast schon an Hochstapelei“: Rosenbergers fachlicher Einflussbereich bewege sich in Mannheim vergleichsweise im Rahmen dessen, „was die 1,5 Verwaltungsstellen in Altenbach sind“, nur eben hochgerechnet auf die Einwohnerzahl der drei Stadtteile, in denen Rosenberger die Bürgerdienste leite.

Auch spreche nicht für Rosenbergers Verwaltungserfahrung, dass er bei seiner Auftaktveranstaltung in der Weinscheuer Majer einen Getränke-Nachlass von 50 Cent gewährt habe, so Leuthe: „Das ist eigentlich Wählerbestechung, und ich wundere mich, wie ihm so ein Lapsus passieren konnte.“

Leuthe sagte, er habe im Wahlkampf „viele gute persönliche Kontakte gehabt“. Auch seien Freundschaften entstanden, die über den Wahlkampf hinaus Bestand haben werden. So will er seine Kontakte zu Schriesheim auch nicht abbrechen: „Ich werde bei Festen öfter mal wieder auftauchen“.

Zudem habe er im Wahlkampf viel gelernt, gab Leuthe zu, „und zwar, was meine Persönlichkeitsbildung angeht“. Er habe rhetorische Schwächen gehabt – gerade vor großem Publikum. Da habe er sich aber mit der Zeit gebessert. „Und es fiel mir oft schwer, auf den Punkt zu kommen. Ich war manchmal zu ausufernd.“ Er sei diesbezüglich dankbar, „dass mich die Schriesheimer auf den Weg gebracht haben.“

Auf die Frage, ob er es in einer anderen Stadt von vergleichbarer Größe nochmal versuchen würde, antwortete Leuthe zögerlich: „Das ist auch eine Kostenfrage. Ein Jahresurlaub mit meiner Familie ging da schon drauf. Ich konnte im Wahlkampf auch bei den Sponsoren nicht so mithalten.“ Außerdem müsse es auch persönlich passen: „Ich muss mich in der Stadt wohl fühlen, in der ich kandidiere.“ So hätte er sich eine Kandidatur in St. Leon-Rot zum Beispiel gar nicht vorstellen können. Hier wird am 29. Januar gewählt.

Leuthe bedankte sich schließlich ausdrücklich bei seinen Schriesheimer Wählern für ihr Vertrauen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung