30.11.2005

Welche Strategie verfolgt „Südzucker“?

Kurpfalz-Gymnasium nimmt wieder am Projekt „business@school“ teil – Schüler präsentierten Ergebnisse und stellten sich Experten-Fragen

Welche drei Maßnahmen Sie ergreifen würden, wenn Sie morgen Chefs von Infineon wären, fragten die Experten aus Wirtschafts- und Finanzunternehmen zum Beispiel das Team, das sich mit dem Chip-Hersteller beschäftigt hatte.
Von Catrin Weykopf

Schriesheim. Beamer und Laptop sind vorbereitet, Bluse und Kravatte zurechtgerückt, noch einmal tief durchatmen und dann hoch aufs Podium zur Präsentation: Wie im echten Unternehmen und mit einer guten Portion Lampenfieber betraten die Schüler des Projekts „business@school“ kürzlich im Kurpfalz-Gymnasium die Podien in der Aula und im Musiksaal, um vor kritischen erwartungsvollen Juroren aus Wirtschaft, Finanzen und Unternehmensberatung ihre Ergebnisse zu präsentieren.

Das Projekt, an dem sich das Kurpfalz-Gymnasium (KGS) nun zum vierten Mal beteiligt, wird auch in diesem Schuljahr wieder begeistert aufgenommen. 30 Schüler aus Mosbach und Schriesheim nehmen in sechs Teams teil. Und das Praktische dabei: Die zeitaufwändige Arbeit, die die Schüler in das Projekt investieren, zählt auch fürs Abitur, denn „business@school“ wird am KGS als Wahlkurs angeboten.

In drei Phasen beschäftigen sich die Schüler über das ganze Jahr hinweg zunächst mit einem börsennotierten Großkonzern, anschließend mit einem mittelständischen Unternehmen vor Ort und entwickeln am Ende schließlich eine eigene Geschäftsidee mit dazugehöriger Marketingstrategie. Hans-Peter Kohl, der betreuende Lehrer am KGS, und Peter Stumpf vom Mosbacher Gymnasium stehen den Schülern dabei mit Rat und Tat zur Seite.

Im zweistündigen Kurs, der jede Woche auf dem Stundenplan steht, haben die Schüler seit Anfang des Jahres erstmal Grundlagen der Wirtschaftswissenschaften gebüffelt, um sich dann gut gerüstet an die eigentliche Arbeit zu machen. Jedes Team nahm in den letzten Wochen je ein Großunternehmen ganz genau unter die Lupe. Die Ergebnisse der Analyse werden dann, wie nun geschehen, einer Jury vorgestellt. Das Projekt ist nämlich gleichzeitig ein Wettbewerb der Teams untereinander und schließlich auf Landesebene.

Hoch professionell in Anzug und Kostüm führten die Schüler-Teams per Power-Point-Präsentation die Juroren und Besucher in die Welt von Mövenpick oder Heidelberger Druck ein. Produktpalette, Finanzen und Konkurrenten der Firmen wurden vorgestellt, und am Ende jeder Vorführung stand eine so genannte „SWOT-Analyse“, bei der die Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen für jedes Unternehmen gegenüber gestellt und auch eigene Einschätzungen bezüglich der Firmenstrategien abgegeben werden. Doch allein mit der Präsentation war es noch nicht getan. Zehn Minuten Befragung folgten. Dabei nahmen die Jury-Mitglieder die Teams ordentlich in die Zange.

Welche drei Maßnahmen sie ergreifen würden, wenn sie morgen Chefs von Infineon wären, fragten die Experten aus Wirtschafts- und Finanzunternehmen etwa das Team, das sich mit dem Chip-Hersteller auseinander gesetzt hatte. Kompliziert auch die Frage beim Team „Südzucker“. Hier wollte die Jury die Erfolgsfaktoren der Firmenstrategie erklärt wissen.

Nach drei parallel ablaufenden Präsentationen in der Aula und im Musiksaal der Schule zogen sich die kritischen Wirtschaftsleute zur Beratung zurück. Nach 40 unendlich lang erscheinenden Minuten kamen sie dann endlich wieder, und Timmo Sturm von SAP verkündete die Gewinner der ersten Phase: Team „Südzucker“, dessen Präsentation passenderweise den Namen „Reicht es, raffiniert zu sein?“ hatte, und die Schüler, die sich mit der „Grafit Kropfmuhl AG“ beschäftigt hatten, durften den ersten Etappensieg einstreichen. Die Gruppen hätten ganz eng beieinander gelegen, doch auch für die Sieger gilt es, sich noch zu steigern, erklärte Sturm nach der Entscheidung.

Um bei dieser Runde gleich fürs nächste Mal zu lernen, gaben die Juroren zum Schluss jedem Team in kleiner Runde ihr Feedback zur Präsentation, die für die Schüler den Großteil der Arbeit ausmacht. Und „es ist sehr viel Arbeit, die man ins Projekt investiert, vor allem die letzte Phase ist Stress pur“, resümiert Moritz Werner, ein Schüler aus der dreizehnten Klasse, der im letzten Jahr selbst am Projekt teilgenommen hatte.

Aber der Stress kann sich lohnen. Vor zwei Jahren hat ein Schriesheimer Team den dritten Platz in der Endwertung geholt. Und die Firmen locken mit tollen Preisen wie Flughafenbesichtigungen und Praktikumsplätzen.



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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung