01.12.2005

Auch Volker Arras zieht Kandidatur zurück

Schriesheims Kämmerer gibt keine Empfehlung ab für die zweite Runde der Bürgermeisterwahl, sagt aber: „Ich weiß, wen ich wählen werde“

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Er empfinde keine Bitterkeit. Auch Schuldzuweisungen gebe es mit ihm nicht: Volker Arras analysiert sein Abschneiden bei der Bürgermeisterwahl am vergangenen Sonntag ruhig und sachlich. Und zieht die Konsequenz: „Ich werde am 18. Dezember auch nicht mehr zur Wahl stehen.“ Eine Wahlempfehlung gibt Arras gestern im Gespräch mit der Presse nicht.

Das Wahlergebnis habe gezeigt, so Schriesheims Kämmerer, der als parteiunabhängiger Kandidat angetreten war, dass eine Bewerbung für den zweiten Wahlgang „nicht zum Erfolg führen wird“. In Sachen Wahlempfehlung sagt Arras: „Ich weiß, wen ich wählen werde. Aber die Bürger sind mündig genug, um sich weder von mir noch von jemand anderem vorschreiben zu lassen, wen sie wählen sollen.“

Natürlich habe ihn das Ergebnis von gerade mal 9,31 Prozent im ersten Wahlgang enttäuscht, „und ich war schockiert am Sonntagabend. Aber das war es dann auch schon“. Er ist gelassen. Zumal er sich in Bezug auf seinen Wahlkampf nichts vorzuwerfen habe: „Das Ergebnis stand nicht im Verhältnis zum Wahlkampf“, sagt Arras, der auf seiner Homepage denen für ihr Vertrauen dankt, die ihn gewählt haben.

„Alle haben zu mir gesagt: ‚Das war ein Super-Wahlkampf’. Daher hätte ich auch ein besseres Ergebnis erwartet.“ Arras will sich eigentlich nicht mehr damit beschäftigen, woran es lag: „Ich brauche nichts mehr zu analysieren. Unter zehn Prozent sprechen für sich.“

Hakt man aber nach, dann sagt Arras: „Was ich versucht habe rüberzubringen, war nicht gefragt. Außerdem haben es die Parteien verstanden, ihre Wähler so zu mobilisieren, dass dieses Ergebnis raus kam.“ Was ihn durchaus überrascht: „Die Bürgermeisterwahl ist eine Personenwahl. Ich hätte den Parteieneinfluss so nicht eingeschätzt“. In seinem Resümee hebt Arras hervor, „dass mein Wahlkampf fair und sauber war. Ich habe keinen Konkurrenten angegriffen“.

Eine Wahlempfehlung abzugeben, mache aber dennoch keinen Sinn. Zumal er sich selbst ja als unabhängiger Kandidat bei den Parteien vorgestellt und daher deren Unterstützung auch nicht bekommen habe: „Und diejenigen, die mich gewählt haben, sind keiner Parteiempfehlung gefolgt und werden das auch nicht am 18. Dezember tun.“

Obwohl manche schon damit rechneten, dass sich Arras für Höfer ausspricht. Arras gibt zu: „Ich habe mich innerlich nie als Konkurrent Höfers gesehen, und ich glaube auch nicht, dass ich ihm Stimmen weggenommen habe. Wir kennen uns fast 30 Jahre lang und verstehen uns gut. Warum soll man das nicht dokumentieren dürfen – auch wenn man sich um das gleiche Amt bewirbt?“. Dennoch: Eine Empfehlung ist daraus nicht abzuleiten. Arras sagt: „Ich werde mich da in keine Abhängigkeit begeben.“ Sein ehemaliger Mitbewerber, Wieslochs Baubürgermeister Erwin Leuthe, hatte sich Anfang der Woche eindeutig für Höfer ausgesprochen.

Auf die Frage, ob er in Schriesheim auch in Zukunft Kämmerer bleibt, antwortet Arras zögernd: „Ich habe da keine abschließende Entscheidung getroffen. Das hängt auch von der persönlichen Situation ab.“ Es sei zunächst Sache des künftigen Bürgermeister, ihn als Kämmerer anzunehmen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung