16.12.2005

Auch beim Ortstermin rauschten Autos vorbei

Ärger über den Durchfahrtsverkehr: Anwohner wollten von den Bürgermeisterkandidaten wissen, was sie von der Lage im Dossenheimer Weg halten

Schriesheim. (nam) „Es wird immer schlimmer“: Nachts raubt der nun mehr regelmäßige Durchgangsverkehr den Anwohnern den Schlaf und am Tag gefährdet er Fußgänger, die nicht schnell genug zur Seite springen können. Die Anlieger der Werner-von-Siemensstraße haben die Nase voll. Das Problem: Die Teilstrecke des Dossenheimer Weges zwischen Robert-Bosch-Straße und Spännig Weg. Diese ist eigentlich für den Verkehr gesperrt und nur für landwirtschaftliche Fahrzeug erlaubt.

Was allerdings die Wenigesten interessiert, die die Strecke als kürzere Verbindung zwischen Innenstadt und Gewerbegebiet nutzen: Als Abkürzung und Umgehung der B3 nach Dossenheim oder als Durchfahrtsstraße des Lieferverkehrs. Kunden der Supermärkte und Ausflügler würden auch regelmäßig dort langfahren, so die Anwohner.

Welche Lösungen sie sich denn vorstellen können, um das zu unterbinden, wollten die Betroffenen von den Bürgermeisterkandidaten Hansjörg Höfer und Peter Rosenberger wissen. Beide schauten sich bei einem Vororttermin die Lage an. „Kontrollen, die sind unrealistisch“, so Anwohnerin Renate Müller. „Die finden ein paar Mal statt, die Autofahrer fahren eine zeitlang vorsichtig und dann geht es gerade so weiter wie bisher“. Poller wären vielleicht eine Alternative, allerdings müssten die so angebracht oder abgebaut werden können, dass sie die Winzer während der Lese nicht behindern.

„Ein Ausbau der Straße kommt wohl nicht in Frage, da sind wir uns alle einig“, sagte Rosenberger. Schon allein wegen des Landschaftsschutzes sei dies nicht möglich.

Einige Anwohner sahen die Lösung in einer Schranke, was aber als ziemlich einschneidend empfunden wurde. Auch eine Einbahnstraßenregelung löse das Problem nicht. „Einbahnstraßenschilder haben aber eine andere Wertigkeit als Anliegerschilder“, gab Rosenberger zu bedenken. Sein Vorschlag, dass vielleicht ein Sackgassenschild weiterhelfen könne, verwarfen die Anwohner: „Das nimmt uns keiner mehr ab“. Auch Einbahnstraßen-Regelungen wurden als nicht realisierbar zu den Akten gelegt.

Ein Problem ist auch der Flächennutzungsplan: Ein Teil der Flächen ist Gewerbe-, der andere Mischgebiet. „Es kann nicht sein, dass Gewerbegebiete über Wohngebiete erschlossen werden, wie es hier der Fall ist“, so Höfer. Er riet den Anwohnern, einen Antrag an den Gemeinderat zu stellen. Höfer erinnerte daran, dass sich eine „Verkehrsschau“ die Situation vor Ort bereits angesehen habe, um die Lage zu beobachten. Getan hat sich seitdem aber nichts.

Verschärft hat sich die Situation, seit das Restaurant „Tapesh Palast“im Dossenheimer Weg eröffnet hat. Denn dessen Flyer weisen auf der Anfahrtsskizze eben das besagte Teilstück des Dossenheimer Weges als Möglichkeit aus, das Restaurant zu erreichen. In einem Beschwerdebrief fordern die Anwohner die Verwaltung auf, „Maßnahmen gegen das widerrechtliche Befahren“ zu ergreifen. Dabei betonen sie aber, dass sie nichts gegen das neuen Restaurant einzuwenden hätten. Der Brief ist nicht der erste Versuch der Anwohner, auf ihr Problem aufmerksam zu machen. Aber „man behandelt uns, als ob wir diejenigen seien, die im Unrecht sind“.

„Uns geht Freizeitwert verloren“, sagt Renate Müller. Und ein weiterer Anwohner weist auf die Gefahr für Fußgänger in der Dunkelheit hin, die rasant heranfahrende Autofahrer erst im letzten Moment wahrnehmen. „Dass die langsamer machen, daran ist nicht zu denken“, sagt Müller. Bestätigt wird das gleich durch mehrere Autofahrer, die während des Gesprächs an der Gruppe vorbeirauschen und mit Unverständnis auf die Fußgänger reagieren, die sich einmal beharrlich weigern, ihnen Platz zu machen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung