15.03.2006

Von Fürstinnen und sonstigen Weibsbildern

Kulturkreis präsentiert das „Kurpfälzer Liebesleben“ – Am Sonntag um 17 Uhr im Historischen Rathaus

Klaus Kolb (l.) wird in Gedichten von Freud und Leid am Fürstenhof berichten. Hans-Dieter Schotsch spielt die Liebeslieder dazu. Und Romy Schilling vom KKS freut sich drauf.
Schriesheim. (anzi) Man sollte glauben, dass es den Frauen in besseren Kreisen zur Zeit der Kurfürsten gut ging. Doch schaut man genauer hin, waren sie zum Teil ärmer dran als die Bauersfrauen, die ihren Männern häufig gleichgestellt waren. Die Frauen der Kurfürsten aber waren meist nur Mittel zum Zwecke der Politik, erläuterte Oberstudienrat im Ruhestand, Klaus Kolb, beim Pressegespräch im Kaffeehaus. Um Fürstinnen, Maitressen und sonstige Kurpfälzer Weibsbilder geht es am kommenden Sonntag, 19. März, im „Kurpfälzer Liebesleben“. Der Kulturkreis hat Klaus Kolb in das Historische Rathaus eingeladen, wo er aus seinem nun dritten Mundart-Gedichtband Texte liest, die von Geschichten in der frisch gegründeten Kurpfalz berichten.

Vorrangig sind es weibliche Schicksale am Hofe der Pfalzgrafen und Kurfürsten. Zum Teil Lustiges und Fröhliches, aber auch Trauriges, Tragisches und manchmal Grausames erzählen die Gedichte, die Kolb gründlich recherchiert hat, und die sich tatsächlich so zugetragen haben. Es ist eine Gedichtsammlung, die alles beinhaltet, was das Leben so bietet. Kolb ist Historiker. Er unterrichtete lange Jahre am Carl-Benz-Gymnasium in Ladenburg. Begleitet werden die Anekdoten von alten Liebesliedern, deren Themen passend zu den Gedichtinhalten sind. Hans-Dieter Schotsch singt diese Liebeslieder und spielt dazu Laute, Gitarre, Tambora und Flöte. Um die Zuhörer noch ein wenig mehr ins Mittelalter zu versetzen, wird er auch historische Kostüme tragen.

„Im Gegensatz zu den Franzosen hielten die Kurpfälzer ihre Maitressen außerhalb des Hofstaates. Aus moralischen Gründen“, so Kolb. So baute Kurfürst Carl Theodor in Mannheim das Palais Bretzenheim gegenüber dem Schloss. Ludwig V. brachte seine Maitressen in Weinheim unter. „Im Heidelberger oder Mannheimer Schloss hatten sie nichts zu suchen“, weiß Kolb. Beim „Kurpfälzer Liebesleben“ geht es aber auch um Liselotte von der Pfalz, die von ihrem Vater Karl Ludwig streng calvinistisch erzogen wurde. Als sie mit Philipp I, dem Bruder des Katholischen Königs Ludwig XIV., vermählt werden soll, zwang sie dieser, den katholischen Glauben anzunehmen. Auch über Elisabetha Augusta, die Frau von Carl Theodor, kann er Anekdoten erzählen: „Sie konnte sich ein flottes Leben erlauben“, sagte Kolb. Weitere Gedichte über die verbotene Liebe eines Adelspaares oder über einen Gattenmord wird er am Sonntagabend zum Besten geben.

Schotsch lässt hingegen Stücke wie „Unter der Linde“ von Walther von der Vogelweide, „Ich soll ein Nönnlein werden“ aus Fabricius‘ Liederbuch, „Die Kunst des Küssens“ von Andreas Hammerschmidt oder „Von den Weibsbildern“ von J. V. Rathgeber erklingen. Ebenso wie bei den Gedichten, sind es verschiedenartigste Stücke. „Humorvoll, deftig, amourös, neckisch, aber auch traurige Balladen sind dabei“, erläuterte Schotsch. Eine vielfältige Mischung also, die die Geschichte wieder aufleben lässt.

INFO: „Kurpfälzer Liebesleben“. Sonntag, 19. März, 17 Uhr, Historisches Rathaus. Karten zu acht Euro in der RNZ-Geschäftsstelle und in Utes Bücherstube.



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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung