28.03.2006

Drei Ziele, zwei Pfarreien, eine Kirche

Kirchenrenovierung, Stärkung des Gemeindebeirats, Profilentwicklung: Abschluss der Visitation in Schriesheims evangelischer Kirchengemeinde

Von Silvia Rothenburger

Schriesheim. Nach einer arbeitsreichen Woche der Visitations-Kommission mit Besuchen in den Gottesdiensten und vielen persönlichen Gesprächen in Schriesheim und Altenbach feierte die Evangelische Kirchengemeinde am Sonntag mit einem feierlichen Gottesdienst den Abschluss der Visitation (wir berichteten kurz). Musikalisch unterstützte der Posaunenchor, der Projektchor die Liturgie (Pfarrerin Eva Beisel), bevor Dekan Rainer Heimburger die Gemeinde über die Zielvereinbarungen unterrichtete, die anschließend in der Gemeindeversammlung dann eingehend diskutiert wurden.

Mit im Kommissionsboot waren auch Schuldekan Albrecht Lohrbächer, Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez aus Leutershausen, Wolfgang Fath, Mitglied der Landessynode, Anja Blänsdorf aus Rippenweier und Dietmar Betz aus Hemsbach – alle sind sie Mitglieder des Gremiums, das den Kirchenbezirk leitet. In den Gesprächen mit dem Ältestenkreisen und dem Kirchengemeinderat, mit Pfarrer Lothar Mößner (Pfarrei Ost) und Pfarrerin Eva Beisel (Pfarrei West). Visitation sei nicht Fehlersuche, sondern Schatzsuche, und die Bezirkskommission habe etliche Schätze gefunden, die man weiter entwickeln kann – „ein Fokus, auf den sie zugehen können“, so Dekan Heimburger.

Drei Vereinbarungen hob er hervor: Da ist die Kirchenrenovierung und -erweiterung, die Orgel eingeschlossen. Hier liege Schriesheim im Zeitplan, und als Partner der Evangelischen Pflege Schönau habe Schriesheim eine finanzielle Basis. „Sie brauchen jetzt ein Konzept, und das heißt, die Kirche fit zu machen.“ Heimburgers zweiter Punkt betraf den Gemeindebeirat. Die Pfarreien habe erstaunlich viele Gruppen und Kreise, diese gelte es jetzt zu vernetzen.

Die Grundordnung, den Gemeindebeirat als Instrument zu nutzen, den Kreis erweitern, „damit schaffen sie Identität“, so die Empfehlung des Dekans, und er kam zu seinem wichtigsten Anliegen: der Entwicklung von Profilen. Schriesheim habe zwei evangelische Pfarreien, aber eine gemeinsame Kirche. Das sei eine Riesenchance und zugleich ein Riesenproblem: „Entwickeln Sie eigene Profile, wo nötig, verzahnen Sie, wo möglich“, so die Quintessenz seiner Empfehlung. In der Ost-Pfarrei sieht er das missionarische Profil (Beispiele: „21-Uhr-Gottesdienst“, „Check-In“), die Begleitung der Menschen in Krisensituationen. Die Pfarreien könnten durchaus ihr eigenständiges Profil schärfen: „Entwickeln Sie ihre Profile weiter, damit sie sich nicht aneinander reiben. Manches ließe sich auch entflechten, anders verflechten.“ Insgesamt gab es grundsätzliche Zustimmung zu den drei großen Zielvereinbarungen, Kirchenrenovierung (Zeitplan und Konzept), die Stärkung des Gemeindebeirats (Kommunikation zwischen den zwei Pfarreien Ost und West) und Profilentwicklung.

Doch gerade beim letzten Punkt gab es etliche Proteste, und die Kirchengemeinde machte ihrem Ruf als lebendige Einheit alle Ehre. Vor allem die aktive Basis aus Gruppen und Kreisen fand, dass beide Pfarreien sehr gut miteinander vernetzt seien, und eine große Vielfalt an Angeboten in beiden Pfarreien herrsche. Übergreifend werde auch gearbeitet: „Wo sollten wir uns da reiben?“. Was solle entflechtet, was gleichzeitig verflechtet werden?

„Profile entstehen dadurch, dass man etwas weg lässt“, konterte Heimburger, „wenn Sie das alles gestalten wollen, brauchen Sie Geld, da sollten sie über einen gemeinsamen Haushalt nachdenken und dabei Sektoren schaffen, in denen Sie eigene Modelle weiterentwickeln können“, forderte er beide Pfarreien dazu auf, von der „Allzuständigkeit“ weg zu kommen.

Jetzt meldete die „Praxis“ ihre Bedenken an. Transparenz und Profile seien auch eine Frage von Angebot und Nachfrage, so ein Diskussionsteilnehmer, „Wir verstehen uns nicht als West- und Ostleute.“ Trotzdem gibt es natürliche Grenzen – etwa im neuen Baugebiet „Nord“, das durch die Bismarckstraße in zwei Pfarreien und Zuständigkeiten getrennt ist. Neubürger fühlen sich der einen oder der anderen Pfarrei zugehörig, bei den Alteingesessenen sei es nicht anders. Auch sind die Interessenlagen nach Wahrnehmung mancher Diskussionsteilnehmer durchaus unterschiedlich.

Das zeige, dass man noch lange nicht zusammen gewachsen sei. Was aber nicht bedeute, dass man nicht gemeinsame Angebote nutzen würde. Ob, wie es Dekan Heimburger vorschwebt, die Stärkung der Internet-Präsenz oder ein gemeinsames Kirchenblatt bei den Vorstellungen der Profilentwicklung hilfreich ist, blieb offen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung