04.05.2006

Wo Konrad von der Strahlenburg seine Festung baute

Schriesheim - Ruth Witt führte durch das historische Schriesheim: Von der Ölmühle bis zum heutigen Bauhof

(mas) Mit rund 25 Teilnehmern sehr gut besucht war die Stadtführung durch Schriesheim, die erstmals Ruth Witt als Nachfolgerin von Stadtarchivarin Ursula Abele anbot. Die studierte Ethnologin und Historikerin lebt seit August in Schriesheim und kommt aus Göttingen, wo sie bereits Stadtführungen gemacht hat. Mit dem Thema Stadtgeschichte war sie daher bereits vertraut.

Am neuen Rathaus trafen sich die Teilnehmer: In dessen Keller gibt es die Grundmauern eines Vorratskellers aus der Römerzeit zu sehen. Dieser war in den 70er Jahren wegen des Baues des Rathauses und der Zufahrt zur Autobahn von seinem ursprünglichen Fundort in der Nähe der B3 weggebracht und in den Keller des Rathauses integriert worden.

Entlang des Kanzelbachs führte der Weg weiter zur Ölmühle wo Heinrich Rufer, der die Mühle als privates Denkmal betreibt, über ihre Geschichte und Funktion berichtete. 1603 wurde sie zum ersten Mal urkundlich erwähnt und machte einiges mit: Sie brannte, wurde bei Hochwasser überflutet und teilweise zerstört. Im Inneren der Mühle können Besucher heute noch die beiden Pressen, die Schrotmühle und den Kollergang besichtigen. Durch die Ärztepassage hindurch und am Museum Theo Kerg vorbei ging es weiter zum Platz vor der Strahlenberger Grundschule: Von hier blickten die Teilnehmer zur Strahlenburg hinüber. Konrad von Strahlenburg baute die Burg und vertrieb damit fast das Adelsgeschlecht aus Schriesheim. Schließlich kam es jedoch zur Einigung mit dem Abt der Klöster Ellwangen und Lorsch und die Strahlenberger durften in Schriesheim bleiben, waren jedoch von da an von Ellwangen abhängig. Auf dem selben Platz befindet sich auch der Zehntkeller. Ursprünglich, und daher stammt auch der Name, diente er als Lagerraum für die Abgaben, die die Bürger Schriesheims an die Strahlenberger abtreten mussten – den zehnten Teil ihrer Einnahmen. Das Gebäude der Strahlenberger Grundschule war früher die Kellerei, in der die Abgaben der Bürger nach der Reformation gelagert wurden. Nachdem der Zehnt jedoch im 19. Jahrhundert abgeschafft wurde, nutzte man die Kellerei von da an als Schule. Der Weg zum alten Rathaus führte schließlich durch die ehemaligen Hauptachsen des Dorfes "Schriesesheim", der heutigen Schulgasse und der Heidelberger Straße.

Einige Meter neben der evangelischen Kirche befindet sich auch heute noch der Strahlenberger Hof. Es ist das älteste erhaltene Wohnhaus in der Region. Ursprünglich diente es den Strahlenbergern als Stadthof, das sie um 1240 errichteten. Durch seine über einen Meter dicken Mauern lässt es vermuten, dass es, ebenso wie die Strahlenburg selbst, als eine Art Festung diente.

Seit wann das alte Rathaus existiert ist unklar, erwähnt wurde es jedoch erstmals im Jahre 1470. Auf dem Rückweg führte Witt die Teilnehmer durch die Herrengasse, wo mit dem Herrenhof ein weiteres Anwesen der Strahlenberger angesiedelt war. Von den heutigen Nummern 10 bis 16 reichte das Anwesen und war die Anlaufstelle, zu der die Bürger ihre Abgaben bringen mussten. Am Fundament der Stadtmauer entlang führte der Weg dann durch die engste Stelle Schriesheims und schließlich zu den Überresten des Zwingers.

Den Schlusspunkt der Führung bildete der Bauhof am Ende der Schulgasse, der den Strahlenbergern als Wirtschaftshof zum bewirtschaften der Felder diente, und an den sich damals noch der so genannte Schafshof gliederte.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung