25.10.2006

Neue Dimensionen einer alten Bedrohung

Schriesheim. Bei den Jusos sprachen Hans-Georg Junginger und Felix Jenscher über Gefahren des Rechtsextremismus
(co) Die Häufigkeit, mit der es rechtsextreme Parteien in den letzten Jahren schaffen, in Landesparlamente einzuziehen und politisches Stimmrecht zu erhalten, ist erschreckend. Der Wahlerfolg der NPD in Mecklenburg-Vorpommern im September ist nur eines von vielen Beispielen für den Aufstieg der Rechten. Die Jusos Schriesheim-Dossenheim griffen deshalb das immer wieder aktuelle Thema "Rechtsextremismus" in einer Vortragsrunde auf, um gemeinsam mit Referenten auf die Problematik hinzuweisen und aufzuklären.

Hans-Georg Junginger, hiesiger Landtagsabgeordneter der SPD (Foto: Dorn), und Felix Jenscher von "Netzwerk Courage" Baden-Württemberg erklärten mit Hilfe von Zahlen und Fakten, wie verbreitet die braune Gefahr in Deutschland und im Rhein-Neckar-Raum ist, woran man Anhänger erkennt und wie man reagiert. Für Junginger selbst ist Rechtsextremismus ein Thema, mit dem er sich seit 35 Jahren beschäftigt: "Seit der Geschichte mit Jürgen Deckert, der als NPD-Mitglied im Weinheimer Gemeinderat war, lässt mich das Thema nicht mehr los. Früher habe ich immer gedacht, dass es das Beste wäre, einfach nicht darüber zu sprechen, da es sich bloß um eine Randgruppe handelt."

Diese Meinung hat Junginger längst revidiert, auch weil sich herausstellte, dass die Rechten eben keine Unterschichtengruppen mehr sind, sondern ihre Anhänger auch in der Mittelschicht haben. "Es gibt ein riesiges Potenzial antidemokratischer Gruppen. Auch wenn laut Statistik die Zahl der Rechten gesunken ist, so ist die Anzahl derer, die zu Gewalt bereit sind, gestiegen."

Auch unsere Gegend, obwohl wirtschaftlich gesund, ist nicht sicher vor Rechtsextremismus. Dass der Rhein-Neckar-Raum ein Schwerpunkt der rechten Szene sei, hätten die Demos der "Kameraden" gezeigt, die am ersten Mai dieses Jahres in Heppenheim, Weinheim und Ladenburg stattgefunden haben, so der Landtagsabgeordnete.

Jenscher führte nun das Thema fort und betonte, dass es schwierig sei, einzelne Personen auszumachen, da sich die Gruppen, wie zum Beispiel das "Aktionsbüro Rhein-Neckar" nur im Internet oder mit Postfach präsentierten. Genauso schwer wie das Aufspüren solcher Hintermänner ist auch der Ausstieg aus der Gruppe: "Wer einmal in so einer ’Kameradsschaft’ drin ist, kommt nur schwer wieder raus, der Gruppenzwang ist sehr groß. Sogar an der Uni Heidelberg gibt es zwei rechte Bruderschaften", so Jenscher. ...mehr im RNZ E-Paper

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung