11.01.2007

Ich gebe hier sicher nicht die graue Eminenz

 Ich gebe hier sicher nicht die graue EminenzAm morgigen Freitag geht im KSV eine Ära zu Ende: Mit seinem letzten Jahresbericht und der Ehrung der Punktbesten aus der Zweiten Mannschaft wird sich Herbert Graf als Abteilungsleiter der Ringer verabschieden, und das nach zwölf Jahren. Als sein Nachfolger steht Dieter Philipp fest. Im Interview blickt Graf auf die vergangenen Jahre zurück, zieht Bilanz und spricht auch über die Zukunft der Ringer-Abteilung. Als Sportsfreunde blieben RNZ-Redakteur Carsten Blaue und Herbert Graf im Gespräch beim Du.

Herbert, am Freitag ist deine Amtszeit endgültig vorbei.

Das ist ja nie eine Überraschung gewesen. Ich habe immer gesagt, dass ich mit fünfzig aufhöre. Und es ist ja nicht ganz vorbei. Ich werde in Zukunft für die Betreuung der Partner des KSV-Ringens zuständig bleiben. Außerdem werde ich einen Vorstandsposten im KSV übernehmen. Aber da sind Details noch unklar.

Dennoch etwas Wehmut?

Nein. Der Zeitpunkt für den Schlussstrich war klar, ich habe alles erreicht, was ich wollte, und außerdem war die Zeit reif, glaub’s mir. Vor allem, wenn ich an meine Gesundheit, an meine Familie und auch an den Beruf denke. Außerdem kann ich endlich mal machen, was ich in zwölf Jahren nicht tun konnte – zum Beispiel regelmäßig Skat spielen.

Es war für die Ringer die erfolgreichste Zeit.

Eines meiner vier Ziele war ja auch der Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Das wollte ich bis zum Jubiläumsjahr 2003 erreicht haben. Dass es ein Jahr schneller ging, war kein Beinbruch (grinst). Außerdem haben wir während meiner Amtszeit bei Deutschen Meisterschaften 16 Medaillen errungen, darunter mit Semi Ferchichi und meinem Sohn Alexander zwei B-Jugend-Meister. Mit ihm im vergangenen Jahr und Enis Ferchichi im Jahr 2005 kamen zudem die "Ringer des Jahres" des Nordbadischen Ringerverbandes aus Schriesheim.

Das spricht für die Jugendarbeit.

Ich wollte die Jugendarbeit auf gutem Niveau halten. Und sie hat sich verbessert. Mit Petra Siegmund und Trainer Volker Lorenz haben wir ein engagiertes Team, mit dem ich sehr zufrieden bin. Überhaupt ist die Bedeutung des Ringens in Schriesheim und in der Region eine Team-Leistung des KSV. Ich freue mich übrigens auch darüber, dass ich dazu beitragen konnte, dass es in Schriesheim die Sportlerehrung wieder gibt.

Welche Ziele hattest du dir noch gesetzt?

Unsere neue Ringermatte wird oft vergessen. Ihre Anschaffung war ebenfalls ein Ziel von mir. Und das war nicht ganz unproblematisch, denn so eine Matte kostet richtig Geld. Schließlich wollte ich das Ringen zur Sportart Nummer eins machen in Schriesheim. Das ist mir gelungen, glaube ich. Mir war einfach eine solide Arbeit wichtig. Daher habe ich immer gesagt: Wenn wir die Zweite Liga nicht ohne Probleme stemmen können, dann lassen wir’s.

Daher warst du auch nie besonders traurig, dass es mit dem Aufstieg in die Erste Liga nicht geklappt hat?

Stimmt, das habe ich eigentlich nie angestrebt. Das wäre für den KSV eine Nummer zu groß. Zurzeit jedenfalls.

Ringen ist nicht Volkssport. Dennoch kämpft der KSV meistens vor voller Halle.

Weil wir erkannt haben, dass sich die "Ware Ringen" nicht alleine verkaufen lässt. Das habe ich von Anfang an gesagt. Deshalb habe ich die Ringer-Events initiiert. Anfangs lief das etwas holperig. Heute sind "Rock und Ringen", das Oktoberfest, die Eröffnung mit Claus Eisenmann oder "Handball und Ringen" feste Größen. Letzteres war übrigens eine Idee von Friedrich Ewald. Unser Konzept kommt an. Das ist neben dem Sport mit ein Grund dafür, dass wir in der Zweiten Liga der Zuschauerkrösus sind. Wir haben den ASV Ladenburg da überflügelt, der oft nur vor 100 Zuschauern ringt. Das macht mich stolz.

Welchen Tipp gibst du deinem Nachfolger Dieter Philipp?

Der Dieter ist lange genug dabei, um zu wissen, was Sache ist. Das ist ein alter Hase, der jetzt voll in die Verantwortung einsteigt. Wenn er Rat braucht, dann wird er ihn sich holen.

Aber du hast doch sicher Vorstellungen davon, wie es weitergehen sollte.

Na ja, ich denke, das Ringen in Schriesheim ist in gutem Fahrwasser. Den Kurs sollte man sowohl ideell als auch personell halten, und zwar mit vollem Engagement, aber ohne Kraftakte. Außerdem habe ich für die Ringer-Abteilung ein neues Organigramm erstellt, das der Vorstand bereits abgesegnet hat. Ziel ist eine klare Aufgabenverteilung. Es wird einen Zweiten Abteilungsleiter geben, der den Abteilungsleiter unterstützt. Wir werden neben der Jugendleitung zudem Posten für die Öffentlichkeitsarbeit und die Betreuung der Partner einrichten.

Wie hat sich das Ringen in den vergangenen zwölf Jahren verändert?

Sehr. Es hat sich immer mehr von der Freizeit- und Spaßbeschäftigung zum Business entwickelt. Was ich nicht bedauere. Denn das hat das Ringen in Schriesheim ja auch weitergebracht. Und für mich persönlich hat sich durch meine Aufgabe in den Jahren natürlich auch viel verändert.

Inwiefern?

Ich habe zum Beispiel viele Freunde gefunden und auch durch sie viel zurückbekommen. Mein Engagement war nie eine Einbahnstraße. Das gilt ganz besonders auch für meine Familie. Ohne sie wäre die ganze Arbeit gar nicht gegangen. Meine Frau und meine beiden Kinder haben mich immer sehr unterstützt, oft ein Auge zugedrückt und mir den Rücken frei gehalten.

Dass Abteilungsleiter und Trainer Freunde sind, ist auch nicht immer selbstverständlich.

Stimmt. Sie verfolgen jeweils andere Interessen. Aber meine Freundschaften zu unserem Vereinsvorsitzenden Klaus Grüber, der damals noch Trainer bei den Ringern war, und zu unserem heutigen Trainer Klaus Beyrer haben nie gelitten. Sie wurden oft auf die Probe gestellt. Aber Meinungsverschiedenheiten haben wir immer gemeistert. Mit Klaus Beyrer bin ich seit 40 Jahren befreundet, und mit Klaus Grüber gab es Ende der 90er einen Höhepunkt meiner Amtszeit. Als wir nämlich Rainer Heugabel verpflichten konnten.

Keine Angst, dass es mal wieder juckt, wenn es um die Aufstellung des Teams für die nächste Saison geht?

Nein, ich will ja raus aus der Verantwortung, und das ganz. Da gibt es kein Mauscheln oder Hintenrum. Ich gebe hier sicher auch nicht die graue Eminenz.

Aber Schreien am Mattenrand ist doch noch drin, oder?

Ich werde schon ruhiger sein. Denn die Emotionen waren schon ein Ventil für den Druck der Verantwortung. Gerade diesem Ventil habe ich es zu verdanken, dass ich den Stress abbauen konnte.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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