06.02.2007

Dabei wollte er nur einen Hasenbraten schießen...

Von Stephanie Kuntermann

In seinem Beitrag für das Jahrbuch 2006 führt der Schriesheimer Fritz Hartmann die alte Tradition des Geschichten-Erzählens fort. Seine Geschichte – die Beschreibung eines tragisch verlaufenen Jagdunfalls – geht weit über die schlichte Überschrift "Was nicht in den Akten steht" hinaus, wird hier doch ein Schicksal geschildert, das seine Familie vermutlich über mehrere Generationen beeinflusst hat.

Hartmann schildert die Umstände, die zum Tod seines Großvaters Peter Schmitt im Jahr 1891 geführt haben. "Rahmenhandlung" ist dabei die Kerwe, die offenbar in der letzten Augustwoche begonnen hatte. Sie war im ländlich geprägten Dorf einer der Höhepunkte des Jahres, und die Vorbereitungen für das Ereignis beschäftigten die Schriesheimer. Großputz, Kuchenbacken oder die Vorbereitungen für üppige Festessen erforderten weit mehr Zeit als man dafür heute aufwenden muss. Sehr beschäftigt war auch die Wirtin des "Deutschen Kaiser", die für den Kerwesonntag, den 30. August 1891, Hasenbraten auf den Tisch bringen wollte. Deshalb beauftragte sie am Freitagabend Peter Schmitt, ihr ein paar Hasen zum Kochen zu schießen.

Schmitt war dreißig Jahre alt, verheiratet, Landwirt und Jagdaufseher. Mit Flinte und Hund machte er sich auf den Weg in Richtung Schriesheimer Tal, denn er hoffte, im Wiesental auf Hasen zu stoßen.

Unterwegs traf er seinen Freund Franz Schmitt, den Waldschütz, der ihn begleitete. Am Ziel angelangt, entsicherte der Jagdaufseher sein Gewehr. Sein Hund sprang ihn an. Daraufhin löste sich ein Schuss. Die Kugel traf den Mann mitten in die Brust, und wenige Augenblicke später war Schmitt tot.

Die Nachricht von dem Unfall drang bis nach Eberbach, wo die "Eberbacher Zeitung" ebenfalls über den Fall berichtete – allerdings mit einigen kleineren Abweichungen von Schmidts Geschichte, der dank des Zusammentreffens der einzige Unfallzeuge war. Am Kerwesonntag wurde der Jagdaufseher auf dem Schriesheimer Friedhof beerdigt. Drei Monate später brachte seine Witwe die Tochter Elisabeth zur Welt, die spätere Mutter Hartmanns.

Dem Leser von Hartmanns Geschichte geht es wie dem Zuhörer eines Erzählers. Man will noch mehr wissen: Wie ging es weiter, was geschah mit Mutter und Kind?

Man ist, wie er selbst in der Einleitung schreibt, "begierig darauf, vielleicht doch noch etwas Neues zu erfahren." Auf jeden Fall will man mehr hören von einem begnadeten Geschichtenerzähler – das nächste Jahrbuch wäre dazu eine gute Gelegenheit.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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