06.03.2007

Der Mann, der sich dem „Sturm" stellte

Der Mann, der sich dem „Sturm" stellteVon Carsten Blaue

Das Festzelt war fast voll. Rund 1700 dürften es gewesen sein, die Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) bei der Mittelstandskundgebung des Bundes der Selbstständigen (BdS) hören wollten. Viele hatten weniger Resonanz befürchtet. Auch der Minister selbst: "Ich wär’ ja schon mit 800 zufrieden gewesen. Ich hoffe, Sie sind es nachher auch", sagte er eingangs seiner Rede. Der Applaus für Hauk war freundlich. Der Minister übertraf wohl die Erwartungen der Zuhörer.

Zuvor hatte die Präsidentin des BdS, Dorothea Störr-Ritter, die Querelen um die Suche nach einem Festredner im Vorfeld der Mittelstandskundgebung (wir berichteten mehrfach) als "Wirbelsturm" bezeichnet, der sich zwar gelegt habe. Aber dennoch sei es "mutig" von Hauk, dass er sich getraut habe, in dieser Situation als Festredner zur Verfügung zu stehen: "Da muss man selbstbewusst sein."

Punkte sammelten an diesem Nachmittag auch wieder die Weinhoheiten. Weinkönigin Målin trat trotz Heiserkeit ans Mikrofon für ihr Grußwort. Sie konnte noch auf ihre Herkunft aus "einem kleinen mittelständischen Betrieb", der Raumausstattung Bock in Leutershausen, verweisen, die vor zehn Jahren noch mehr Gesellen beschäftigt habe, sodass zwei Familien mehr von der Arbeit in der Firma leben konnten. Sie konnte an die wichtige Tradition der Mittelstandskundgebung auf dem Mathaisemarkt erinnern und hoffen, dass sie noch lange weitergeführt wird. Und schließlich konnte sie auch noch Hauk als "Begleiter der Rebflurbereinigung" vorstellen.

Dann versagte ihre Stimme. Da half auch ein kräftiger Schluck Wein nicht, den ihr der Minister reichte. Lächelnd trat sie zurück und überließ ihren Prinzessinnen die Vollendung des Grußes. Sandra sagte den Weinspruch, und Marie Luise wies darauf hin, dass Hauk den ersten Rebstock nach der Flurneuordnung setzen werde. Der Minister wandte sich anschließend an Målin und sagte: "Das war die erotischste Rede, die ich je gehört habe". Hauk ist eben charmant.

Und "ein Freund Schriesheims", wie Bürgermeister Hansjörg Höfer bei der Pressekonferenz vor der Mittelstandskundgebung im Gästehaus "Hauser" sagte. Im Festzelt drückte der Bürgermeister seine Sorge aus, dass die Kosten der Kleinkinderbetreuung an den Kommunen hängen bleiben. Die aktuelle Diskussion sei zwar überfällig, die Finanzierung aber nicht ausreichend geklärt. Das Thema sprach auch Hauk zuvor im Gästehaus "Hauser" an. Hier dankte er zudem "für die Ehre", so kurzfristig "in die lange Ahnengalerie der Festredner" aufgenommen zu werden.

Störr-Ritter versprach in dieser Runde, dass die Mittelstandskundgebung in Schriesheim bleibt. Die Zweifel seien jetzt hoffentlich ausgeräumt. Die Pannen bei der Suche nach einem politisch prominenten Festredner hätte nicht alleine der Landesverband des BdS zu verantworten. Man habe eben bisher nie parallel Einladungen verschickt, aber oft kurzfristige Absagen erhalten, "auf die wir auch noch lange warten mussten." Da bleibt wenig Zeit zu reagieren. Daher wird der BdS seine Suche in Zukunft wohl breiter anlegen, "damit es nächstes Jahr spannungsfreier läuft". Und vielleicht kann die Stadt ja auch mal früher beim Landesverband des BdS nachhaken.

Höfer erinnerte sich in seiner Begrüßung Hauks an den Besuch in dessen Ministerium, als es um die Zuschussbewilligung für die Rebflurbereinigung ging. Hier herrsche eine gute Arbeitsatmosphäre, "denn hier stehen nicht nur Computer, sondern die Förster sitzen in ihrer Arbeitskleidung gleich um die Ecke." Angesprochen auf das Schicksal des Tabakbaus, sagte der Landwirtschaftsminister, dass der Zweig in weiten Teilen Deutschlands keine Zukunft mehr habe. Nach dem Subventionsabbau der EU auf Null ab 2009 werde sich der Anbau nicht mehr rentieren. Kurz danach schlenderte Hauk mit Höfer über den Rummel in Richtung Festzelt und rauchte dabei eine Zigarette.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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