09.05.2007

Mehr Starts in der Dressur als im Springen

Mehr Starts in der Dressur als im Springen

Von Nadja Müller

Reiter, die während der Turnierprüfung auf dem Platz absitzen und dann auch noch absatteln? Ja, die gibt’s. Es geht sogar noch weiter: Sie führen ihr Pferd und spurten später sogar neben dem trabenden Tier her. Die Richter haben dafür ihren Wagen an der Stirnseite des Platzes verlassen und stehen mit Klemmbrettern im tiefen Sand des Reitplatzes. Und es fallen Ausdrücke wie "Handwechsel" und "Gebäudeprüfung". Der Laie guckt verständnislos, der Reiter nickt zustimmend und lächelt souverän: Klar, hier kann es sich nur um eine Reitpferdeprüfung handeln.

Reiter stellen ihre jungen Pferde vor, und die Richter beurteilen die Tiere – unter anderem die Grundgangarten in beiden Richtungen (in Reitersprache: auf beiden Händen) und den Körperbau (Gebäude genannt). Die Reitpferdeprüfung ist eine von vielen verschiedenen Schwierigkeitsklassen und Ausrichtungen, mit denen der Schriesheimer Reit- und Fahrverein am Wochenende Hunderte Reiter und Pferde auf sein Gelände lockt.

Während es sich eine kleine Pferdeherde auf den Koppeln des benachbarten Reitstalls Müller-Heberle im kniehohen Gras gutgehen lässt, müssen die Pferdekollegen auf Spring- und Dressurplatz, der Halle und dem Abreiteplatz hart arbeiten.

Die Reiter können ihre Pferde den Richtern in Dressurprüfungen bis Klasse L, im Springen mit Klasse M vorstellen. Nach M folgt S: Darin werden die schwierigsten Lektionen verlangt.

Um ein Turnier dieser Größenordnung zu veranstalten, muss der Verein einige Auflagen erfüllen. Ein Schmied muss vor Ort sein, Rettungsdienst und Tierarzt abrufbereit sein. Die Plätze müssen eine Mindestgröße erfüllen, und natürlich müssen genügend Richter mit entsprechender Qualifikation anwesend sein.

Der Vorsitzende, Jürgen Jakob, meldet, dass sich der Umfang des Turniers im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöht habe, obwohl das Turnier um einen Tag verkürzt wurde, und nur noch an Samstag und Sonntag stattfindet. "Rund 450 Pferde wurden gemeldet und etwa 950 Starts", sagt Jakob.

Wobei er zum ersten Mal einen Trend in Richtung Dressur festgestellt hat: "Wir haben erstmals mehr Starts in der Dressur als im Springen", sagt Jakob. Er schätzt, dass in diesem Jahr rund 55 Prozent der Starts auf die Dressurprüfungen entfallen.

Die finden im Dressurviereck hinter der Halle statt, wo gerade ein Haflinger und ein deutlich kleineres Pony samt Reitern eine Dressuraufgabe der Klasse E absolvieren. Ein Sprecher liest die Aufgabe ("aus dem Zirkel wechseln") vor, und beide Paare sollten sie zeitgleich reiten. Jetzt hält das kleine Pony mit dem größeren Haflinger aber nicht Schritt. Daher rufen die Eltern der jungen Reiterin die Lektionen der Prüfung zu.

Während der Haflinger schon auf der Mittellinie die Zügel aus der Hand kaut, kreist das Pony noch auf dem Zirkel. "Gut, dass sie die Prüfungsaufgabe auswendig gelernt hat", nicken sich Vater und Mutter der jungen Reiterin zu – beide in weißen Reithosen, er noch mit Reithelm auf dem Kopf. Sie machen sich auf in Richtung Halle, wo sich der Geruch nach Pferdeäpfeln und Staub einzigartig mit dem frischer Waffeln mischt: Kinder verkaufen sie und sammeln für die Schulpferde des Vereins.

Die waren auf dem Turnier zwar nicht im Einsatz. Schriesheimer Reiter aber schon. So haben sie abgeschnitten (Platzierungen unter den ersten Fünf): Springprüfung Kl. M m. St.: 5. Thomas Urban auf Coolman 6; Springprüfung Kl. M: 2. Thomas Urban auf Coolman 6; Dressurprüfung Kl. L – Tr.: 3. Heike Schneider auf Herbstmond; Reitpferdeprüfung o. M.: 5. Susanne Urban auf Gascoigne 9.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung