16.05.2007

Dieser Abend geht weit über die Musik hinaus

(cab) "Der Kulturkreis möchte mit seinen Veranstaltungen zum Nachdenken anregen", sagt dessen Vorsitzender, Albert Kesseler. So wird es auch am kommenden Samstag sein, wenn im evangelischen Kirchgarten die Django Reinhardt Band "Gipsy Musik" spielt. Denn der Kulturkreis (KKS) verbindet das Konzert mit einer Dokumentation zur Historie der Sinti und Roma.

Diesen geschichtlichen Hintergrund stellt das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma mit Sitz in Heidelberg zur Verfügung. Das besondere Engagement des KKS wird auch vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma gewürdigt und unterstützt: Dessen Vorsitzender, Romani Rose, ist der Schirmherr des Konzerts.

Rose führt den Zentralrat seit dessen Gründung im Jahre 1982. Erst der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) und Helmut Kohl (CDU), der seinerzeit die Opposition führte, erkannten den Völkermord an Sinti und Roma im Dritten Reich an, der 500000 Opfer forderte. "Wir sind nicht rückwärtsgewandt", sagt Anita Awosusi, Leiterin des Referats Dialog im Heidelberger Dokumentations- und Kulturzentrum, "aber die Vergangenheit, die auch uns als Generation danach mitgeprägt hat, ist nicht zu vergessen." Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung sowie die Sinti und Roma als deutsche Minderheit verbinde eine gemeinsame Historie – und das übrigens seit über 600 Jahren. Umso wichtiger seien Veranstaltungen wie das Konzert am Samstag, das auch die Geschichte aufgreife, so Awosusi.

"Wir haben die Chance, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen", ergänzte Kesseler. Gleichgültigkeit sei der Nährboden für rechte Gewalt. Daher war es Kesseler auch wichtig, die Jugend in das Projekt einzubinden: Der Jugendgemeinderat und der Push-Verein helfen mit. "Die Jüngeren werden für die Historie der Sinti und Roma sensibilisiert", sagte Bürgermeister Hansjörg Höfer, der die Initiative des KKS unterstützt. Er erinnerte an Sinti und Roma, die vor dem Krieg in der Ladenburger Straße und im Gried lagerten und als Korbmacher und Kesselflicker arbeiteten.

Höfer freut sich auf die "Musik in Mitten der Altstadt". Zelebriert wird sie von fünf Brüdern: den Gitarristen Mike, Moro und Django Reinhardt, dem Bassisten Sascha sowie dem Keyboarder Bawo Reinhardt. Am Schlagzeug sitzt Thomas Bleser. Die Gebrüder Reinhardt gehören zur weit verzweigten Verwandtschaft des legendären Begründers des europäischen Jazz, Django Reinhardt (1910-1953). Die Band verbindet traditionelle Elemente der Sinti-Musik mit Swing und Einflüssen der spanischen Folklore. In der Pause des zweistündigen Konzerts wird die Winzergenossenschaft hochkarätige Weine in passenden Gläsern servieren, wie WG-Geschäftsführer Harald Weiss versprach. Dazu wird die Metzgerei Forschner "Feuriges" servieren. Stichwort

Info: "Gipsy-Musik im Garten der evangelischen Kirche mit der Django Reinhardt Band", Samstag, 19. Mai, 19 Uhr. Karten zu 12,50 Euro in der RNZ-Geschäftsstelle, bei der Winzergenossenschaft und in Utes Bücherstube.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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