02.06.2007

Riegel oder Fastfood? Nicht mit Höfer!

Riegel oder Fastfood? Nicht mit Höfer!

'Das spielt sich ein': Bürgermeister Hansjörg Höfer hält an der Planung für die neue Mensa fest. Plan: Stadt Schriesheim

Von Carsten Blaue

Die Frage nach dem Sinn eines Mensa-Neubaus am Kurpfalz-Gymnasium sei legitim, sagt Bürgermeister Hansjörg Höfer gestern im Gespräch mit der RNZ. Zumal die Nachfrage nicht so ist, wie die Stadt sich das vorstellt (wir haben berichtet). Dennoch will Höfer die neue Mensa, die den Übergangsbetrieb von Sema Aslan im Untergeschoss der Schule ersetzen soll.

Im Spätjahr möchte er dem Gemeinderat das Thema vorlegen. Das Gremium hat sich bereits im vergangenen September für einen Neubau ausgesprochen. Seinerzeit konnte aber noch keiner absehen, wie das Mensa-Provisorium bei den Schülern ankommt. Es wurde erst im Oktober eröffnet.

Zuvor hatte die Verwaltung über eine Bedarfsanalyse ermittelt, wie groß der Bedarf der Schüler nach Mittagessen im Gymnasium wäre. Die Eltern meldeten eifrig Interesse an. Man hört, dass die tatsächliche Nachfrage vergleichsweise niederschmetternd sein soll. Nicht unsere Schuld, meint Höfer: "Wir mussten uns auf die Aussagen der Eltern verlassen."

Deren Kritik an der Abwicklung des Mittagessens in der Mensa wies er zurück, zumal die Eltern in die Planungen der Mensa involviert gewesen seien. Eine Vorbestellung sei unbedingt nötig und mit einem Blick auf den Stundenplan auch möglich. Zudem stimme mit 3,50 Euro der Preis: "Für das Geld bekommt man normalerweise gar kein warmes Mittagessen mit Salat, und als Stadt ist es nicht unsere Aufgabe, die Kinder mit Riegeln oder Fastfood zu versorgen, sondern mit einer anständigen Mahlzeit."

Und das Angebot möchte Höfer auch künftig machen können: "Es gibt immer weniger Kinder in Zukunft, und die Eltern werden ihre Kinder nur in den attraktivsten Schulen anmelden. Unser Schulzentrum muss auf Jahrzehnte wettbewerbsfähig sein." Und zu diesem Gesamtpaket gehöre eine Mensa, "zumal die Kinder und Jugendlichen künftig mehr Zeit in der Schule verbringen werden", verwies Höfer auf die Einführung des achtjährigen Gymnasiums, kurz "G8".

Das bedeute auch Jahr für Jahr mehr Nachmittagsunterricht, und rund die Hälfte der Gymnasiasten komme nicht aus Schriesheim: "Sie haben gar nicht die Chance, über Mittag nach Hause zu gehen". Höfer ist sicher, dass gerade auch diese Schüler die Mensa brauchen – wenn die Eltern mitspielen. Dazu Höfer: "Es liegt in ihrer Verantwortung dafür zu sorgen, dass ihre Kinder hier zu Mittag essen." Der Bürgermeister verweist darauf, dass schon jetzt die Hort-Kinder in der Übergangsmensa essen würden. Zudem möchte er den Neubau auch für die Real- sowie die Hauptschüler öffnen. Ein Schulzentrum mit rund 1500 Jugendlichen bedürfe einfach einer Mensa. Höfer ist davon überzeugt, dass sie sich selbst tragen würde: "Das spielt sich ein". Er sieht sie zudem als einen Baustein im umfassenden Betreuungsangebot der Stadt.

Geht es nach dem Bürgermeister, dann rollen die Bagger im Laufe des ersten Halbjahres 2008, ein symbolischer Erster Spatenstich für die neue Mensa könnte sogar noch dieses Jahr erfolgen. Das Land hat einen Zuschuss von 208000 Euro in Aussicht gestellt. Insgesamt dürfte der Neubau rund 500000 Euro kosten. Sollen die Landesmittel nicht verfallen, muss der Neubau spätestens ein Jahr nach Eingang des Zuschussbescheids in Angriff genommen werden. Die Stadt rechnet damit, dass das Schreiben noch im Juni vorliegt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung