11.06.2007

Schrott-Autos dienten als Übungsobjekte

(nip) Neugierig besieht sich ein Radfahrer das Spektakel auf dem Festplatz und achtet nicht auf den Weg. Bernhard Liebetrau, Pressesprecher der Feuerwehr, hupt und weicht dem Radelnden aus, der vor lauter Gucken auf die falsche Fahrbahn gekommen ist.

Das wäre was gewesen – ein Unfall ausgerechnet beim ersten Ausbildungstag überhaupt, an dem die Feuerwehren aus Schriesheim und Altenbach schwerpunktmäßig das Thema Verkehrsunfälle in Theorie und Praxis behandeln.

Der Aufbau auf dem Festplatz in Schriesheim zieht manch neugierigen Blick auf sich: Mit drei Autos vom Schrottplatz stellt die Feuerwehr verschiedene Situationen dar und lernt an ihnen. Fahrzeuge liegen auf dem Dach oder auf der Seite oder stehen noch auf allen vier Rädern, sind aber so komplett verzogen, dass die Person im Inneren nicht herauskann. "Wir gehen heute davon aus, dass sich immer eine Person in hilfloser Lage befindet und wir an diese herankommen müssen," erklärt Feuerwehrkommandant Oliver Scherer.

Am früheren Morgen steht hierzu Theorie auf dem Programm: Wie kann ein Fahrzeug am besten abgestützt werden und welche Techniken gibt es, um Autofenster sicher zu entfernen. Denn die sind nicht alle gleich, werden als Verbundglas herausgesägt oder als Seitenscheibe abgeklebt und dann stoßweise "gekörnt", damit sie nicht splittern und den Eingeklemmten verletzen.

Nachmittags rücken die rund 30 Feuerwehrleute den Fahrzeugen mit schwerem Gerät auf die Pelle, setzen die hydraulische Schere an, um das Autodach aufzuschneiden oder auch die Türen. Manchmal müssen die Rückenlehnen der Sitze entfernt werden, um die verletzte Person durch das Rückfenster herauszubekommen. "Kein Unfall ist wie der andere", sagt Liebetrau.

An diesem Ausbildungstag, übrigens der erste aber nicht der letzte seiner Art, lernt der Nachwuchs neue Techniken, die alten Hasen frischen ihr Wissen auf. Die Bergung von Lastwagen ist ein weiterer Schwerpunkt des Tages. "Wir wollen diesen Termin künftig einmal im Jahr anbieten", erklärt Scherer und gibt seiner Truppe weitere Tipps: "Schneidet doch mal die Sitze raus."

An diesem Tag befindet sich niemand in den verbeulten Fahrzeugen, doch in der Realität sieht das anders aus. Liebetrau schildert Fälle, bei denen die Feuerwehrleute selbst seelsorgerliche Hilfe benötigten. Und noch etwas ist anders an diesem Tag: Bei einem echten Unfall arbeitet die Feuerwehr Hand in Hand mit einem Notarzt zusammen und bespricht mit diesem alle weiteren Schritte zur hoffentlich glücklichen Bergung von Unfallopfern. "Eine Erstversorgung können wir leisten, denn einige von uns haben eine Sanitäter-Ausbildung", sagt Liebetrau.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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