25.06.2007

Wie sieht die Zukunft des OEG-Geländes aus?

Von Carsten Blaue

Rund 60 Bürgerinnen und Bürger interessierten sich für die Zukunft des OEG-Geländes und kamen am Samstag zur Begehung des Areals mit Bürgermeister Hansjörg Höfer. Anderthalb Stunden dauerte der Rundgang über das Betriebsgelände an der B3 und über den OEG-Bahnhof. Hier die wesentlichen Erkenntnisse des Vor-Ort-Termins in Stichworten.

Die Ausgangslage. Die MVV OEG AG hat in Schriesheim entlang der B3 rund 40000 Quadratmeter Fläche. Rund die Hälfte davon will das Verkehrsunternehmen verkaufen. Dabei handelt es sich um eine kleinere Fläche zwischen dem Hotel "Zur Pfalz" und dem OEG-Bahnhof und um den südlichen Teil des Areals, auf dem die Bahnbetriebsgebäude, der "Lokschuppen" und der Getränkemarkt steht. Für den Markt und die "Erlebniskneipe" laufen die Pachtverträge aus. Alle Gebäude sollen abgerissen werden. Auch das Stellwerk braucht die OEG nicht mehr. Nur Busstellplätze, der Bahnhof und Sozialräume für die Fahrer sollen in Schriesheim bleiben. Der OEG-Bahnhof wird nach Plänen der Rhein Neckar Verkehr GmbH (RNV) komplett umgebaut (zu den RNV-Mutterunternehmen gehört auch die MVV OEG AG). Für das restliche Areal schwebte Höfer stets eine Mischnutzung aus "Wohnen und Arbeiten" vor. Beschlossen ist noch nichts.

Einflussmöglichkeiten des Gemeinderats. Das Grundstück des OEG-Bahnhofs bleibt Eigentum der MVV OEG AG. Der Bahnhof wird nach den Richtlinien des Bahnrechts umgebaut. Der Gemeinderat hat insofern zwar nur bedingte Einflussmöglichkeiten auf die Pläne. Aber im Zuge der Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für den Umbau muss das Gremium sein Votum abgeben. Würde es ablehnen, seien Zuschüsse für das Projekt gefährdet, so Höfer. Entscheidende Behörde sei das Landratsamt. In Bezug auf das Areal, dass die MVV OEG AG verkaufen will, sieht die Sache anders aus. Die künftige Nutzung und Gestaltung bestimmt der Gemeinderat über einen Bebauungsplan.

Zweigleisiger Ausbau. Die OEG wird ihre Strecke zwischen Schriesheim und Weinheim zweigleisig ausbauen. Im Moment gibt es entlang des OEG-Geländes nur ein Gleis. Einen Streifen ihres Areals wird die OEG für den Bau des zweiten Gleises verwenden. Auch bei der Umgestaltung des OEG-Bahnhofs wird der zweigleisige Ausbau berücksichtigt. Vor dem Hotel "Zur Pfalz" werden die Gleise zwar wie bisher zusammengeführt. Am Baugebiet "Nord" geht es dann aber wieder zweigleisig weiter.

Bahnhofsumbau: Einige Details. Höfer informierte über einige Details der vorläufigen Planung. Demnach würden die Bahnsteige behindertengerecht umgebaut. Die wenig genutzte Unterführung würde geschlossen. Es soll eine weitere Fußgänger-Ampel über die B3 geben. Die Zufahrt für die OEG-Busse soll weiter nach Süden verlegt werden. Die RNV plane den neuen Bahnhof kompakt. So werde die Restfläche größer, die vermarktet werden kann.

Ideen der Architekten. Wenn die Dimensionen des neuen Bahnhofs klar sind, möchte die Stadt fünf oder sechs Architekten um städtebauliche Entwürfe für die Zukunft des restlichen OEG-Areals, also des kleinen Geländestreifens nördlich und des großen Grundstücks südlich des Bahnhofs, bitten. "Wir werden die Büros direkt anschreiben", so Höfer. Die Stadt möchte den Architekten ihre Pläne abkaufen, um daraus die "besten Teile" herauszunehmen, die in den Bebauungsplan einfließen sollen. Noch nicht klar ist, ob auch Studenten der Uni Stuttgart ihre Entwürfe abgeben werden. Mit einem Architektenwettbewerb, bei dem die überzeugendste Planung möglichst genau und in Zusammenarbeit mit dem Architekten realisiert werde, habe dieses Vorgehen nichts zu tun.

Lärmschutz längs der B3. Entlang des OEG-Areals müsse man auch an den Lärmschutz denken, sagte Höfer. "Nur sollten wir uns hier etwas anderes einfallen lassen als am Baugebiet ’Nord’".

Kein Vollversorger. Der Bürgermeister sprach sich gegen die Ansiedlung eines Vollsortimenters auf dem OEG-Areal aus: So ein Markt "wäre nicht gut". Der Raiffeisenmarkt (H+G) könne auf Höhe des OEG-Bahnhofs bleiben. Ein Bürger wollte wissen, dass RNV und H+G einen Geländetausch planen, so dass der Raiffeisenmarkt in den Süden des Areals ausweichen könne. So würde im Bahnhofsumfeld Fläche frei. Höfer meinte, diesbezüglich wisse er nichts Konkretes.

"Freier Platz". Das Autohaus Forschner, das an die Römer- und an die Bahnhofstraße angrenzt, werde wohl abgerissen, meinte der Bürgermeister. Er erinnerte jedoch daran, dass es sich hier um Privatgelände handele. Es sei aber im Interesse der Stadt, das Areal sowie den Platz zwischen Bahnhofstraße und OEG-Bahnhof in die gesamte Planung des OEG-Areals zu integrieren.

Verkehrsfragen. Eine weitere Zufahrt vom OEG-Areal auf die B3 schloss der Bürgermeister aus. Im Süden, an der Zufahrt von der Passein in die B3, werde man jedoch die Situation für Radfahrer und Fußgänger verbessern. Im Zuge des zweigleisigen Ausbaus sei auch davon die Rede, dass alle OEG-Übergänge – sei es für Autos, Radfahrer oder Fußgänger – beschrankt werden sollen. Bei der Vermessung des OEG-Areals soll auch geklärt werden, wem denn nun der Parkplatz-Streifen in der Schillerstraße gehört: der Stadt oder der OEG. Über weitere Parkplätze im Zuge des Bahnhofsumbaus habe man gesprochen. Der Bürgermeister gab zu bedenken, dass Stellplätze größere Flächen binden würden. Eine Tiefgarage sei eine Kostenfrage, reagierte er auf eine Anfrage der Bürger, die auch vorschlugen, den Straßenverkehr in der Schiller- an die Römerstraße anzubinden, wenn das Autohaus Forschner gewichen sei. "Wenn, dann nur fußläufig", sagte Höfer.

"Biergarten". Eine Bürgerin regte an, zwischen dem OEG-Bahnhof und dem Hotel "Zur Pfalz" einen Biergarten anzulegen, wenn die Buseinfahrt doch sowieso weiter nach Süden verlegt werde.

"Extrem belastet". "Pfalz"-Wirt Jürgen Opfermann regte eine weitere Begehung des Geländes an, nachdem die Pläne der RNV vorgestellt wurden: "Es wäre nett, wenn wir unsere Meinung klar und deutlich äußern könnten. Viele von uns leben hier und sind schon extrem belastet, auch vom Verkehr. Und das hier wird sicher für mehrere Jahre eine Baustelle." Höfer sagte: "Ich habe ein Interesse an der Diskussion mit den Anwohnern".

Und wie geht es weiter? – Der Zeitplan. Am Mittwoch, 27. Juni, stellt die RNV dem Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung die Planungen für den Umbau des OEG-Bahnhofs vor. Die Bevölkerung wird am Donnerstag, 5. Juli, um 19 Uhr im Haus der Feuerwehr über die Pläne informiert. Die RNV erwartet, dass der Gemeinderat im September über die Planung zum Umbau des OEG-Bahnhofs abstimmt. Höfer wollte sich darauf aber noch nicht festlegen: "Wenn wir zur Beratung vier Wochen mehr brauchen, dann ist das auch kein Problem". Im Spätjahr möchte der Bürgermeister die Architekturbüros anschreiben und um ihre Konzepte für das restliche OEG-Areal bitten. Im Januar kommenden Jahres soll über diese Planungen diskutiert werden. Höfer rechnete damit, dass der Umbau des Bahnhofs im Jahr 2009 beginnt. Die OEG muss bis zum Jahr 2016 mit dem zweigleisigen Ausbau der OEG-Strecke Schriesheim-Weinheim fertig sein.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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