01.09.2007

„Mit der Lese wird es nicht so leicht"

Von Karin Katzenberger-Ruf

Bei der Weinlese, die in diesem Jahr besonders früh beginnt, müssen die Winzer "mit erhöhtem Sortieraufwand" rechnen. So die Botschaft von Dr. Volker Jörger, Abteilungsleiter am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg. Er war am Donnerstag auf Einladung der Winzergenossenschaft erneut in Schriesheims Weinlagen zu Gast. Der Anlass war eine "Bestandsaufnahme" kurz vor Lesebeginn. In den Weinbergen demonstrierte er, was in den Faulgut- und was in den Gesundguteimer muss. Grundprinzip: Was man nicht mehr in den Mund stecken will, sollte auch nicht im Keller landen.

"Am 25. September ist der Herbst vorbei", hatte er bei einem Ortstermin Anfang Juni prognostiziert. Er könnte Recht behalten. Mit der Lese werde es dieses Jahr "nicht so leicht", kündigte er beim Ortstermin an, und einige Winzer atmeten erstmal tief durch. Dabei versicherte ihnen der Fachmann, in den Trauben stecke "ein irrsinnig hohes Qualitätspotenzial". Allerdings: Manche Beeren haben "Sonnenbrand" bekommen. Auch, weil sie sich in dem feuchten Sommer gar nicht richtig an die Sonne gewöhnen konnten. Da reicht dann ein heißes Wochenende im Stadium des Weichwerdens. Schon ist’s passiert.

Bezüglich der Wasseraufnahme konnten die Rebstöcke gewissermaßen aus dem Vollen schöpfen. Andererseits hat es manche Beeren "verhagelt" und es machten sich wegen Schädigungen der Spaltöffnungen auf der Außenhaut Pilzkrankheiten breit. Oder sie wuchsen an anderen Standorten so dicht am Henkel, dass sie sich gegenseitig abdrückten.

Generell gilt: Vertrocknete oder unreife Beeren gehören nicht in den Gesundguteimer. Bitterstoffe und Essigsäure könnten die gesamte Ernte verderben.

Schon ein Gramm Essig pro Liter Most überschreitet den Grenzwert zur Marktfähigkeit. Deshalb ermahnte Jörger immer wieder zum Aussortieren. Auch wenn der Arbeitsaufwand dadurch in manchem Wingert bis zu einem Drittel höher sein dürfte. In einem Weinberg mit Müller-Thurgau-Trauben genügt schon der Geruchstest. Die Trauben riechen sauer.

Der Winzer wird es bei der Lese also schwer haben. "Stürzen Sie sich am ersten Lese-Tag nicht gleich selbst in die Arbeit, sondern weisen sie die Helfer genau ein", rät Harald Weiss, der Geschäftsführer der Winzergenossenschaft. Er hält es übrigens genauso.

Es mache ihm keinen Spaß, Anlieferungen abzuweisen, so Weiss. Deshalb sollten die Winzer bei der Lese auf Qualität achten und sich außerdem "wie ein Truppe" fühlen. "Wenn alles perfekt wäre, hätten wir uns heute hier ja auch zu einem Picknick treffen können", sagte er und bezeichnete die Lese des Jahrgangs 2007 einfach nur als Herausforderung.

"Zwei, drei Schnitte, und auch mal was abzupfen", so sähe Dr. Volker Jörger die Traubenhenkel bei der Lese gerne behandelt. Die Vorgehensweise demonstrierte er auch an den Sorten Riesling, Grau- und Spätburgunder. Aber er stellte auch klar: An den Henkeln selbst darf man nun nicht mehr "rumfummeln", also nichts Rauschneiden.

Um den Rebstöcken quasi auf den letzten Drücker nochmals die Möglichkeit zu geben, Gutes noch besser reifen zu lassen, kann bezogen auf die Gesamternte aber vorab nochmals ausgedünnt werden. Beim Gang durch die Weinberge war auch das Spritzen ein Thema. Das ist nach Ansicht von Dr. Volker Jörger manchmal überflüssig.

Ein, zwei Telefonate mit dem Weinbauinstitut könnten demnach manche "Spritz-Tour" (die meistens mit mehreren hundert Euro zu Buche schlägt) ersetzen. Da ist guter Rat vom Fachmann nicht teurer, sondern einfach billiger. Sonnige Tage, kühle Nächte: Sie wären jetzt der Idealfall.Zum Vergleich: Im letzten Jahr lagen die nächtlichen Temperaturen im September oft über 20 Grad. Das war nicht gut. Außerdem gab es gerade mal um die zehn Lese-Tage. "In diesem Jahrwerden es hoffentlich mehr", sagte Jörger.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung