24.05.2008

Noch pfeift die Orgel nicht aus dem letzten Loch

Schriesheim. (Si) Die Kirchenorgel in der evangelischen Stadtkirche ist in die Jahre gekommen und bedarf dringend einer Sanierung. Der eigens dafür neu gegründete Orgel-Förderverein der Kirchengemeinde stellte im Dezember 2007 das Sanierungskonzept und die voraussichtlichen Kosten vor. Noch pfeift das Instrument nicht aus dem letzten Loch, aber seine Altersschwäche ist gerade bei Kirchenkonzerten nicht zu überhören.

Kein Wunder, denn 2007 hatte das gute alte Stück 30 Jahre auf dem ehrwürdigen Buckel. Das Erntedankfest 1977 blieb der Kirchengemeinde in besonderer Erinnerung, weil genau in diesem Gottesdienst zum ersten Mal die neue Orgel ertönte. So ermunterte der Kirchengemeinderat damals einleitend zu dreifachem Dank: zum Erntedank, zum Dank für die alle 20 Jahre fällig werdende Erneuerung des Kircheninneren und für die neue Orgel – ein Ereignis, das einer Gemeinde nur etwa alle 100 Jahre zuteil wird.

Zu diesem denkwürdigen Ereignis war auch Oberkirchenrat Stein aus Karlsruhe gekommen, der die neue Orgel weihte und sie damit in den Dienst zu Ehren Jesu Christi stellte – "zur Erbauung der Gemeinde".

Nach dem Gottesdienst trafen sich alle am Orgel-Neubau Beteiligten im Gemeindehaus. Pfarrer Wolfgang Putschky überließ dem damaligen Vorsitzenden des Kirchengemeinderates, dem in baulichen Dingen erfahrenen Horst Grévé, den Rückblick auf die Baugeschichte der früheren und neuen Schriesheimer Orgel.

Zur Erinnerung überreichte Grévé allen Beteiligten einen Dankesgruß mit einem Bild der neuen Orgel in historischem Gewand. Die Geschichte der heutigen Orgel geht zurück auf das Jahr 1793. 1736 gab es bereits ein solches Instrument in der Kirche, das aber bald zu klein wurde. An seine Stelle trat dann die Orgel von Orgelbaumeister Stumm von 1788 mit 26 Registern und 1136 Pfeifen, deren Äußeres bis heute erhalten blieb, auch nach dem Umzug 1899 auf ihren heutigen Platz. Ab 1924 hatte sie ein elektropneumatisches Gebläse, blieb ihrem Charakter nach aber eine Barockorgel, abgestimmt auf die Wiedergabe von Werken aus dieser Zeit.

Auch bei der neuen Orgel sollte das vertraute Gesicht erhalten bleiben. Das Innere wurde aber gerichtet und damit die Orgelbau-Firma Weigle beauftragt. Die neue Orgel erhielt einen Spieltisch, der am Untergehäuse angebaut wurde, und wie die alte ein Hauptwerk, ein Schwellwerk und ein Pedalwerk. Sie besaß zwei Manuale, ein Pedal, 27 Register und 1952 Pfeifen.

Die Vertreter der katholischen und der Baptistengemeinde, Pfarrer Jauch und Pfarrer Körner, betonten damals, die Harmonie der Orgel möge ein Zeichen sein für die Harmonie der Gemeinde Jesu Christi. Eine kleine Überraschung hatte der damalige Bürgermeister Peter Riehl für die politische Gemeinde in petto. Nachdem der Gemeinderat eine finanzielle Beteiligung am Neubau der Orgel abgelehnt hatte, überreichte er zur Einweihung dann 5000 Mark. Auch die Bezirkssparkasse mit dem Kirchen- und politische Gemeinderat Richard Seifert an der Spitze gab ihr Scherflein dazu. Pfarrer Zeller moderierte den Empfang. Bei einer geistlichen Abendmusik, die inzwischen schon Tradition in der Kirchengemeinde hat, stimmten alle ein in das Lob Gottes.

Bei der Adventsmusik am 9. Dezember 2007 gab es wieder einen Empfang, bei dem der neu gegründete Orgelförderverein die Gemeinde auf die Notwendigkeit einer Sanierung des Instrumentes einstimmte. Inzwischen haben die Verantwortlichen des Fördervereins Angebote von Orgelbaufirmen eingeholt, die derzeit von einem Expertenkreis geprüft werden. "Hieß es damals 1977 ’Wie kriegen wir die größere Orgel hinter die historische Front?’, so haben wir jetzt das Problem des Platzmangels", bringt Organist Dr. Martin Fitzer die "Generalüberholung mit gewissen technischen und klanglichen Verbesserungen" auf den Punkt.

Am Gehäuse ändert sich nichts, wenn dann gibt es eine Erweiterung nach hinten. Die genauen Kosten seien derzeit aber noch nicht abschätzbar. "Das kommt auf die Verbesserungen an", so Fitzer. Auftraggeber ist die Kirchengemeinde, die Landeskirche ist involviert durch den Orgelsachverständigen Dr. Kares vom Orgel- und Glockenprüfungsamt, der vermittelnd zwischen Kirchengemeinde und den Firmen wirkt sowie für die Vergabe der Zuschüsse zuständig ist. Die Orgelrenovierung muss außerdem an die Innenrenovierung der Kirche gekoppelt sein.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung