03.03.2009

Die Post gab es schriftlich: Die Filiale wird nicht erhalten

Von Carsten Blaue.

Schriesheim/Bonn. Die Post hat es Dr. Karl A. Lamers (CDU) jetzt schriftlich gegeben: Das Unternehmen wird den Forderungen, die Filiale in Schriesheim zu erhalten, nicht nachgeben. Basta.

Mehr noch: Das "Regulierungsmanagement Konzern" der Post-Zentrale in Bonn teilt mit, dass man den Bundestagsabgeordneten informieren werde, wenn ein Kooperationspartner für den Betrieb einer privat geführten Post-Agentur in Schriesheim gefunden sei und der Standort sowie der Tag der Eröffnung feststehe. Das hat etwas Süffisantes. Auf jeden Fall sind das schlechte Nachrichten für alle Kämpfer um den Erhalt der Postfiliale in der Hübsch’schen Mühle. Die Post verpackt diese in Höflichkeitsfloskeln. Der zweiseitige Brief trifft aber hart wie eine Keule. Lamers hatte zuletzt beklagt, dass Post-Vorstandschef Dr. Frank Appel auf sein Protestschreiben gegen die Schließung nicht reagiere. Diese Haltung zeige, wie sehr sich die Post von den Bedürfnissen der Bürger entfernt habe, so Lamers’ Bewertung. Jetzt hat er die Antwort.

Appel ließ die Herren Walter Maschke, Leiter des "Regulierungsmanagements Konzern", und Alexander Edenhofer aus der Presseabteilung in seinem Auftrag schreiben. Auf Schriesheim gehen sie nur in zwei kurzen Absätzen ein, auf die Argumente der Schließungsgegner gar nicht. Es würden Gespräche mit geeigneten Kooperationspartnern geführt, heißt es. Ansonsten hat das Schreiben den Charakter einer Standardantwort, in der das Unternehmen nochmal seine Sicht der Dinge darlegt und unterstreicht, dass man beabsichtige, "alle verbliebenen posteigenen Filialen voraussichtlich bis 2011 in partnerbetriebene Filialen umzuwandeln – und das unter Berücksichtigung der Standortbedingungen vor Ort."

Im Einzelfall werde entschieden, wo und wann die Umwandlung erfolge. Die Kriterien dabei seien das "Partnerpotenzial vor Ort", die Kundennachfrage, die Effizienz, Immobilien- und Personalplanungen sowie Lösungen für kleinere und mittlere Geschäftskunden. Die Post schreibt, die Einrichtung von partnerbetriebenen Filialen sei seit 15 Jahren ein bewährtes Mittel, das Filialnetz wirtschaftlicher zu gestalten. Außerdem seien die Kunden zufrieden. Partner-Filialen würden sogar in Sachen Wartezeit und Erreichbarkeit besser abschneiden "als herkömmliche Postfilialen", so das Unternehmen.

Die Post behauptet sogar, die fachliche Kompetenz würde von den Kunden in Partner- und Postfilialen als gleichwertig wahrgenommen.

Der Brief der Post AG an Lamers ist auch daher von Bedeutung, da das Schreiben überhaupt erst die zweite Reaktion auf Schriesheims parteiübergreifenden Widerstand gegen die Schließung der Post-Filiale ist. Zunächst war es der regionale Politikbeauftragte der Aktiengesellschaft, Wolfgang Englert, der sich in einer Info-Sitzung im Rathaus am 21. Januar dem Zorn der Bürger stellte. Damals warnte Ehrenbürger Peter Riehl vor zu viel Protest-Euphorie: "Es wird nichts mehr nützen." Es scheint so, als sollte er Recht behalten.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung