27.07.2009

„Schriese hockt" galt nicht für alle

Von Stephanie Kuntermann.

Wer nicht wusste, dass in Schriesheim derzeit Stadtfest ist, erschrak vielleicht beim Anblick des blinkenden Blaulichts auf dem Festplatz vor dem Neuen Rathaus. Damit machte das Deutsche Rote Kreuz jedoch nur auf eine Aktion aufmerksam. Zum ersten Mal nahmen die Rotkreuzler am Stadtfest teil und gewährten Einblick in das Innere der Krankenwagen. Bei dieser Gelegenheit konnte man seinen Blutdruck messen lassen und sich über die Arbeit informieren. Für die Kinder gab es rote Luftballons und eine spannende Besichtigung, bei der sie auch mal auf die Alarm-Taste drücken durften. So mancher kleine Besucher bekam runde Augen, als er selbst einmal das "Tatütata" auslösen konnte.

Der gestrige Sonntag begann mit einem Frühschoppen und Vorführungen der Eintracht-Volkstanzgruppe. Damit beschloss das Ensemble offiziell die Veranstaltungen zu seinem 25-jährigen Jubiläum. "Sie sehen heute die Lieblingstänze unserer Kinder", kündigte Leiterin Sandra Hölzel die Vorführungen der Kleinsten und Jugendlichen an.

Dazu gehörten der Schustertanz, ein englischer Spieltanz mit Tor-Figuren und der holländische Tanz "Schiff muss segeln". Auch wenn die Sonne die Bühne vor dem Musikzelt bald in einen Backofen verwandelte, waren die Kinder mit Begeisterung bei der Sache, allen voran der Kleinste der Gruppe, der zweijährige Marek. Ein Reigen aus Schleswig-Holstein und der "Knopfloch-Tanz" gehörten zu den Favoriten der Älteren.

Wer mochte, durfte anschließend bei "Was für ein schöner Tag" mittanzen. Mit einigen Tänzen von deutschen Auswanderern aus Schweden oder Rumänien zeigten die Erwachsenen ihr Können. Beim "Schwedentanz" wurden die Frauen zum Schluss sogar auf die Arme der Männer gesetzt. Eine englische Quadrille und zum Abschluss der Kaiserländler aus Österreich rundeten den Auftritt ab. Auch der Samstagabend war trotz etwas kühlerer Temperaturen ein Erfolg. "Wir sind sehr zufrieden", sagte Verkehrsvereinsvorsitzender Karl-Heinz Schulz, der vor dem Stand der "Perseria" eine Pause einlegte. Hier gab es Pizza, gefüllte Pfannkuchen und eisgekühlte Caipirinha.

Die Schriesheimer Klassiker Müller-Thurgau und Riesling waren bei Winzer Georg Bielig der Renner, während es bei der Winzergenossenschaft zum Jubiläumsjahr einen Silvaner Kabinett trocken gab. Die Biertrinker wurden beim Stand des Verkehrsvereins fündig. Nach einem Backfisch oder Brötchen mit riesigem Schnitzel von der "Fisch-Oase" gab es erste Hilfe für den Magen am Stand des Weinguts Wehweck, wo unter anderem alter Weinbrand oder Wodka Lemon ausgeschenkt wurden.

Auf der Bühne sorgte derweil das Duo Herbert & Franz mit Schlagern für gute Stimmung. Hits wie "Ein Stern, der deinen Namen trägt" oder "Du gehörst zu mir" ließen sich zu später Stunde auch nach dem Genuss einiger "Viertele" gut mitsingen. Besucher kamen an diesem Abend nicht nur aus Schriesheim, sondern auch aus der Umgebung. Eine besonders auffällige Erscheinung war die langbeinige Schönheit aus Mannheim. Wer einen zweiten Blick riskierte, musste jedoch feststellen, dass die Dame mit den knielangen roten Lackstiefeln in Wirklichkeit ein Mann war. "Gretl" amüsierte sich zwar prächtig, eine Sache leuchtete ihr aber nicht ein: "Warum tanzt denn hier keiner?" Die Antwort lag auf der Hand, heißt die Veranstaltung doch nicht umsonst "Schriese hockt".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung