07.09.2009

Die Bilanz ist heiter bis wolkig

Die Bilanz ist heiter bis wolkig

Der kleine Jahrmarkt auf dem Festplatz war am Wochenende ein beliebter Treffpunkt der Jugendlichen. Fotos: Dorn

Von Carsten Blaue

In Schriesheim gebe es kein schlechtes Wetter, meinte Bürgermeister Hansjörg Höfer bei der Straßenfesteröffnung am Samstagvormittag vor dem Alten Rathaus. Demnach ist Rotweinwetter, wenn es bewölkt ist, und Weißweinwetter, wenn die Sonne scheint. Zumindest am Samstag gegen Abend kam auch noch Glühweinwetter dazu. Es gab teilweise heftige Schauer, und es war empfindlich kalt, was sich auch bei den Besucherzahlen niederschlug. "Da bleiben dann abends viele zu Hause. Außerdem kommt Fußball", war Karl-Heinz Schulz zu diesem Zeitpunkt wenig euphorisch. Doch wie das Wetter hellte sich auch die Miene des Verkehrsvereinschefs im Laufe des Wochenendes schnell wieder auf.

Zumal das Straßenfest mit vielen Schnäppchenjägern auf dem Flohmarkt begonnen hatte. Auch in den Straußwirtschaften gab es regelrechte Stoßzeiten. Gemessen an den äußeren Bedingungen war sogar der Samstagabend ein Erfolg. An den Bühnen war Betrieb. Und auch, wenn sich beispielsweise im Weindorf alles unter die Schirme drängte, war die Stimmung gut.

Der Sonntag entschädigte dann die Wirte, Winzer, Vereine und Musiker mit Sonne und vollen Bierbänken. Vom Frühschoppen bis zum späten Abend wurde gemütlich-dezent bis lautstark gefeiert – sei es beim "Jazz in der Oberstadt", in den Cafés der Kirchengemeinden mit ihren rekordverdächtigen Kuchen-Zahlen, im "Weindorf", im "Bierdorf" oder am Stadtbrunnen. Die Schriesheimer und ihre Gäste genossen die lebendige Atmosphäre in der Altstadt und folgten damit einem Rat von Weinkönigin Katharina I., den sie in ihrem Grußwort zur Eröffnung gegeben hatte. Bürgermeister Höfer hatte eingangs vor allem die politischen Ehrengäste begrüßt, darunter die Bundestagswahlkämpfer Lothar Binding (SPD) und Dr. Karl A. Lamers (CDU) sowie die Landtagsabgeordneten, Staatssekretär Georg Wacker (CDU), Uli Sckerl (Grüne) und erstmals in neuer Funktion auch Gerhard Kleinböck (SPD). Die Stadträte aller Couleur sowie die beiden Ehrenbürger vergaß Höfer ebenfalls nicht. Und es wäre sicher auch kein Fehler gewesen, wenn er die Sänger vom Shanty-Chor aus Papenburg in seiner Stadt willkommen geheißen hätte. Über 500 Kilometer waren sie am Freitag angereist und standen jetzt am "Kraftbrunnen" des KSV und genossen ein Bierchen, nachdem sie am Vorabend schon Schriesheims Weine kennengelernt hatten. Gestern war es dann der GV Liederkranz, der den Chor aus dem Emsland zum Frühschoppen einlud.

Nach der offiziellen Eröffnung, in der Höfer auch den Vereinen und vor allem den Straßenfest-Organisatoren von KSV und Verkehrsverein dankte, gab es den obligatorischen Rundgang der Ehrengäste. Anders als in den Vorjahren hielt man sich in der Taverne des Partnerschaftsvereins (hier gab es Sekt) und bei der Lyra nicht lange auf, während Schulz eifrig die diesjährigen Straßenfestbuttons verteilte. Das Weindorf steuerte man an.

Allerdings hatte sich der Tross bis dahin schon merklich gelichtet. So kamen nicht mehr alle in den Genuss, vom Bürgermeister persönlich bedient zu werden. Und sie hörten auch nicht, wie das Schriesheimer Stadtorchester für die politische Prominenz in Anlehnung an die Koalitionstreue und mit Blick auf die Bundestagsswahl das Lied "I Never Fall In Love Again" ("Ich werde mich nie mehr verlieben") spielte. Das war es dann aber schon mit der großen Politik auf dem Straßenfest, das die Schriesheimer heute im Weindorf ausklingen lassen.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung