04.02.2010

"Von 27 Viertklässlern hatten zehn die Note sechs im Diktat"

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Die RNZ berichtete jüngst über die Sorge von Eltern, die Schülerzahl der neuen Werkrealschule in Schriesheim könne über gezielte Grundschulempfehlungen manipuliert werden. Die Rektorin der künftigen Kurpfalz-Grund- und Werkrealschule, Beate Hirth-Pferdekämper, wies die Vermutung energisch zurück. Die Schule sei an das Schulgesetz gebunden. Elternbeirätin und Mitglied der Schulkonferenz, Sandra Bauer, wies diesbezüglich auf die schulischen Leistungen hin, die sich plötzlich so verändern müssten, dass es einer Werkrealschulempfehlung entspricht: "Und das ist ja wohl unwahrscheinlich" (siehe RNZ vom 1. Februar).

Gestern richteten sich sechs Familien von Dritt- und Viertklässlern "für viele weitere Eltern der dritten und vierten Klassen an der Kurpfalz-Grundschule" mit einer Stellungnahme an die RNZ. Darin geben sie zu bedenken, dass die neue Werkrealschule vielleicht nicht für alle eine Freude sei. Die Eltern, die der Redaktion namentlich bekannt sind, schreiben: "Fakt ist Folgendes: Im letzten Schuljahr hatte die fünfte Klasse der Kurpfalz-Hauptschule gerade einmal eine Handvoll Schüler, sodass sie mit der sechsten Klasse zusammengelegt werden musste.Für die gesicherte Existenz einer Werkrealschule sind in jedem Jahr mindestens 15 Schüler pro Jahrgang zwingend erforderlich. Seit Jahresbeginn wird in Klasse drei und vier der Kurpfalz-Grundschule ohne jegliche Vorankündigung ein wesentlich strengerer Bewertungsmaßstab angewandt." Dadurch seien viele Schüler in ihren Leistungen "drastisch abgesackt".

Für die gründliche Vermittlung elementarer Kenntnisse, wie der Rechtschreibung und des Einmaleins, scheine im Rahmenlehrplan kein Platz mehr zu sein, so die Eltern: "Nach unserem Eindruck müssen immer mehr Dinge immer früher gelernt werden." Daraus resultiere eine große Verunsicherung der Kinder, die zusammen mit dem strengeren Notenschlüssel dazu geführt habe, "dass beim letzten Diktat in einer vierten Klasse von 27 Kindern zehn eine ungenügende Leistung, also die Note sechs, hatten. In den beiden Parallelklassen verhielt es sich ähnlich", behaupten die Unterzeichner und fahren fort: "In drei Wochen gibt es für die Kinder die Grundschulempfehlungen, die auf diesen Noten basieren und die Grundlage sind für die weitere schulische Zukunft - ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Eine Sechs lässt sich eventuell ausgleichen, aber der Schaden, den sie in einer Kinderseele anrichtet, ist nicht mehr gut zu machen."

Bezüglich des vorgegebenen Bewertungsmaßstabs in Grundschulen wollte sich die RNZ beim Staatlichen Schulamt in Mannheim erkundigen, Daniel Hager-Mann war jedoch gestern nicht zu erreichen. Rektorin Hirth-Pferdekämper reagierte gestern auf die neue Stellungnahme der Eltern zurückhaltend: "Wir werden das Thema in den Gremien der Schule behandeln. Wir sind da offen und transparent."

Die Elternbeiratsvorsitzende der jetzigen Kurpfalz-Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule, Sabine Gernold, kündigte für Donnerstag eine Sitzung des Elternbeirats an und betonte: "Wir stehen voll und ganz hinter unserer Schulleitung, hinter der Schule und hinter unserer neuen Werkrealschule."

Die Sorgen der Eltern stießen bei Gernold auf Verständnis: "Aber ich verstehe die Aufregung überhaupt nicht. Und ich finde es schlimm, dass so etwas über die Öffentlichkeit diskutiert wird. Das ist nicht der richtige Weg. Man hätte damit zu uns kommen können." Die Elternbeiratsvorsitzende sagte: "Wir sollten lieber froh und dankbar sein und die neue Werkrealschule als Chance sehen und diese auch nutzen." Vor diesem Hintergrund sei es besonders schade, "dass so gegen die Schule geschossen wird."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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