22.04.2010

Bürger bekommen die Polizei kaum noch zu Gesicht

RNZ

Schriesheim. (sk) Eine doch recht erfreuliche Kriminalstatistik legte gestern Abend der Leiter des Polizeireviers Weinheim, Polizeioberrat Jürgen Helfrich, dem Gemeinderat vor. Um mehr als ein Viertel ging die Gesamtzahl der Straftaten von 2008 auf 2009 zurück. Das bedeutet in Zahlen einen Rückgang von 454 auf 335 Taten.

Leicht gesunken von 50 auf 43 Prozent ist die Aufklärungsquote. Eine Erklärung dafür sah Helfrich darin, dass Delikte mit besonders hohen Aufklärungsquoten im letzten Jahr seltener vorkamen. Gesunken ist laut Statistik nämlich die Zahl der einfachen und gefährlichen Körperverletzungen. Letztere kamen im vergangenen Jahr übrigens nur dreimal zur Anzeige, im Jahr 2008 dagegen siebenmal.

Einen Tiefstand erreichten die Zahlen bei den Autoaufbrüchen, wo mit insgesamt zehn Taten der niedrigste Wert seit 14 Jahren erreicht wurde. Auch in puncto Straßenkriminalität ist Schriesheim kein ganz heißes Pflaster. Hier war ein Rückgang der Fälle von 143 auf 100 zu verzeichnen.

In diesen Bereich gehören auch Vandalismus und Sachbeschädigung, also auch die Schmierereien an Häusern in der Innenstadt, die im letzten Jahr für viel Aufsehen sorgten. Die Zahl der Tatverdächtigen sank von 195 im Jahr 2008 auf 150 im Vorjahr. Bei etwas mehr als 14 Prozent an der Gesamtzahl hat sich der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen eingependelt. Insgesamt leicht gesunken ist der Anteil Jugendlicher zwischen 14 und 18 Jahren, der 2008 noch bei über 13 Prozent lag, 2009 dagegen lediglich bei 10,7 Prozent.

Immerhin 5,3 Prozent der Tatverdächtigen waren im letzten Jahr noch nicht strafmündig, also Kinder zwischen sieben und 14 Jahren. "Das könnte daran liegen, dass hier mehr Delikte zur Anzeige kommen, gerade Körperverletzung und Diebstähle", erklärte Helfrich. "Eine erfreuliche Statistik", fasste es CDU-Fraktionssprecher Paul Stang zusammen. Der pensionierte Polizeibeamte kritisierte aber die personelle Unterbesetzung des Reviers und auch die fehlende Polizeipräsenz auf der Straße: "Der Kontakt mit dem Bürger ist praktisch auf Null zurück gegangen."

Darin stimmte ihm GL-Fraktionssprecher Christian Wolf zu. Die Polizeipräsenz habe letztlich mit der gefühlten Sicherheit der Bürger zu tun, und die sei momentan nicht sehr hoch: "Wir haben allein für dieses Jahr schon fünf Wohnungseinbrüche gezählt."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung