11.06.2010

Der Islam ist für sie ganz grundsätzlich friedlich

Der Islam ist für sie ganz grundsätzlich friedlichRNZ

Schriesheim. (stek) Der Nebenraum der Gaststätte "Frank" drohte zu platzen. Kein Platz mehr frei, und das schon lange bevor die Islamwissenschaftlerin Dr. Gabriele Berrer-Wallbrecht auf Einladung der Frauenunion in Sachen Islam Stellung bezog.

Sie ist eine Kennerin des Islams und versteht es wie wenige, die Menschen auf eine Reise durch diese Religionskultur mitzunehmen. Mit aller Leidenschaft, mit der sie auf jedem orientalischen Basar mühelos bestehen könnte, begann sie bei den vier Millionen Muslimen, die heute in Deutschland leben, und arbeitete sich dann Land für Land durch die islamische Welt.

Dabei unterschied sie scharf zwischen Islam und islamistisch. Das eine hat mit dem anderen in ihren Augen nichts zu tun. Ja, für sie weichen Islamisten sogar ganz bewusst vom Koran ab. "Islamisten pervetieren eine Weltreligion aus machtpolitischem Kalkül."

Der Islam ist für sie ganz grundsätzlich friedlich und auf Bildung sowie Ausgleich bedacht. So gibt es einen Ausspruch von Mohammed, mit dem er erklärte, dass die Tinte eines Schülers wertvoller sei als das Blut eines Märtyrers. Immer wieder brachte Berrer-Wallbrecht Zitate ein, die dem gängigen Bild des Islams deutlich widersprechen. Sehr beeindruckend belegte sie auch, dass es im Koran keine Hinweise auf eine Pflicht gibt, Kopftuch, geschweige denn eine Burka, zu tragen. Ganz allgemein gebe es im Westen sehr viele falsche Vorstellungen über den Islam, wobei sie hierfür die Muslime mitverantwortlich macht. Gar kein Verständnis hat die Islamwissenschaftlerin beispielsweise für den Drang vieler islamischer Gemeinden, Moscheen mit Minaretten zu bauen. Das sei nicht per se islamisch, kam erst viel später auf und sei eher ein Symbol der Macht. Wahrscheinlich, so ihre Vermutung, beeinflusst vom christlichen Kirchturm. Und so äußerte sie Verständnis für die Schweiz mit ihrem Minarettverbot und für die treibende Kraft hinter diesem Verbot, die rechtsnationale Partei SVP.

In ihrem Vortrag griff sie auch den türkischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan an, der in ihren Augen ein Islamist ist. Offen ließ sie dabei, warum Erdogan wie kein zweiter Regierungschef sein Land in Richtung Europäische Union führt und den verschiedenen Volksstämmen und religiösen Gruppen zunehmend Autonomie gewährt.

Wieder ganz beim Islam wandte sich Berrer-Wallbrecht den vielen Widersprüchlichkeiten im Koran zu, der in Teilen fürchterlich zu lesen sei. Dabei sind die eher kriegerischen Aussagen Mohammeds älter als die friedlicheren. Und es gilt die Regel, dass die jüngeren mehr Gültigkeit besitzen als die älteren. Diese jüngeren Aussagen weisen viele Gemeinsamkeiten mit christlichen Grundsätzen auf, sodass in ihren Augen ein Zusammenleben ohne weiteres möglich sei.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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