04.07.2010

Zecken haben jetzt Hochsaison

RNZ

Schriesheim. (sk) Sie heißt auf Latein Ixoxes ricinus; der bekannteste Vertreter der Gattung Schildzecken ist hierzulande als "Gemeiner Holzbock" bekannt. Von April bis September haben die kleinen, nur wenige Millimeter großen Plagegeister Hochsaison. Dann lassen sie sich auf ihre Opfer fallen und klettern an ihnen hoch, bis sie eine warme Hautstelle gefunden haben. "Zecken beißen übrigens nicht, sondern sie stechen", korrigiert Dr. Dieter Schöffel (Foto: Dorn) einen weit verbreiteten Irrtum. Zecken haben nämlich keine Beißwerkzeuge, sondern einen mit Widerhaken versehenen Saugrüssel. Was die Zecke so gefährlich macht, ist die Tatsache, dass sie Krankheiten übertragen kann. Mit ihnen beschäftigt sich Schöffels Vortrag an der VHS, der trotz schönen Wetters und der Fußball-WM im Fernsehen gut besucht ist.

Die am häufigsten übertragene Krankheit ist die Borreliose, benannt nach dem französischen Bakteriologen Amédée Borrel. Sie ist eine bakterielle Infektion mit Symptomen an Haut, Herz, Bewegungsapparat und Nervensystem. Borrelien sind fadenförmige Bakterien, die im Darm der Zecke leben. Das Bakterium ist weltweit in gemäßigten Klimazonen verbreitet und auch hierzulande heimisch. Zwischen fünf bis 25 Prozent der Zecken sind befallen. Zu einer Infektion beim Menschen muss es allerdings nicht kommen, selbst wenn die Zecke den Erreger in sich hat. "Die Borrelien wandern langsam den Darm hoch. Das dauert zwischen sechs und 24 Stunden", erklärt Schöffel. "Wird die Zecke vorher entfernt, passiert nichts." Beim Entfernen sollte man die Zecke nicht quetschen, da sie sonst ihren Darminhalt ins Blut entleert. Schöffel empfiehlt, sie mit Zeckenzange oder Messer abzuheben und rät ab von früher verbreiteten Methoden wie Ersticken mit Klebstoff oder Olivenöl: "Man muss die Zecke ja nicht unbedingt quälen."

Auch im Falle einer Infektion seien übrigens die Heilungschancen gut, betont der Arzt, der in seiner Praxis für Rheumatologie und Schmerztherapie auch Borreliose-Patienten behandelt. Voraussetzung ist allerdings, dass man die oft unspezifischen Symptome richtig deutet und schnell mit der Behandlung beginnt. Neben grippeähnlichen Symptomen ist die "Wanderröte", erythema migrans, eines der deutlichsten Anzeichen der frühen Erkrankung. Ausgehend vom Zeckenstich, breitet sich dabei ein annähernd kreisförmiger roter Ring aus. Er ist die sichtbare Form der körpereigenen Abwehr, die gegen das Eindringen der Borrelien aktiv wird. Allerdings tritt nicht jede Wanderröte in Form eines roten Rings auf, was die Einordnung erschwert.

Therapien sind möglich

Nach etwa 30 Tagen ist das Frühstadium der Erkrankung vorüber. In ihrer Spätform, drei bis fünf Jahre nach der Infektion, manifestiert sich die Borreliose oft mit neurologischen Ausfällen, Herzrhythmusstörungen oder Arthritis. Bilder von Patienten mit Facialislähmung wirken zunächst einmal schockierend auf die Zuhörer. Schöffel gibt aber gleich Entwarnung: "Wird der Patient gleich mit Antibiotika behandelt, geht das alles wieder zurück."

Ebenso die Schwellungen an den großen Gelenken, die hauptsächlich die Knie betreffen: "In 90 Prozent der Fälle bildet sich das zurück, allerdings können zwei bis drei Monate bis zur Heilung vergehen", bemerkt Schöffel. Die Schwellungen seien als "reaktive Arthrosen" ebenfalls Abwehrreaktionen des Körpers. Hier solle allerdings zunächst eine Abklärung durch ein Labor erfolgen, da auch die Schwellungen andere Ursachen haben könnten. Diagnose und Therapie sollten jedenfalls den europäischen Richtlinien folgen, die unter EUCALB (European Converted Action against Lyme Borreliosis) im Internet abrufbar seien, betont der Arzt: "Das sind standardisierte Therapien nach einem Leitfaden, der immer auf dem neuesten Stand ist."

So könnten unwirksame oder unseriöse Therapieansätze ausgeschlossen werden. Therapiert wird mit verschiedenen Antibiotika. Auch Schwangere können behandelt werden. In jedem Fall, so betont Schöffel, seien die Heilungschancen gut: "Eine Borreliosebehandlung durch Antibiotika ist in jedem Stadium möglich."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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