26.09.2010

Schriese auf den Mund geschaut

Schriese auf den Mund geschautSchriesheim. (sk) "Nemm die Douwe do weg!", sagt Peter Hartmann. So habe man das früher zu den Kindern gesagt, wenn sie ihre "Pfoten" von etwas lassen sollten, übersetzt er für seine Zuhörer. Der Ehrenbürger ist einer der vier älteren Experten in Sachen Schriesheimer Dialekt, die auf Einladung von Volkshochschulleiter Frank Röger in den Sprachräumen Einblick in die Feinheiten der hiesigen Mundart geben.

Die drei anderen sind Hilde Jäck, Lore Rufer und Georg Gaber, alle seit ihrer Kindheit Dialektsprecher. Sie nehmen teil am Forschungsprojekt "Sprachalltag in Nord-Baden-Württemberg", das das Ludwig-Uhland-Institut der Universität Tübingen betreut. Die beiden Kulturwissenschaftlerinnen Nina Kim Leonhardt und Rebekka Bürkle sowie Sprachwissenschaftler Rudolf Bühler gehen dabei mit ihren Gesprächspartnern einen Fragenkatalog durch und stellen Fragen zu Wortschatz oder Aussprache aus Themengebieten wie Landwirtschaft, Haushalt oder dem familiären Bereich.

Die Antworten werden in Lautschrift notiert, aber auch mit dem Diktiergerät aufgenommen. Unter der Regie von Professor Dr. Bernhard Tschofen und Professor Dr. Hubert Klausmann wird so der gegenwärtige "Dialektbestand" von über hundert Ortschaften zwischen Ulm und Wertheim erhoben. Gestern war auch Schriesheim an der Reihe. "Es geht um Grundlagenforschung", erklärt Bühler. Gleichzeitig interessiere ihn aber auch im Vergleich zu älteren Aufnahmen von Dialektsprechern, ob sich die "Sprachgrenzen" in den letzten Jahrzehnten verschoben hätten. Etwa bei Wörtern wie Apfel oder Appel. Dass die Frucht auf Schriesemerisch "Appel" heißt, darüber sind sich die Dialekt-Experten sofort einig. Dass die hiesige Mundart zwar allgemein Kurpfälzisch genannt wird, in der Fachsprache aber korrekt "Rheinfränkisch" heißt, ist dagegen nur wenigen geläufig. Während Bürkle anschließend mit den beiden Frauen über Wörter aus dem Bereich Hauswirtschaft zu fachsimpeln beginnt, nimmt Bühler den Wortschatz von Hartmann und Gaber in Sachen Landwirtschaft unter die Lupe. Mehrere Kühe heißen "Kieh", wird dabei klargestellt, und wenn die Rindviecher vom Liebeswahn befallen sind, bezeichnet sie der Schriesheimer als "rinnerisch".

Dass auf so manchem Hof bis heute noch "Hinkel" ihre "Ooja" legen, "Schoof" und die eine oder andere "Gåås" noch auf der Wiese grasen, mag auch noch ein "Neigeplackter" verstehen. Dass man einer "Hermenz", also Hornisse, besser aus dem Weg geht, vielleicht auch noch. Dann kommt aber eine Besonderheit des Schriesheimerischen zur Sprache, nämlich der Lambdazismus, der heute nur noch von wenigen benutzt wird. Dabei wird ein "b" im Wort zu "l", etwa, wenn Hartmann sagt, dass man ein Pferd "reile dut". Auch Röger, der als jüngerer Dialektsprecher von Leonhardt interviewt wird, ist diese Besonderheit noch geläufig. "Da Bollem is ha´t", sagt er und bezieht sich dabei auf widrige Bodenverhältnisse. Schwierig wird es beim Wort für "Äugelein", zu dem schließlich Hilde Jäck das entscheidende "Ëijelin" beiträgt. Wer ans Eingemachte gehen will, dem geben Gaber und Hartmann noch ein Wort aus alter Zeit mit, das auch eingefleischten Dialektsprechern heute nicht mehr geläufig sein dürfte. So hatten die Schriesheimer ein eigenes Wort für die Behälter, in denen Wetzsteine aufbewahrt wurden. "Klar", sagt Hartmann, "das ist ein Kilwes".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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