21.10.2010

Frisst Stuttgart 21 die Mittel für andere Projekte auf?

Frisst Stuttgart 21 die Mittel für andere Projekte auf?Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. "Die SPD ist in dieser Diskussion nicht wahrgenommen worden", sagte Sebastian Cuny. Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende beklagte, dass sich seine Partei in der Debatte um das Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21" (S 21) bislang nicht habe positionieren können, auch wenn SPD-Mann Wolfgang Drexler bis zu seinem Rücktritt für die Öffentlichkeitsarbeit der Baumaßnahme zuständig war. Mit der Forderung nach einem Volksentscheid wollten die Genossen jetzt eine Versachlichung der Debatte erreichen, fuhr Cuny fort. Um eine solche Versachlichung ging es auch dem "SPD-Generationentreff" kürzlich im Hotel "Zur Pfalz", der sich die Argumente für und gegen S 21 vornahm. Als gut vorbereitet erwiesen sich dabei Diskussionsteilnehmer wie Fritz Köhler und Günter Brand, die das Gespräch mit vielen Fakten bereicherten. Etwa, dass die von der Bahn beklagte Zeitverzögerung, die ein Kopfbahnhof wie in Stuttgart mit sich bringe, in Wirklichkeit minimal sei und durch ein höheres Tempo auf den Langstrecken ausgeglichen werden könnte.

Kopfbahnhof ist leistungsfähig

Oder, dass auch Städte wie München, Leipzig oder Frankfurt über Kopfbahnhöfe verfügen, die man kaum als unzeitgemäß bezeichnen könne. "Und die Bahn selbst hat in einer Stellungnahme gesagt, dass der Stuttgarter Bahnhof mit seinen 16 Gleisen leistungsfähig ist", ergänzte Brand. Dennoch bestehe bei dem Bahnhof Modernisierungsbedarf, hielt Cuny dagegen, ebenso wie bei Kopfbahnhöfen etwa in Frankfurt. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer über noch nicht absehbare Kosten, bei denen eine Erhöhung bis hin zu 20 Milliarden Euro zu befürchten sei: "Damit droht S 21 auch die Mittel für andere Projekte aufzufressen", so Brand. Etwa die Gäubahn oder die Rheintalstrecke - beides Verbindungen, um den Gütertransport auf die Schiene zu verlegen.

Letztlich - und auch darin herrschte Einigkeit - sei S 21 ein "städtebauliches Projekt", wie es Gabriele Mohr-Nassauer formulierte. Allerdings sei auch dieses Vorhaben nicht völlig durchdacht. Widerstand habe sich erst dann geregt, als die Bäume im Schlossgarten angegriffen wurden, bemerkte eine Gesprächsteilnehmerin. Diese seien noch nicht einmal während der Brennstoffknappheit nach dem Zweiten Weltkrieg gefällt worden. Die Bürgerproteste würden langfristig die politische Landschaft verändern, vermutete Brand. "Man wird in Zukunft die Bevölkerung stärker einbinden müssen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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