06.12.2010

"Frage von Fusionen stellt sich nicht"

RNZ

Schriesheim. (cab) Am Rande des Jubiläumsabends der Winzergenossenschaft (WG) sprach die RNZ mit dem Vorstandsvorsitzenden, Friedrich Ewald (Foto: Kreutzer), der das Amt seit 1988 innehat.

Herr Ewald, die Schriesheimer Winzergenossenschaft blickt in ihren 80 Jahren auf eine Erfolgsgeschichte zurück. Wo aber sehen Sie die Genossenschaft in zehn Jahren?

Ich sehe sie dann immer noch als wichtigen Bestandteil des Weinbaus in Schriesheim. In den vergangenen 80 Jahren seit 1930 hat die Winzergenossenschaft immer ihre Daseinsberechtigung bewiesen und unterstrichen.

Wie wird sich der Weinbau strukturell verändern?

Sicherlich wird sich der Weinbau in Schriesheim und an der gesamten Bergstraße nicht mehr so darstellen wie heute. Er wird aber noch immer seine Bedeutung haben für den Erhalt der Kulturlandschaft.

Dennoch: Die Mitglieder der Winzergenossenschaft werden immer älter und die Tendenz zeigt, dass es künftig wohl immer weniger Hobbywinzer geben wird.

Der Alterungsprozess macht mich auch nachdenklich. Im nächsten Moment weiß ich aber, dass es nicht unbedingt entscheidend sein muss, wie viele Winzer Weinbau betreiben, sondern dass Weinbau überhaupt landschaftsprägend betrieben wird. Wichtig ist, dass die Rebflächen erhalten bleiben. Es wird in der Tat immer weniger Hobbywinzer mit ein, zwei Weinbergen und zehn bis 20 Ar geben. Denn die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Im heutigen Berufsleben haben viele einfach weniger Freizeit, dazu kommen die hohen Kosten und viele gesetzliche Anforderungen. Und wer Weinbau wirtschaftlich betreiben möchte, braucht größere Flächen. So kommt es zwangsläufig zu einer Konzentration. In der Winzergenossenschaft wird es aber immer das Nebeneinander von Voll- und Nebenerwerbswinzern geben. Und auch die Hobbywinzer werden niemals ganz aus der Mitgliederstruktur der Winzergenossenschaft weichen.

Sehen Sie die Notwendigkeit, größere betriebliche Einheiten an der Bergstraße zu bilden? Sind Fusionen für Sie ein Thema?

In der Ortenau gibt es Genossenschaften, die ihre Weine selbst ausbauen. Hier sorgen schon die Kosten für einen höheren Fusionsdruck. Bei uns ist das anders. Wir haben eine andere Ausgangsvoraussetzung, denn der Badische Winzerkeller baut unsere Weine aus. Da stellt sich die Frage von Fusionen nicht. Denn wir würden dadurch nichts besser machen können. Wir haben einen funktionierenden Betrieb mit Top-Weinen, einer hervorragenden Beratung und eigenem Verkauf.

Ist für Sie also auch der eigene Keller, der Ausbau der Weine in Eigenregie der Winzergenossenschaft, grundsätzlich keine Überlegung mehr wert?

Diese Frage stellt sich für uns derzeit überhaupt nicht. Es gibt dazu gar keine Veranlassung, denn wir hätten dadurch sicher keine besseren Weine. Manche stören sich vielleicht daran, dass wir unsere Weine nicht selbst ausbauen. Dagegen haben wir aber gute und überzeugende Argumente.

Die WG verzeichnet seit Jahren steigende Absatzzahlen. Das Marketing greift, die Genossenschaft ist beliebt bei Gastronomie und Privatkunden. Viele von ihnen finden den Weg in den Weinladen, der manchmal ziemlich eng wirkt, wenn viel Betrieb ist. Haben Sie in der Altstadt zu wenig Platz?

Darüber denken wir nicht erst seit gestern nach. Es stellt sich die Frage, ob der Weinladen an seine räumlichen Grenzen stößt. Die Möglichkeiten an unserem Standort sind diesbezüglich jedoch sehr begrenzt. Wir können hier höchstens punktuell etwas verändern für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Wir befassen uns mit dem Thema Erweiterung, werden aber nichts unüberlegt tun. Wir wollen eigentlich in der Altstadt bleiben, müssen aber mittelfristig die Zukunft abdecken. Wenn wir zur Einsicht kommen, dass das so nicht möglich ist, müssen wir darüber hinaus Überlegungen anstellen. Wir werden da sicher zu einer guten Lösung kommen. Gleichwohl muss man auch bedenken, dass uns der Zehntkeller ein hohes Gut ist. Hier ist auch unser Lager in unmittelbarer Nähe zum Verkaufsladen. Trotz aller Verkehrsprobleme, die man hier in der Altstadt vielleicht sehen mag, sind wir mit unserem Standort zufrieden. Wir sind nahe an der Heidelberger Straße mit ihren Geschäften, und ein kleiner Verkaufsladen hat ja auch seinen Charme.

Wie wird sich der Sortenspiegel der Winzergenossenschaft entwickeln?

Für die Produktvielfalt ist unser Geschäftsführer Harald Weiss maßgeblich. Wir haben zwar auch Exoten wie Chardonnay oder Sauvignon Blanc, werden sicher aber in Zukunft nicht jeden Schnickschnack mitmachen. Unsere Sortenstruktur ist sehr gut und ausgewogen.

Laut Satzung muss der Vorstandschef der Winzergenossenschaft mit Vollendung des 68. Lebensjahres aus dem Amt scheiden. Sie sind im November 60 Jahre alt geworden. Stehen Sie der WG und ihren Mitgliedern auch noch die nächsten acht Jahre zur Verfügung?

Das weiß ich noch nicht. Eigentlich hatte ich mir das 65. Lebensjahr mal als Ziel gesetzt. Vor allem ist das aber eine gesundheitliche Frage für mich. Man wird sehen.

Welchen Wunsch würden Sie mit dem Ende Ihrer Amtszeit verbinden, wann immer es kommen mag?

Ich wünsche mir, dass die Winzergenossenschaft dann so gut dasteht, wie heute. Aufsichtsrat, Vorstand und Geschäftsführer leisten eine sehr gute Teamarbeit. Wir haben eine gute Mannschaft, Junge sind nachgerückt. Das macht mich zuversichtlich, dass Kontinuität in den Gremien gegeben sein wird - und das für die nächsten zehn Jahre und darüber hinaus. Seit 1978 bin ich in den Gremien der Winzergenossenschaft tätig. Und ich kann sagen: Es ist lobenswert, dass die Mitglieder die Zeichen der Zeit erkannt haben. Die Grundlage der Qualität der Weine entsteht im Weinberg. Das haben unsere Winzer erkannt. Sie wissen heute, dass sie entscheidend zum Ergebnis der Winzergenossenschaft beitragen. Und das ist eine ganz positive Entwicklung. Der Weinbau bedeutet körperliche Arbeit und hohen Zeitaufwand. Das ist etwas anderes als ein "normales" Hobby. Erst recht, wenn man Qualität erzeugen will. Und da können wir uns auf unsere Winzer verlassen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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