10.12.2010

Ja zu "Stolpersteinen" in Schriesheim Gemeinderat votiert für Verlegung von Messingplatten zum

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Vor dreizehn Jahren verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig seine ersten "Stolpersteine" in Berlin-Kreuzberg, mit denen er direkt vor den Häusern an die letzten frei gewählten Wohnsitze von NS-Opfern erinnerte. Inzwischen hat er mehr als 22 000 dieser zehn auf zehn Zentimeter großen Betonsteine mit Messingtafeln auf der Oberseite in Deutschland und im europäischen Ausland in Gehwegen und Plätzen einzementiert. Jeder einzelne "Stolperstein" ist individuell beschriftet und weist mit Namen, Lebensdaten und Hinweisen zum Schicksal der jeweiligen Person auf deren Geschichte hin. Gestern beschloss der Gemeinderat mehrheitlich in seiner letzten Sitzung des Jahres, auch in Schriesheim derer mit "Stolpersteinen" zu gedenken, die der Nazi-Terror aus ihren Häusern und aus ihrer Heimatstadt vertrieb. Dabei soll jedoch auf das Einvernehmen mit den heutigen Hauseigentümern Rücksicht genommen werden.

Es geht um insgesamt 47 Einzelschicksale, an die erinnert werden kann, darunter vor allem jüdische Mitbürger, aber auch "Euthanasie"-Opfer. Gegen den Antrag der drei christlichen Kirchengemeinden Schriesheims sowie der Grünen-Stadträtinnen Dr. Barbara Schenk-Zitsch und Gisela Reinhard votierten die acht Stadträte Dieter Knopf, Heinz Kimmel und Jutta Becker (alle Freie Wähler (FW)) sowie Adrian Ahlers, Thomas Edelmann, Isolde Nelles, Paul Stang und Anselm Löweneck (alle CDU).

Dieser begründete das Nein der Unionsmehrheit zum Antrag in einer sachlichen und inhaltlich umfassenden Beratung des Gremiums. Der millionenfache Mord und das schwere Unrecht am jüdischen Volk dürfe nicht vergessen werden. Doch bedürfe es der Erinnerung eines würdigen Rahmens, den die "Stolpersteine" nicht erfüllen würden. Unrat und Schmutz liege auf Gehwegen, unzählige Menschen würden achtlos über die "Stolpersteine" hinweggehen, ihn "mit Füßen treten". Das sei mit dem Pietätsgefühl seiner Fraktion nicht vereinbar. Löweneck fürchtete zudem, dass die heutigen Hauseigentümern latent verdächtigt werden könnten, aus dem Schicksal der ehemaligen Bewohner Vorteile gezogen zu haben. Dagegen begrüßte sein Fraktionskollege Karl Reidinger die Initiative. Die "Stolpersteine" seien dezentrale Bezugspunkte gegen das Vergessen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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