24.12.2010

In einer steckt Schriesheim drin

In einer steckt Schriesheim drinHäuser und Hintergrund der Krippe im Foyer des Rathauses weisen auf Alt Schriesheim hin, und die Gesichter mancher Figuren sind Schriesheimer Bürgern nachempfunden. Foto: Dorn
Schriesheim. (Si) Wenn die Adventszeit beginnt, werden drei große Krippen aufgebaut: in der katholischen Kirche in Schriesheim und in Altenbach sowie im Foyer des Rathauses verharren die Menschen vor dem biblischen Geschehen. Zwei Namen sind mit den Schriesheimer Krippen eng verbunden: Elisabeth und Sigrid Murhard. Sie gestalteten in den 80er und 90er Jahren fantasievoll die Figuren und die Gewänder.

Wenn von der Murhard'schen Krippe die Rede ist, ist in der Regel jene im Rathaus mit den Figuren von Bildhauerin Elisabeth Murhard (1904 bis 1986) im Foyer gemeint. Viele Rathausbesucher eilen schnell an ihr vorbei, doch ein genaueres Hinblicken lohnt sich. 1982/83 wurde sie von Schülern der 13. Jahrgangsstufe des Kurpfalz-Gymnasiums unter der Leitung von Heidi Lautenschläger aufgebaut. Die Namen der Mitwirkenden sind auf der Rückseite vermerkt, darunter auch der heutige VHS-Vorsitzende Frank Röger. Das Besondere an der Krippe: Hier verweisen Häuser, Hintergrund und Figuren auf Alt Schriesheim.

Elisabeth Murhard modellierte vor allem die Gesichter, die allesamt Schriesheimer Bürger zum Vorbild haben. Da war es nur konsequent, das Architekturensemble nach typischer Stadtarchitektur auszurichten, als eigenständigen Raum als Hintergrund, der sich in einer Landschaft fortsetzt, mit Blick auf die Strahlenburg.

Links ist eine Tabakscheune und ein Stall mit Maria und dem Kind zu sehen sowie zehn Erwachsene. Vorbild sei das Merkel'sche Haus Nr. 8 gewesen, der Tabakschuppen diente als Modell. Das Mütterchen daneben geht wohl auf die Kindergärtnerin Schwester Babette zurück, auch die "Eierbäsel" genannt. Sigrid Murhard lebt heute in Hemsbach. "Ich habe die Kostüme gemacht, sie sind der Fantasie entstanden, meine Schwiegermutter hat die Figuren, vor allem die Gesichter nach alten Fotografien". Altbürgermeister Peter Riehl regte seinerzeit die Krippenausstellung 1999 an.

In der katholischen Kirche Schriesheim war es dann Sigrid Murkhard, die den Figuren gestalterisch Leben einhauchte. Das alte Krippenhaus, das der ehemalige Pfarrer Dr. Seeger gebaut hat, stand noch bis 2005 und war dem "Schriesheimer Fachwerkstil" ähnlich dem im Rathaus nachempfunden. Inzwischen sorgen Kirchengemeinderätin Isabel Blessing-Peest und ihr Helferteam Hans Becher, Peter Pscheidt, Alfred Flöser und Günther Warth für den Weihnachtskrippen-Aufbau und die aufwändige Technik.

Als Blessing-Pest 1998 nach Schriesheim kam, vermisste sie das Ambiente des heiligen Landes und ruhte nicht, bis sie den Hintergrund zehn mal 1,60 m, Acryl auf Leinwand, verwirklichen konnte. 2006 entwarf die Malerin dann eine symbolträchtige Leinwand. Sie verweist gezielt auf Himmel und Erde, die Erde als Gegenüber des göttlichen Wirkens, der Himmel als göttliches Element, das für Licht und Lebenskraft steht, die Sonne als Schöpferwirken. Auf der Erde macht die Wüste ein Viertel des Bildes aus, sie soll den Menschen die Adventszeit als Fastenzeit bewusst machen. Die Häuser leiten über in eine große Höhle, der nur ein kleiner Stall aus drei alten Weinstöcken vorgestellt ist.

Das ganze Ensemble wirkt orientalisch. Einige der Figuren wurden erneuert und an die Murhardt-Figuren angeglichen, erläutert Blessing-Peest. Hans Becher gestaltete noch einen Ziehbrunnen und ein Lehmhäuschen. Vom Beduinenzelt über eine einfache Höhle zum Lehmhaus bis hin zur stattlichen Festung reichen die Behausungsformen - jedes Element ist ein Symbol. Im nächsten Jahr soll auch ein echter Wasserlauf wieder plätschern. Neu in die Figurengruppe intergriert wurde jetzt eine hochschwangere Orientalin als ein Symbol für Fruchtbarkeit. Dreiteilige Panoramakarten zur Krippe werden seit 2009 wieder für einen guten Zweck verkauft. Damit wird die Arbeit im Caritas-Baby-Krankenhaus in Bethlehem unterstützt. Die Grußkarten sind erhältlich im Pfarrbüro und Utes Bücherstube. Eine stattliche alpenländische Weihnachtskrippe ist in der katholischen Kirche St. Michael Altenbach zu bewundern. Diese Krippe mit den klassischen, aber außergewöhnlich großen Holzfiguren (bis einen Meter hoch) mit der heiligen Familie, Ochs, Esel im Stall und die Hirten mit ihren Schafen bis hin zum Kamel der Dreikönige ist immer wieder ein besondereres Erlebnis.

Die Krippe kam bereits 1963 bei der Einweihung der katholischen Kirche zu Ehren. Die über einen Meter hohen Krippenfiguren gehen noch auf Pfarrkurat Hans Joachim Nicol zurück, der damals in der Doppelgemeinde Altenbach-Wilhelmsfeld tätig war. Er war neben dem Kirchenarchitekten Rainer Disse (Karlsruhe) und Karl-Heinz Wienert, Professor für bildende Künste an der Hochschule Hamburg, maßgeblich am Bau und der Ausstattung von St. Michael beteiligt. Zur Einweihung der neuen katholischen Kirche, 1963, sorgte der Pfarrkurat dafür, dass die alten Glocken, die alte Orgel, die alten Messgewänder an die Diaspora geschickt wurden. Pünktlich zur Einweihung hatte der rührige Pfarrkurat die neue Orgel, die neuen Meßgewänder und .die neuen Krippenfiguren beschafft. Die Kostüme der Figuren aus Samt, Brokat samt Unter- und Beinkleid sind alle noch original.

Die Altenbacher Katholiken freuen sich alljährlich über das liebevoll gestaltete Bethlehem-Geschehen, das Pfarrgemeinderatsvorsitzender Michael Weiner und seine Helfer Mitte der 90er Jahre wieder erweckt haben. Der Namensvetter von St. Michael sorgt seitdem als gelernter Elektroinstallateur dafür, dass in der Kirche nie das Licht ausgeht und seit 2000 ist Weiner Kirchengemeinderatsvorsitzender.

Als Pfarrer Ronny Baier 2002 die Seelsorgeeinheit Schriesheim-Dossenheim- Altenbach übernahm, begutachtete er die Szenerie um Bethlehem und sorgte seinerseits für einen Blickfang in der Kirche mit der Neugestaltung des Adventskranzes in Form der "Wurzel von Jesse" - rechts an der Altartreppe ist sie seitdem ein echtes Schaustück. Auch um das Ambiente rund um den Altar kümmerte sich der Pfarrer und schuf einen Rundgang um die Krippe mit ihren großen Figuren, die das Jahr über auf dem Kirchen-Speicher auf ihren nächsten Auftritt warten.

Wo einst am Altar die barocke Muttergottes stand, wird auf einer Fläche von etwa 14 Quadratmetern das Weihnachtsgeschehen dargestellt, auf dem Weg reitet Maria auf dem Esel, geführt von Josef, in Richtung Stall. "Die Figuren standen einfach auf Stroh, fast 40 Jahre wurde der Stil von Pfarrer Nicol beibehalten, um die Krippe herum viel Grün. Wie in einer Grotte im Wald stand die Heilige Familie da", erinnert sich Bernhard Schäfer. Als Weiner und seine Helfer an Weihnachten 2002 wie gewohnt die Figuren aus dem Speicher holten, wollte der Schriesheimer Pfarrer, wissen wo der Stall ist. "Stall? Haben wir nie gehabt", meinte Weiner.

Als der Pfarrer die Figuren gesehen hatte, machte er genaue Angaben, wie die Herberge aussehen soll. Dieser besorgte im Odenwald Holz - nach bald 40 Jahren im Stroh bauten er und Franz Zöllner einen respektablen Stall für die heilige Familie, mit viel Moos aus dem Altenbacher Wald. So wird es bis heute gehalten.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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