13.04.2011

Bis September Kurven fahren

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Als die erste Bauphase für den Branichtunnel vor gut zwei Jahren mit den zwei Brücken an der Leutershäuser und an der Schönauer Straße begann, versprach das Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit. Immer wolle man die Bürger auf dem neuesten Stand halten. Fakt ist: Seit dem 15. Oktober 2010 hat sich das RP von sich aus nicht mehr zum Tunnelbau geäußert. Damals vor einem halben Jahr wurde die europaweite Ausschreibung des Tunnelrohbaus bekanntgegeben. Bis März 2011 wolle man ein Unternehmen beauftragen, hieß es. Mitte des Jahres könne dann der eigentliche Tunnelbau losgehen. Seitdem war nichts mehr zu hören. Bis vergangenen Freitag.

Inzwischen war in Karlsruhe zu erfahren, dass nicht mehr die Pressestelle des RP für die Information der Steuerzahler über das mit 63 Millionen Euro teuerste Projekt im Landesstraßenbau zuständig ist, sondern die Öffentlichkeitsarbeit des Stuttgarter Umwelt- und Verkehrsministeriums (UVM). Kommunikation als "Chefsache". Karl Franz gehört zum Stuttgarter Presseteam des UVM. Er teilte auf Anfrage mit, dass die Vergabefrist für den Tunnelrohbau bis Juli verlängert worden sei, "um die finanziellen Auswirkungen des sehr teuren Projekts auf den Landeshaushalt überprüfen zu können" (wir berichteten).

Das war ein Hinweis auf den grünroten Kassensturz. Grünen-Landtagsabgeordneter Uli Sckerl gab zwar sofort Entwarnung: Alle begonnenen Projekte würden vollendet, auch der Tunnel. Sollte es mit der Vergabe der Arbeiten im Volumen von prognostizierten 45 Millionen Euro wirklich bis Juli dauern, verzögerte sich der gesamte Tunnelbau vorneweg um weitere vier Monate. Angepeilt war die Eröffnung des Branichtunnels im Jahr 2014.

Bis August soll es dauern, bis die Straßenbahnbrücke über die künftige Tunnelzufahrt, die neue L 536, fertig sein soll. Danach braucht die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) die Brücke, um auf ihr Schienen verlegen zu können – und das im Rahmendes zweigleisigen Ausbaus der RNV-Linie 5 zwischen Schriesheim und Weinheim. Neben der Bahnbrücke ist auch die Brücke für die B 3 im Bau.

Diese soll nach Franz’' Angaben voraussichtlich im kommenden September befahrbar sein. Solange wird es also noch die kurvenreiche Umleitung an der Baustelle geben. Franz ergänzte: "Der neue Verkehrsknoten B 3 / L 536 soll dann soweit hergestellt sein, dass der künftige Baustellenverkehr für den Abtransport des Tunnelausbruchs über das neue Teilstück der L 536 erfolgen kann." Die Tunnelbauer rechnen damit, dass rund 15 000 Lastwagenladungen Gestein aus der 1796 Meter langen Tunnelröhre gefahren werden müssen. Davon solle Schriesheim jedoch nicht belastet werden, so Karl.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung