30.05.2011

Sie wählten wie die Erwachsenen

Sie wählten wie die Erwachsenen

Auf einen Blick: Die frisch gewählten Schriesheimer Jugendgemeinderäte (bis auf drei fehlende Mitglieder) zusammen mit der Jugendsozialarbeiterin Nicola Klamer. Foto: Dorn

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Ein wenig unschlüssig bleibt Greta im Eingang zum Wahllokal stehen. Die Achtjährige darf noch nicht wählen, kommt aber als Verstärkung für drei ältere Kinder mit, die den Wahlhelfern stolz ihre Wahlbenachrichtigungen vorlegen. Sie sind Erstwähler und dürfen bei der Jugendgemeinderatswahl ihre Stimme abgeben.

"In vier Jahren darfst du auch wählen", erfährt Greta von Jugendsozialarbeiterin Nicola Klamer und lässt das weitere Geschehen schweigend auf sich wirken. Die Wahl, die an diesem Nachmittag in Klamers Büro im Kunstpavillon stattfindet, unterscheidet sich in nichts von dem bei den "erwachsenen" Wahlen. Die Wahlbenachrichtigung wird mit dem Wählerverzeichnis abgeglichen, und falls das Blatt mit den Kandidaten noch nicht ausgefüllt ist, werden die Wähler der Reihe nach von Helfer Matthias Schmelzer in die Wahlkabine geschickt.

Dazu gibt es vom scheidenden Jugendgemeinderats-Vorsitzenden Marcel Maltry noch ein paar zusätzliche Informationen. Er erinnert an die Sitzung zu Jahresbeginn, als der Jugendgemeinderat beschloss, das Wahlalter auf zwölf Jahre und die Wählbarkeit auf 14 Jahre herabzusetzen. "Denn wir wollen die Jugendlichen früher heranführen und ihnen zeigen, wie demokratische Systeme funktionieren."

Durch diese Änderung, ergänzt Klamer, kamen mit einem Schlag um die 400 zusätzliche Wahlberechtigte hinzu. Weshalb sie auch hofft, dass die Beteiligung die 30-Prozent-Marke erreicht wird, nachdem bei der letzten Wahl vor zwei Jahren immerhin 24 Prozent der Jugendlichen zur Urne gingen. Diese Hoffung erfüllte sich fast: Die Wahlbeteiligung lag schließlich bei 29 Prozent.

Geändert wurden auch die Wahlzeiten, und das, so berichtet Klamer, hat sich jedenfalls bewährt: "Am Donnerstag und Freitag war einiges los." Da wurde in der Stadtbibliothek gewählt, also in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Schulen im Kurpfalz-Schulzentrum. Nicht selten seien die Schüler in Klassenverbänden oder mit der ganzen Clique zur Wahl gekommen. "Wir hatten da etwas mehr Betrieb als heute", so Klamer. Gerade in den Pausen habe es regelmäßig Schlangen vor den Wahlkabinen gegeben. Besonders rege beteiligten sich die Werkrealschüler an der Wahl. "Und die meisten hatten sich schon vorher informiert und wussten genau, wen sie wählen wollten."

Der Samstag, auch wenn jetzt weniger los sei, habe Vorteile für alle, die nicht das Schulzentrum besuchen. "Heute kamen zum Beispiel einige Azubis", so Klamer. Der nächste Wähler, der das Wahllokal betritt, ist dagegen noch deutlich jünger. Er wird von seinem Vater begleitet, der sich die Einsendungen zum Kreativ-Wettbewerb zum Thema Schriesheim ansieht, während sein Sohn in der Wahlkabine verschwindet. Auch hier haben die Jugendlichen die Qual der Wahl.

Unter den drei vom Jugendgemeinderat ausgewählten "Finalisten" gilt es einen ersten, zweiten und dritten Sieger zu küren. Schon allein der Wettstreit der drei Jugendlichen könnte programmatisch sein für die Arbeit des künftigen Jugendgemeinderats. Denn die Beiträge der Finalisten setzen sich zum Teil recht kritisch mit der Lebenssituation Jugendlicher in Schriesheim auseinander.


Wahlergebnisse

Bei der Wahl des Jugendgemeinderates gab es 1146 Wahlberechtigte, von denen 333 zur Urne gingen und 331 gültige Stimmzettel abgaben. Insgesamt vergaben sie dabei 5667 gültige Stimmen.

Folgende Bewerber wurden gewählt (die Anzahl der Stimmen steht jeweils in Klammern): Felix Kälberer (377), Peter Kälberer (370), Kai Buschmann (364), Korbinian Döderlein (262), Katharina Hildenbeutel (251), Annika Fink (244), Dominik Siebert (195), Benjamin Ischebeck (184), Thomas Gehrig (179), Dennis Ruland (163), Sina Titus (158), Bernd Zipperle (156). Zu Ersatzpersonen gewählt wurden Sebastian Gernold und Melisa Güngör.

Auch die Sieger des "Schriesheim-Kreativwettbewerbs" wurden in den vergangenen Tagen von den Wahlberechtigten gekürt. Der erste Preis ging dabei an Jasmin Bauer, Zweiter wurde Aryan Hall, und den dritten Platz belegte Ruben Maltry.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung