04.07.2011

"Das ist super so"

Von Carsten Blaue

Bergstraße/Heidelberg. Da sitzt sie nun in der RNZ-Redaktion, die frisch gekürte Badische Weinprinzessin. Am Donnerstag wurde Målin Well in Freiburg gewählt und wird in den kommenden zwölf Monaten an der Seite der neuen Weinkönigin Natalie Henninger und gemeinsam mit Weinprinzessin Corinna Trescher Badens Weine im In- und Ausland repräsentieren.

"Das ist super so", sagt Målin und meint damit auch, dass es für das Amt der Weinkönigin nicht ganz gereicht hat. Das sei zwar das Ziel gewesen: "Aber Natalie war alles in allem schon souveräner", gibt die Hirschbergerin zu. Vor dem Lächeln der gekrönten Häupter in die Kameras von Presse und Fernsehen stand ein ziemlich stressiger Wahltag im Historischen Kaufhaus am Freiburger Münsterplatz. Der Geschäftsführer der Schriesheimer Winzergenossenschaft (WG), Harald Weiss, hatte sie auf diesen Tag mit der Wahl und der Prüfung rund um den Wein in Baden vorbereitet. Einen Besseren hätte sie dafür kaum finden können, gehört Weiss doch zu dem 33-köpfigen Gremium, das die Badischen Weinhoheiten kürt. Er war es auch, der Målin beim diesjährigen Mathaisemarkt darin bestärkte zu kandidieren. Daran gedacht hatte Målin aber schon, als sie im Jahr 2007 Schriesheims Weinkönigin war.

Jedoch wollte sie eine Pause haben zwischen den Ämtern. Schließlich waren da noch ihre Tätigkeiten als Schlossführerin in Schwetzingen und Mannheim. Und ein Jahr in Valencia hat sie im Rahmen ihres Studiums seitdem auch verbracht. Dieses Jahr passte aber alles, und so sagte sich Målin: "Jetzt oder gar nicht." Ihre Eltern Traudel und Andreas Well stärkten ihr den Rücken, und so war es beschlossene Sache. Weiss deckte sie mit Unterlagen und Seminarbüchern ein. So begannen im Mai die Vorbereitungen für den Wahlmarathon.

Knapp 15 Minuten musste jede der insgesamt vier Bewerberinnen den Vertretern aus Weinwirtschaft, Politik, Wirtschaft und Medien Rede und Antwort stehen. Elf Fragen waren zu beantworten. Målin war als Letzte dran: "Ich war ja so aufgeregt. Ich hatte richtig Angst." Was Winzersekt von Perlwein unterscheidet, wie viel Hektar Rebfläche es in Baden, Deutschland, in der EU und weltweit gibt, die Frage, was eine Agraffe ist, oder wie sie den Papst davon überzeugen würde, die Badischen Weinhoheiten im Rahmen seines Deutschland-Besuchs zu empfangen: Die Prüfung war nicht immer leicht. Bei der Blindprobe lag Målin daneben: "Ich dachte, es sei Chardonnay, aber es war Müller-Thurgau."

Für ihre aufgeschlossene Schlagfertigkeit und ihr Wissen erntete sie dennoch viel Lob, sodass ihr danach schon die Krone einer Prinzessin sicher war. Später waren in noch größerer Runde und bei ordentlich Medienrummel zwei weitere Fragen rund um den Weinmarkt zu beantworten. Danach wurde gewählt. Målin gönnt Natalie Henninger die Krone der Königin: "Sie lebt total darin, war top vorbereitet und will ja auch Weinwirtschaft studieren."

Målin legt Wert darauf, dass die Basis zwischen den drei Hoheiten stimmt. Das sei vielleicht nicht ganz so relevant wie in Schriesheim, wo man immer beieinander sei, wogegen die badischen Weinrepräsentantinnen eher selten zusammen Termine hätten. Dennoch sei die Harmonie wichtig. Nach Entkrönung der scheidenden Hoheiten und der Krönung der neuen sowie der Autoübergabe – Målin hat als "Dienstwagen" einen VW Polo mit dem sinnigen Kennzeichen FR-WP 606, für den sie noch Fahrer sucht, damit sie auch mal ein Gläschen trinken kann – sei sie erst einmal "voll durch den Wind" gewesen: "Da hab’ ich nur noch funktioniert. Ich konnte das alles noch gar nicht realisieren."

Das gelang ihr erst am Freitag früh gegen 1 Uhr, als sie zu Hause in der Unteren Straße in Heidelberg ankam. Dort warteten in der WG schon ihre Mitbewohner, die mitgefiebert hatten und schließlich ein bemaltes Bettlaken aus dem Fenster hängten: "Hier residiert die Badische Weinprinzessin 2011/12" steht darauf. In der WG-Küche wurde gefeiert.

Am Montag geht es dann los mit dem spannenden Leben als badische Weinhoheit, auf das sich Målin ganz konzentrieren will: "Dann studiere ich eben ein Jahr länger." Auf ihre Prüfung als Heidelberger Schlossführerin im Juli will sie sich aber trotzdem ordentlich vorbereiten. Ihre Amtszeit im Dienste des badischen Weines beginnt übrigens nicht viel anders als bei den Schriesheimer Weinhoheiten. Erst werden in Endingen Kleider gekauft, am Dienstag dann die Fotos für die Autogrammkarten gemacht. Es dürfte auch erste Terminabsprachen zwischen den drei Weinhoheiten geben. Einen offiziellen Auftritt hat Målin aber bereits im Kalender stehen: Weiss hat sie zur Mitgliederweinprobe der WG am 8. Juli in den Schriesheimer Zehntkeller eingeladen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung