15.08.2011

Neue Wege für die letzte Ruhe

Schriesheim. (cab) Nördlich des Hauptweges auf dem Schriesheimer Friedhof ist in den vergangenen Wochen ein geschwungenes Wegenetz entstanden. Der Leutershausener Landschaftsgärtner Jörn Schmidt hat es angelegt. Längs der 120 Quadratmeter umfassenden Wege dominiert noch das helle Braun aufgeworfener Erde. Das soll sich ab Mitte September ändern, wenn die 230 Quadratmeter Vegetationsfläche nach und nach bepflanzt werden, nachdem das Areal modelliert wurde. Hier entsteht eine neue Grabanlage für 17 Sarg- und 54 Urnenbestattungen. Die Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner (GBF) hat sie angeregt. Schon im vergangenen Dezember passierte die Idee den Bauausschuss, auch der Gemeinderat gab seine Zustimmung. Jetzt also die Ausführung. Zweiter Bürgermeisterstellvertreter Heinz Kimmel erläuterte vor Ort den Stand der Dinge und das Konzept.

Auch bei Beerdigungen gibt es Trends. Schon lange steigt die Zahl der Urnenbestattungen. Und immer öfter äußern Angehörige den Wunsch oder die Notwendigkeit einer Grabpflege, die für sie mit möglichst wenig Arbeit verbunden ist. Dafür hat die GBF eine Lösung, nämlich eben solche gärtnerisch gepflegten Grabfelder. Über 200 haben Mitgliedsbetriebe der GBF bereits angelegt. Nun ist auch Schriesheim an der Reihe. Das Geschäftsmodell ist schlüssig und günstig.

Die Stadt gibt die Fläche, die GBF legt das Grabfeld an und pflegt die Gräber sowie die gesamte Anlage. Dafür trifft sie mit ihren Kunden variable Pflegevereinbarungen in sogenannten Dauergrabpflege-Verträgen mit einer Laufzeit von bis zu 25 Jahren. Der Kunde zahlt am Anfang den vollen Preis für diese Zeit. Die GBF legt das Geld an und gleicht Inflationsraten aus den Anlagegewinnen aus. So sind nachträgliche Preiserhöhungen für den Kunden ausgeschlossen, und die Pflege ist über die gesamte Vertragslaufzeit garantiert. Die Stadt erhält weiterhin die Gebühren für die Grabnutzung. Vor Ort beauftragt die GBF ihre Mitgliedsbetriebe mit Anlage des Grabfeldes, und hier kommt Kimmel ins Spiel. Der Gärtnermeister ist der einzige Friedhofsgärtner in Schriesheim. Sein Betrieb hat die Genehmigung der Stadt auf dem Friedhof arbeiten zu dürfen. Und Kimmel ist Mitglied in der GBF. Das alles muss gesagt werden, um zu verdeutlichen, warum Kimmel den Auftrag für die Anlage und Pflege bekam. Gemeinsam mit Steinmetz Herbert Wink gab er seinerzeit die Anregung für das neue Grabfeld.

Dieses wird mehrere Bestattungsmöglichkeiten eröffnen. Auch das entspricht dem Zeitgeist. Offensichtlich wird das schon dadurch, dass es hier keine klassischen Einfassungen der Gräber geben wird und nur kleine, nicht glänzende Grabsteine. Möglich werden neben Sarg- und Urnenbestattungen auch Beisetzungen von Aschen in einem Blumenbeet mit mehreren Urnengräbern sein. Denkbar ist auch eine Urnenbestattung an einem Baum oder in einem "Urnenhain" mit Natursteinfindlingen. Die ersten Beisetzungen seien noch Ende des Jahres möglich, meinte Kimmel. Rund 20 000 Euro gebe die GBF für das neue Gräberfeld aus, die Kimmel über die Zeit anteilig aus den Pflegeeinnahmen ausgleicht. Kimmel schwebt vor, dass es vielleicht im Rahmen der Einweihung der modernen Grabanlage so etwas geben könnte wie einen "Tag des Friedhofs". Hier könnten sich dann die Blumengeschäfte ebenso vorstellen wie Beerdigungsinstitute, Friedhofsgestalter oder Steinmetze. Eben alle, die im Bestattungswesen tätig sind.

Info: Informationen zum neuen Grabfeld auf dem Friedhof bei der Gärtnerei Kimmel, Telefon 0 62 03 / 6 12 07.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung