15.09.2011

"Wir haben keinen Tag verschenkt"

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Es gab schon Weinlesen, da war Harald Weiss nervöser. Doch in diesem Herbst ist der Geschäftsführer der Winzergenossenschaft (WG) fast die Ruhe selbst - bis jetzt zumindest: "Wir sind voll im Plan, sogar noch etwas schneller."

Dornfelder und St. Laurent sind schon lange drin, seit Dienstag auch der komplette und kerngesunde Sauvignon Blanc, und die Ernte des Müller-Thurgau ist ebenfalls abgeschlossen, und das eigentlich schon seit Montag: "Am Dienstag kam nur noch eine Partie. Zum Glück haben wir an diesem Tag schon mit Riesling angefangen", lächelt Weiss: "Wir haben keinen Tag verschenkt."

Nein, Weiss hat nichts zu klagen. Die Technik im Kelterhaus funktioniert, das Kelterhausteam schafft sowieso mit der Ruhe Jahrzehnte langer Erfahrung, "und die Winzer machen auch ihren Job", lobt Weiss. Noch keinen einzigen Bottich habe er ablehnen müssen. Dabei seien die Erntehelfer dieses Jahr nicht schlecht gefordert: "Die Essigfäule", sagt Weiss, "ist eigentlich das größte Thema dieses Jahr. Da müssen alle höllisch aufpassen." Und Schlechtes wegschneiden, damit nur beste Trauben zu Wein werden. Und da hat Weiss bekanntlich seine Maßstäbe.

So betont er einmal mehr, dass auch der Weißherbst kein "Abfallprodukt" sei: "Auch da muss der Spätburgunder kerngesund sein." Gestern hatte er im Schnitt um die 90 Grad Öchsle, für den Rosé zwischen 88 und 94 Grad. Auch Grauburgunder wurde angeliefert, am Anfang mit Mostgewichten zwischen 89 und 94 Grad Öchsle. Der Sauvignon Blanc hatte am Dienstag im Schnitt 95 Grad. Spätlese-Qualität. Im guten Kabinett-Bereich lag der Müller-Thurgau, der erste Kuhberg-Riesling hatte 87 Grad Öchsle im Mittel, der Riesling der Großlage Rittersberg um die 83 Grad: "Das passt alles. Der Trend stimmt", so Weiss: "Wir haben Recht gehabt, auch den ersten Riesling so früh zu holen." Der Klimawandel, so der WG-Geschäftsführer, lasse den Riesling schneller reifen. Seinem Erntestart lag eine Leseplanänderung zugrunde: "Es wäre ja auch fatal, starr an einer Linie festzuhalten", sagt Weiss. Sogar den ersten Spätburgunder von Winfried Krämer für den Rotwein-Ausbau im Holzfass hat er am Dienstag schon nach Breisach geschickt, nachdem noch Platz war auf dem Auflieger des Lastwagens, auf dem die Bottiche vom Sauvignon Blanc standen. "Die Frachtkosten sind schließlich nicht geringer geworden", erklärt Weiss. Da muss man die Transportwege effizient nutzen. Effizient und effektiv war auch wieder der Einsatz des Vollernters Anfang dieser Woche. Am Montag wurde mit der Maschine Müller-Thurgau gelesen, am Dienstag 3,5 Hektar Riesling - vor allem in den flachen Lagen zwischen Kelterhaus und Dossenheim in vorher dafür ausgewählten Weinbergen. Im Regen-Herbst 2006 hatte der Vollernter als Retter gedient, dieses Jahr vertiefte die WG ihre Erfahrungen mit der maschinellen Lese: "Denn das Wetter macht ja irgendwie doch noch mit", so Weiss: "Wir haben noch nichts witterungsbedingt abgeblasen." Auch daher ist die WG heuer bisher "voll im Plan".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung