10.01.2013

Marcus Schleicher eröffnet seinen "Strahlenberger Hof"

Marcus Schleicher eröffnet seinen "Strahlenberger Hof" Die Neuen im 'Strahlenberger Hof': Meike Roschig und Marcus Schleicher. Foto: Dorn

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Das Wort "Pre-Opening" mögen sie nicht: keine überflüssigen Anglizismen, wo man auch "inoffizielle Eröffnung" sagen könnte. Das Wort passt zum Donnerstagabend, an dem der "Strahlenberger Hof" unter Regie von Meike Roschig und Marcus Schleicher nach nur zehntägiger Pause wieder öffnet.

Bis zum Jahreswechsel wurde das Restaurant von Susanne und Jürgen Schneider mit einem Stern geführt. Nun zieht es sie nach Südafrika. Sie räumten die Wohnung im "Strahlenberger Hof" am selben Tag, an dem ihre Nachfolger einzogen. Während seine Halter mit dem Umzug beschäftigt sind, darf Kater Jogi noch über dem Restaurant wohnen - paradox ist, dass der Stubentiger bisher als einziger der Schneiders über eine gültige Aufenthaltserlaubnis für Südafrika verfügt und auch schon ein Flugticket hat.

Roschig und Schleicher haben derweil andere Sorgen: Sie wollen einen Teil der 20 Jahre alten Küche erneuern. "Der Herd funktioniert noch nicht", vermeldet der Küchenchef, lässt sich dadurch aber nicht sichtbar aus der Ruhe bringen: Der Trubel sei nichts anderes als die übliche Arbeit vor einer neuen Saison. Der 42-jährige Küchenmeister und Konditor, der unter anderem im Wiesbadener Gourmet-Restaurant "Ente vom Lehel" kochte, arbeitete die letzten sechs Jahre in der Schweiz, zuletzt im Hotel Misani in St. Moritz. Mit Ausnahme der langen Winter lebte er dort gerne: "Ich habe immer gesagt, wenn ich wieder nach Deutschland gehe, dann in den 'Strahlenberger Hof'."

Seit 20 Jahren mit Schneiders befreundet, ist ihm das Lokal nicht fremd: Mehrmals kochte er hier schon als Urlaubsvertretung. Jürgen Schneiders Angebot, sein Nachfolger zu werden, nahm er deshalb ohne Zögern an. Er mag die Gegend, das Haus und kann sich auch mit Schneiders Idee vom Kochen und seiner Vorliebe für Wildkräuter identifizieren.

In der Schweiz machte Schleicher Lehrgänge bei Kräuterfrauen, die überliefertes Wissen über Kräuter und ihre Wirkung weitergaben. Süßes, Scharfes und Bitteres ausgewogen einzusetzen und den unverfälschten Naturgeschmack herauszuarbeiten, reizt ihn: "Kräuter sind das Parfüm des Essens." Am liebsten kocht er mit Meeresfrüchten, schätzt aber auch Fleisch. Weshalb er für heute Abend im Hauptgang zweierlei geschmortes Kalb vorbereitet, saisonale Gemüse sowie Schweizer Spezialitäten wie eine Rösti-Variante und Käse. Langfristig plant er eine kleine Karte mit zwei ständig wechselnden Menüs und passenden Weinen.

Seine Lebensgefährtin kümmert sich um Service, Termine und Administration. Der 30-jährigen Hotelfachfrau und Schleicher steht ein Team zur Seite, das schon bei Schneiders tätig war: im Service Claudia Johnson und Melina Link, am Herd Alexander Gräber und Andreas Ohlemüller. Ob es nach der inoffiziellen auch eine offizielle Eröffnung mit Honoratioren geben wird, wissen die neuen Wirtsleute noch nicht. "Das wäre schön", sagt Meike Roschig. Ob Prominenz oder nicht: "Bei uns werden alle Gäste gleich behandelt, sie sollen sich hier alle wohl fühlen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung